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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie Mischwälder der Zukunft08.10.2019

KlimawandelDie Mischwälder der Zukunft

Borkenkäfer und Dürresommer haben die Wälder verändert. Forstwissenschaftler planen nun unter Berücksichtigung der fortschreitenden Erderwärmung die Pflanzung neuer Bäume. Dabei setzen sie auf Mischwälder. Welche Bäume sich dem Klimawandel anpassen, ist aber erst in Jahrzehnten klar.

Von Anke Petermann

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Eine Winterlinde steht allein in einer Landschaft. (IMAGO/Harald Lange)
Die Winterlinde gehört zu den Baumsorten mit Zukunft in Deutschland, weil sie der Klimaerwärmung trotzen kann. (IMAGO/Harald Lange)
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Mit einem Kunststoffhammer rammt Jürgen Gauer von der Forschungsanstalt Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz einen Bohrstock in den Boden einer Kahlfläche. Mit einer Bodenprobe zieht er ihn wieder heraus.

"Hier unten wird das etwas dichter und tonhaltiger."

Lehm und Ton - kein Boden, der sich für flachwurzelnde Fichten eignet. Der Sturm im vergangenen März pustete die Nadelbäume um. Forstamtsleiter Bernhard Frauenberger wagt eine Prognose, was hier im Soonwald als nächstes wächst.

"Es wird sich hier ein Vorwald – so nennen wir das nämlich, wenn wir eine natürliche Sukzession zulassen - ein Vorwald aus überwiegend Birke als Pionierbaumart auf dieser Fläche einstellen und wird weite Teile dieser Fläche wieder besiedeln."

Die Traubeneiche wird sich von allein dazu gesellen. Und die Förster wollen die verloren gegangene Vielfalt auf der Grundlage bodenkundlicher Erkenntnisse und mit Rücksicht auf die fortschreitende Erwärmung ergänzen:

"Wir wollen Stieleiche einbringen, Edelkastanie oder auch die Esskastanie, Winterlinde pflanzen."

Stileiche und Winterlinde halten der Dürre besser stand

Allerdings nicht flächig, sondern in großen Abständen.

"Es ist lediglich ein kleiner steuernder Impuls auf unter 10 Prozent der Fläche. Umgekehrt gerechnet: Auf 90 Prozent der Fläche wird hier natürliche Wiederbewaldung, natürliche Sukzession, zugelassen", präzisiert Forstamtsleiter Frauenberger:

"Wir unterstützen die natürliche Waldentwicklung durch eine Baumartenanreicherung, die standortgerecht ist, sprich, die auch auf diesen Waldort passt, aber gerade nicht zu einer Monokultur führt, sondern wir kalkulieren zwischen zehn und zwölf Baumarten auf einer Fläche."

Um das Risiko zu minimieren, falls eine Baumart den Hitze- und Trockenstress schlechter erträgt als gedacht. Denn welche Baumarten sich dem Klimawandel am besten anpassen, steht frühestens in Jahrzehnten fest. Aber, so die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken von den Grünen:

"Wir wissen, dass Monokulturen auf keinen Fall eine Chance haben, sondern dass Mischwälder ein Leitbild der Zukunft sein werden, auch um die Risikostreuung zu erreichen. Und wir sehen natürlich, dass die Fichte hier am Standort keine Perspektive hat, weil sie weder die Stürme noch die Hitze übersteht und auch von den Schaderregern massiv befallen wird."

Doch in den Fichtenforsten, die noch kein Wind und keine Borkenkäfer-Invasion flachgelegt haben, lässt sich vorsorgen. Försterin Anne-Sophie Knop deutet auf einen roten Pfahl in ihrem Soonwald-Revier. 40 Buchen wurden vor zehn Jahren auf einer Fläche von 5 Quadratmetern gepflanzt, dort wo der Fichtenforst Lücken hat und Licht einfällt. "Klumpen" heißen die Setzling-Gruppen im Forstjargon.

Buchensetzlinge inmitten von Fichten als nächste Generation

"Da unten sehen Sie auch diese verschiedene Klumpen, die in diese Fichten reingepflanzt wurden, als sogenannte Vorausverjüngung soll das die nächste Generation sein. Das heißt, wenn jetzt hier ein Unglück passieren sollte, also wenn Bäume umfallen oder vom Borkenkäfer befallen werden sollten, haben wir die nächste Waldgeneration schon da, die dann das Waldklima halten kann, und auch die anderen Funktionen des Waldes."

Soonwald-Revierförsterin Anne-Sophie Knop steht im Wald und zeigt etwas. (Deutschlandradio / Anke Petermann)Vorsorge im Fichtenforst: Soonwald-Revierförsterin Anne-Sophie Knop pflanzt junge Buchen im „Klumpen“. (Deutschlandradio / Anke Petermann)

Unter anderem den Wasserhaushalt zu regulieren, den Boden gegen Erosion zu schützen, für gute Luft und Erholung zu sorgen. Funktionen, die der Bund nach Meinung von Landesforstministerin Höfken stärker aus dem Klimafonds honorieren müsste. Von der großen Koalition in Berlin fordert die Grünen-Politikerin außerdem ein Klimaschutzpaket mit wirksamer Emissionsminderung. In Rheinland-Pfalz setzt Höfken auf die Zusammenarbeit mit dem "Forest Stewardship Council", der die schonende Waldbewirtschaftung durch Landesforsten mit seinem FSC-Siegel zertifiziert. Elmar Seizinger von FSC Deutschland würdigt, dass der Landesforstbetrieb Forderungen nach schnellem Entscheiden und eiligem Handeln entgegen tritt.

"Und sagt, ‚wir machen unsere Art naturnaher Waldbewirtschaftung, wir binden die natürlichen Kreisläufe mit ein, wir gucken, warten vielleicht, manche Dinge dauern dadurch etwas länger‘ - das hat mich schon beeindruckt."

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