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StartseiteForschung aktuellKlimaarchiv aus dem Vulkan06.10.2011

Klimaarchiv aus dem Vulkan

Forscher bohren in den Krater des Bonner Rodderbergs

Der Rodderberg, ein erloschener Vulkan, dessen Krater heute weitgehend zugeschüttet ist, steckt voller Rätsel. Forscher gehen Fragen um den Vulkan nun auf den Grund: Seit zwei Wochen bohren sie mitten im Krater und erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Erd- und Klimageschichte.

Von Lucian Haas

In der Luftaufnahme ist der kreisförmiger Kraterwall des Rodderbergs im Süden Bonns zu sehen.  (Universität Bonn)
In der Luftaufnahme ist der kreisförmiger Kraterwall des Rodderbergs im Süden Bonns zu sehen. (Universität Bonn)
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Der schwere Lkw mit Bohrgerät steht direkt neben dem Reiterhof, der sich im Krater des Rodderbergs befindet. Pferde auf den benachbarten Weiden galoppieren scheu umher, als sich der Bohrmeißel zu drehen beginnt und die Spülpumpen anspringen. Jeden Tag reicht das Bohrloch rund zehn Meter weiter in den Untergrund. Bis zu 200 Meter sollen es am Ende werden. Gut die Hälfte davon ist bereits geschafft. Nikolaus Froitzheim ist mit den Fortschritten zufrieden.

"Wir haben bis 71 Meter Sedimente angetroffen, also Lössablagerungen und weiter unten Seeablagerungen. Und von 71 Metern bis zur jetzigen Endtiefe von 103 Metern haben wir in Vulkanasche gebohrt."

Der Geologe von der Uni Bonn interessiert sich besonders für die Ausbruchsgeschichte des Rodderbergs. Die Bohrung ist für ihn wie eine Zeitreise, die schon jetzt erste Überraschungen zutage fördert.

"Was wir vorgefunden haben ist eine relativ feinkörnige Vulkanasche. Das ist eine Art von Ablagerung wie wir sie in einer gewissen Entfernung von einem Vulkan erwarten würden, aber nicht genau in der Mitte des Kraters."

Der Rodderberg ist laut Schätzungen vor rund 300.000 Jahren ausgebrochen. Wie das damals genau geschah – das ist bisher noch ein Rätsel, das Nikolaus Froitzheim nun zu lösen erhofft. Allerdings ist er nicht der einzige Forscher, der sich von der Bohrung neue Erkenntnisse verspricht. Großes Interesse an den Bohrproben haben auch Klimaforscher. Denn aus den Sedimenten im Krater lässt sich herauslesen, wie sich das Klima der Region über Jahrtausende hinweg entwickelte.

"Die globalen Klimaschwankungen kennt man ja aus verschiedenen Untersuchungen, Eiskerne in Grönland, Eiskerne in der Antarktis. Das regionale Klima an unterschiedlichen Stellen kann sehr stark von der Entwicklung des globalen Klimas abweichen. Und wie die Reaktion oder die Rückkopplung zwischen dem regionalen und dem globalen Klima ist, das ist eine sehr interessante Forschungsrichtung, die uns auch hilft zu sagen, wie das Klima in unserem Raum auf zukünftige globale Erwärmung voraussichtlich reagieren wird."

Über die Jahrtausende hat sich die Kratersenke des Rodderbergs mit vom Wind herangetragenen Staub gefüllt. Dust trap, auf Deutsch Staubfalle, haben die Forscher deshalb das gemeinschaftliche Bohrprojekt genannt. Schicht für Schicht wollen sie anhand der Bohrproben nun die Klimageschichte des Rheinlandes rekonstruieren.
Insgesamt drei Bohrlöcher werden dafür im Abstand von wenigen Metern in den Kratergrund getrieben. Bei der aktuell laufenden Pilotbohrung wird der Aufbau der Schichten im Krater nur in groben Zügen erkundet.

"Diese Pilotbohrung wird als Spülbohrung durchgeführt. Das heißt, sie haben einen Meißel am Ende des Bohrgestänges, der das Gestein zerkleinert. Und dann werden mit dem Spülungskreislauf im Rohr nur kleine Bröckchen des Gesteins an die Oberfläche gefördert und aufgefangen."

Bis Ende November folgen noch die aufschlussreichen Kernbohrungen. Dabei wird mit jeweils ein Meter langen Röhren ungestörtes Probenmaterial aus der Tiefe heraufgeholt.

"Wir machen das in zwei Bohrlöchern versetzt. Das heißt, wenn sie in der Tiefe bei einem Bohrloch gerade die Grenze zwischen zwei Kernen haben, sind sie im anderen Bohrloch in der Mitte von einem Kern, sodass wir dann jeden Zentimeter genau repräsentiert haben in einem Bohrkern."

Die intensive Forschungsarbeit beginnt allerdings erst, wenn die Bohrung schon abgeschlossen ist. Die Bohrkerne werden der Länge nach aufgeschnitten. Eine Hälfte bleibt in einem gekühlten Kernlager an der Uni Bremen als Kontrolle und Archiv. Die andere wird von den beteiligten Forschern systematisch untersucht: Anhand von eingelagerten Pollen und Fossilien sowie verschiedener physikalischer und chemischer Eigenschaften der Proben können sie die Schichten genau datieren und den globalen Kalt- und Warmzeiten der Erdgeschichte zuordnen. Mit seiner ungestörten Sedimentschichtung könnte der Rodderberg für die Forscher zu einem besonders aufschlussreichen Klima-Archiv werden. Erste Ergebnisse der Analysen sind allerdings erst in zwei Jahren zu erwarten.

Externer Link:
Forschungsbohrung am Bonner Rodderberg

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