"Fiktives Realsplitting"
Klingbeil schlägt Ersatz für Ehegattensplitting vor

Bundesfinanzminister Klingbeil (SPD) will das Ehegattensplitting abschaffen und durch ein neues Modell ersetzen. Betroffen wären davon vor allem Paare mit einem sehr unterschiedlichen Einkommen. Die Vorlage liegt dem ARD-Hauptstadtstudio und dem Magazin "Spiegel" vor.

    Lars Klingbeil (SPD) sitzt auf einem Podium, im Hintergrund der Schriftzug „Wie modernisieren wir Deutschland?“
    Lars Klingbeil (SPD) (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
    Das bestehende Konzept solle durch ein sogenanntes fiktives Realsplitting abgelöst werden, heißt es in dem Papier. Demzufolge können die Partner einen bestimmten Freibetrag so untereinander aufteilen, dass es sich optimal auf ihre Steuerlast auswirkt. Das Ministerium schlägt vor, sich dafür am Unterhaltshöchstbetrag zu orientieren, der für geschiedene und dauerhaft getrennt lebende Ehepartner gilt. Diese 13.805 Euro könnte der Partner, der mehr verdient, bei sich abziehen. Die Person, die weniger verdient, würde ihn dann mit ihrem günstigeren Tarif versteuern. 
    "Damit können Partnerschaften weiterhin von Vorteilen im Steuertarif profitieren – aber nur noch in einem begrenzten Umfang", heißt es. Ziel der Reform sei es, Anreize dafür geben, dass beide Partner in Vollzeit arbeiten. Die Regelung soll nur für künftig geschlossene Ehen gelten, nicht für bereits bestehende.
    Die Folgen des neuen Modells wären vor allem für Partnerschaften spürbar, in denen ein Partner sehr viel, der andere wenig oder gar nichts verdient. Der bisherige besonders große Steuervorteil bei sehr unterschiedlichen Einkommen würde demnach entfallen. Bei Paaren mit ähnlichem Einkommen ergäben sich kaum Unterschiede.

    Reform der Lohnsteuerklassen geplant

    Auch die Lohnsteuerklassen für Ehepaare will das Finanzministerium teils reformieren. Klasse III und V sollen für alle - und damit auch für bestehende - Partnerschaften abgeschafft werden. Bisher zahlt dabei meist eine Person verhältnismäßig wenig Steuern (Klasse III) und die andere sehr viel (Klasse V).

    Widerspruch aus der Union zu erwarten

    Die SPD bemängelt, dass Geringverdienende - meist Frauen - durch das Ehegattensplitting weniger Anreiz zur Arbeit haben. Die Union ist allerdings bisher gegen eine Abschaffung. Bundeskanzler Merz erklärte zuletzt, ein Großteil der Frauen mache Berufsentscheidungen nicht vom Steuerrecht abhängig. Wichtiger sei es, Familien insgesamt bei Steuern und Sozialabgaben zu entlasten. CSU-Chef Söder lehnt Steuererhöhungen grundsätzlich ab. Familienministerin Prien (CDU) betonte dagegen im Podcast Table.Today, sie erachte es als sinnvoll, über Anreize für mehr Vollzeitarbeit von Frauen nachzudenken.
    Diese Nachricht wurde am 03.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.