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Klima und KlassikDas Ende der Jetset-Stars?

Der Klimawandel beschäftigt auch Musiker, insbesondere das schlechte Gewissen über Flüge. Der Dirigent Vladimir Jurowski, das Konzerthaus Helsingborg und das schwedische Label BIS ziehen Konsequenzen. Sie gehören allerdings zu den Ausnahmen, sagt Konzertagentin Andrea Hampl.

Von Susann El Kassar | 26.11.2019

Vladimir Jurowski bei seinem Antrittskonzert beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Wird bis 2021 Stellen in London und Moskau aufgeben, um weniger zu fliegen: Vladimir Jurowski, Chefdirigent des RSB (Mutesouvenir/ Kai Bienert)
"Die Natur ist keine ewig währende Gabe und so wie wir mit der Natur verfahren, werden wir sie bald nur in Oratorien von Haydn oder anderen Musikwerken wiederfinden", warnt Vladimir Jurowski, der Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Er ist einer der klassischen Musiker und Musikerinnen, die der Klimawandel umtreibt und die sich fragen, was sie dem entgegenhalten können.
Fliegen verboten?
CD-Labels könnten die Plastikverpackungen ihrer Produkte hinterfragen, das schwedische Label BIS leistet hier Pionierarbeit. Jurowski setzt auf Aufklärung durch Musik und reduziert die Anzahl seiner Flüge. Das Konzerthaus in Helsingborg wird ab der Saison 2020/21 Solisten und Dirigenten auffordern, per Bahn, Zug oder Schiff anzureisen. Fliegen verboten. Das schwedische Konzerthaus steht mit dieser Forderung allerdings ziemlich alleine da - bis jetzt zumindest. Einen Einblick in die Veranstalterszene in Deutschland gibt die Konzertagentin Andrea Hampl: "Bei Ensembles aus Wien oder London denken viele Veranstalter: ‚Meine Güte, der nimmt sich eben den Flug, der kostet nicht viel und ist jederzeit verfügbar.‘" Andrea Hampl empfindet die gängige Einstellung als Ressourcenverschwendung - und auch als Energieverschwendung für die Künstlerinnen und Künstler.