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StartseiteUmwelt und VerbraucherFinanzinvestoren fordern CO2-Neutralität06.12.2019

KlimaschutzFinanzinvestoren fordern CO2-Neutralität

Es gab Zeiten, da galt Klimaschutz eher als Bremsklotz für die Wirtschaft. Doch viele Unternehmen haben die Zeichen der Zeit längst erkannt. Auch große Finanzinvestoren: In einem offenen Brief fordern 40 große Investoren und Vermögensverwalter stärkere Anstrengungen von der EU.

Von Mischa Ehrhardt

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Der Offshore-Windpark Butendiek, aufgenommen am 15.08.2016 etwa 30 Kilometer vor der Insel Sylt (Schleswig-Holstein) in der Nordsee. Die Stromproduktion der Windparks in der Nordsee hat sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. (dpa/Daniel Reinhardt)
Die Investoren sorgen sich vor allem um die Auswirkungen des Klimas auf die Wirtschaft (dpa/Daniel Reinhardt)
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Die Forderung der professionellen Finanzinvestoren ist ziemlich einfach und bündig: Angesichts des "Klima-Notfalles" müsse dringend gehandelt werden.

"Für Investoren ist der Klimawandel ein sehr wichtiges Thema. Denn sie sind an langfristigen Perspektiven und den Risiken interessiert. Und die sind beim Klimawandel ja offensichtlich hoch. Andererseits hängen damit aber auch große Chancen zusammen, durch neue Technologien, und neue Markt- und Geschäftsmodelle. Deswegen ist ein Signal wie ein 2050-Ziel sehr wichtig für Investoren", sagt Rachel Ward, Sprecherin der Unterzeichner des Briefes und der Institutional Investors Group on Climate Change, die zum Ziel hat, den Weg in eine möglichst CO2-freie Zukunft mitzugestalten.

Ökonomischer Schaden in Billionenhöhe

Die Gruppe fordert von den EU-Staatenlenkerinnen und -lenkern, null CO2-Emissionen spätestens bis 2050 als Ziel verbindlich festzuschreiben. Über 40 Investoren aus Europa haben den Brief unterschrieben, sie verwalten ein Vermögen von rund sechs Billionen Euro. Sie begründen ihre Forderung mit wissenschaftlichen Studien, die bescheinigen, dass Nichtstun katastrophale Auswirkungen hätte.

"In dem Brief weisen wir darauf hin, dass wenn wir so weiter machen wie bisher, die Temperatur weltweit um vier Grad steigen wird. Die ökonomischen Kosten wären immens. Es hätte hochgradig zerstörerische Konsequenzen, wenn die Regierungen es nicht schaffen entsprechend zu agieren."

Kosten von bis zu 21 Billionen Dollar, so haben die Finanzinvestoren errechnet, würden entstehen, wenn der Klimawandel und die emissionslose Zukunft nicht entschieden angegangen werden.

Die Investoren haben selbst großen Einfluss

Was aber tun die Investoren ihrerseits gegen den Klimawandel?

"Sie haben vollkommen Recht, es gibt viele Dinge, die Investoren tun können auch ohne Signale von den Regierungen. Und wir sehen viele Aktivitäten unserer Mitglieder in Europa, die überprüfen, wie sie ihre Investitionen an die Pariser Klimaziele anpassen können."

Das fordern Umweltschützer wie Urgewald bereits seit längerem. Vor dem Hochhaus der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka hat die Nichtregierungsorganisation heute Stellung bezogen. Sie kritisiert, dass die Deka nach wie vor in Unternehmen investiert sei, die Kohlekraftwerke bauen oder zur Rüstungsindustrie gehören. Urgewald fordert verbindliche Ausschlusskriterien für solche Firmen. Sprecher Moritz Schröder-Therre:

"Beim Klimaschutz läuft uns wirklich die Zeit davon, es muss jetzt schnell gehen, wir brauchen schnelle Taten. Und von daher müssen alle Finanzinstitutionen und gerade eine dem Gemeinwohl verpflichtete Institution wie Deka sofort aufhören, in Kohle zu investieren; gerade in Firmen, die Kohlekraftwerke betreiben, das muss sofort passieren."

Chancen der nachhaltigeren Wirtschaft

Beobachter wie auch die Investoren, die sich nun in ihrem Brief an Brüssel wenden, weisen aber auch auf die Chancen hin, die sich bei den nötigen Schritten hin zu einer möglichst CO2-Emmissionsfreien Wirtschaft ergeben. Denn in Zukunft werden neue Technologien nötig sein und finanziert werden müssen, um die Folgen des Klimawandels zu bewältigen und die Erderwärmung zu begrenzen. Das sieht auch der Präsident der Europäischen Investitionsbank so. Im Interview der Woche sagte Werner Hoyer vor wenigen Tagen im Deutschlandfunk:

"Da ist natürlich dann auch eine große Chance drin und ich hoffe das gerade Deutschland, Europa diese Chancen sieht. Wir werden ja den größten Teil der Vermüllung und Verschmutzung dieser Welt eben nicht in Europa finden sondern außerhalb. Aber dort werden die großen Technologien gebraucht, zu denen die Europäer und auch die Deutschen deutlich beitragen können und deshalb muss man auch selber in der Nutzung solcher Technologien Vorreiter sein."

Den Investoren zu Folge könnte ein konsequentes Umsetzen der Klimaschutzziele in Europa viele Investitionen anziehen und perspektivisch rund zwei Millionen Jobs schaffen. Einen wichtigen Schritt in Sachen klimafreundliche Investments übrigens sind gestern das Europäische Parlament und der EU-Ministerrat gegangen. Sie haben einen Kompromiss gefunden, wie in Zukunft nachhaltige Investments gekennzeichnet werden können - welche Investments also das Label "nachhaltig" tragen dürfen und welche nicht.

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