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StartseiteMusikszeneRassismus in Opern auf der Spur01.12.2020

Klischee und PrangerRassismus in Opern auf der Spur

Findet auf deutschen Opernbühnen ein andauernder Rassismus statt? Wie sind Schwarze Charaktere in den Geschichten angelegt, wie werden sie musikalisch dargestellt? Ein Blick in die Opernliteratur enthüllt exemplarisch, wie tief rassistische Stereotype in unserer Hochkultur angelegt sind.

Von Dagmar Penzlin

Ein Mann hält mit zum singen geöffnetem Mund eine Violine in seiner rechten Hand in die Luft. Er steht auf einem Flügeldeckel, trägt glitzernden Anzug und eine Kopfbedeckung, die an die Freiheitsstatue erinnert. (Stephan-Walzl)
Eine Szene aus Ernst Kreneks Oper "Jonny spielt auf" in der Inszenierung am Nationaltheater Weimar von 2014. (Stephan-Walzl)
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Warum ist Monostatos in Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" ein Mann mit dunkler Haut? Welche zeitgenössischen rassistischen Stereotype lassen sich hier entdecken? Und wie klingt Mozarts Monostatos-Musik? Allein dieses Beispiel zeigt, auf wie vielen Ebenen nach Ethnizität in Opern zu fahnden ist. Die Forschung zu Aspekten der kulturellen Identität in klassischer Musik steckt vielfach noch in den Kinderschuhen. In den USA hat sich ein Forschungszweig zu "Blackness in Opera" entwickelt, vertreten etwa von der Musikwissenschaftlerin Naomi André. Opern wie "Othello" und "Aida" von Giuseppe Verdi oder "Jonny spielt auf" von Ernst Krenek stehen zur Diskussion, aber auch sogenannte Black Operas wie "Blue Steel" von William Grant Stills und - hoch aktuell - "Blue" von Jeanine Tesori, uraufgeführt 2019 als anti-rassistisches Statement. Ähnlich ergiebig und facettenreich ist der Blick auf das Genre der sogenannten Türkenoper – ob im Barock oder in der Romantik. Und Exotismus hat auch auf der Opernbühne meistens rassistische Klischees zu bieten, wobei ein Komponist wie Giacomo Puccini in seiner Oper "Madame Butterfly" den kolonialistischen Gestus des amerikanischen Leutenants Pinkerton nicht verbirgt.

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