Ein Meeresschutzprogramm sollte die Nordsee vor giftigen Einflüssen schützen, fordern die Umweltschützer. Doch ein solches Programm müsste schon von allen Küstenstaaten der EU umgesetzt werden. Sonst bliebe die Nordsee ein Endlager für Schadstoffe aller Art. Die Warnungen sind zwar nicht neu. Doch kaum jemand interessiere sich noch für die Belastungen der deutschen Meere, klagt die Aktionskonferenz Nordsee. Das Umweltbewusstsein schwinde seit mindestens zehn Jahren, glaubt Vorstandssprecher Jürgen Ritter.
"Jetzt sind neue Bedrohungen hinzugekommen. Das heißt also: Wir haben eine wesentlich stärkere Industrialisierung, wir haben eine verstärkte Schifffahrt, die Fischerei wurde immer intensiver. So dass wir auch andere Bedrohung für die Nordsee haben, die dazu führen, dass wir sagen: Halt, Stopp, hier muss noch viel getan werden."
Über die Flüsse, wie zum Beispiel die Weser, werde weiterhin das meiste Kadmium eingeleitet. Und auch die Schiffe erweisen sich nach wie vor als wahre Dreckschleudern. Allerdings sind es andere Stoffe als noch vor 20 Jahren, die den Umweltschützern Sorgen bereiten.
"Die Luftverschmutzung durch die Schifffahrt ist ein Thema, das bisher noch gar nicht richtig angegangen wurde. 80 Prozent zum Beispiel des Schwefelausstoßes der Stadt Hamburg kommt aus dem Hafen Hamburg – durch die Schifffahrt. Genauso die Feinstaub-Diskussion: Wir haben überhaupt noch keine Ahnung, wie viel Feinstaub aus den Schiffsmotoren kommt."
Gleichzeitig werden die Häfen ausgebaut: Ein Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven, neue Container-Terminals in Bremerhaven. Der Verkehr aus Übersee birgt immer neue Gefahren für das Ökosystem Nordsee. Denn über das Ballastwasser der Schiffe werden zum Beispiel Unmengen von kleinen Organismen in die Häfen geschleppt. Durch den Klimawandel gebe es kaum noch einen richtigen Winter in der Nordsee. Deshalb könnten sich die Tiere ungestört ausbreiten, meint Professor Michael Schirmer von der Uni Bremen. Wie zum Beispiel die Pazifischen Austern,
"die das ganze Wattenmeer anfangen, in seiner Struktur umzupflügen. Das ist unglaublich: An manchen Stellen können Sie im Sommer schon keine Wattwanderung mehr machen, weil Sie nur noch über diese scharfkantigen Schalen der eingeschleppten Pazifischen Austern laufen. Sie müssen also dicke Gummistiefeln anziehen. Und das kann man sich vorstellen: Alles was da drunter im Watt lebt, wird begraben - selbst unsere geliebten Miesmuscheln."
Noch schlimmer aber wütet der Schiffsbohrwurm, der sich in jede vorhandene Holzkonstruktion frisst. Ein Schaden von rund 50 Millionen Euro – allein in den letzten zehn Jahren, schätzt Schirmer.
"Aber man kann heutzutage an so einer Küste nicht alle hölzernen Strukturen irgendwie mit Blei belegen. Und ein Nebeneffekt, der auch extrem ärgerlich ist und für viele Archäologen ein Riesenproblem darstellt: Der Schiffsbohrwurm ist dabei, die letzten interessanten – kulturhistorisch interessanten - Wracks insbesondere in der der Ostsee wegzufressen."
An der Uni Bremen wird gerade ein System erforscht, wie man das Ballastwasser der Schiffe sterilisieren könnte, um so den Einfall exotischer Organismen in der Nordsee einzudämmen. Ein Know-how, das sich auch international vermarkten ließe. Doch die Küsten-Länder müssten die Entwicklung forcieren. Stattdessen werden aber die Mittel für den Umweltschutz vielerorts zusammengestrichen, meint Jürgen Ritter. Auf den Meeren bleibe aber alles beim Alten, wenn man den Reedern freie Hand lässt.
"Wer auf die alte Technik setzt, macht im Moment Gewinn und wird belohnt, dadurch, dass er eben nicht für seine Folgekosten aufkommen muss. Sondern die Gemeinschaft muss die Folgekosten zahlen. Und derjenige, der im Moment sich für ein sauberes Schiff einsetzt oder dieses bereedert, hat ein Problem damit, dass er die Kosten fast selber tragen muss. Von daher müssen wir noch viel mehr Unterstützung für solche sauberen Technologien haben, um solche Technologien stärker in den Markt zu bekommen."
"Jetzt sind neue Bedrohungen hinzugekommen. Das heißt also: Wir haben eine wesentlich stärkere Industrialisierung, wir haben eine verstärkte Schifffahrt, die Fischerei wurde immer intensiver. So dass wir auch andere Bedrohung für die Nordsee haben, die dazu führen, dass wir sagen: Halt, Stopp, hier muss noch viel getan werden."
Über die Flüsse, wie zum Beispiel die Weser, werde weiterhin das meiste Kadmium eingeleitet. Und auch die Schiffe erweisen sich nach wie vor als wahre Dreckschleudern. Allerdings sind es andere Stoffe als noch vor 20 Jahren, die den Umweltschützern Sorgen bereiten.
"Die Luftverschmutzung durch die Schifffahrt ist ein Thema, das bisher noch gar nicht richtig angegangen wurde. 80 Prozent zum Beispiel des Schwefelausstoßes der Stadt Hamburg kommt aus dem Hafen Hamburg – durch die Schifffahrt. Genauso die Feinstaub-Diskussion: Wir haben überhaupt noch keine Ahnung, wie viel Feinstaub aus den Schiffsmotoren kommt."
Gleichzeitig werden die Häfen ausgebaut: Ein Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven, neue Container-Terminals in Bremerhaven. Der Verkehr aus Übersee birgt immer neue Gefahren für das Ökosystem Nordsee. Denn über das Ballastwasser der Schiffe werden zum Beispiel Unmengen von kleinen Organismen in die Häfen geschleppt. Durch den Klimawandel gebe es kaum noch einen richtigen Winter in der Nordsee. Deshalb könnten sich die Tiere ungestört ausbreiten, meint Professor Michael Schirmer von der Uni Bremen. Wie zum Beispiel die Pazifischen Austern,
"die das ganze Wattenmeer anfangen, in seiner Struktur umzupflügen. Das ist unglaublich: An manchen Stellen können Sie im Sommer schon keine Wattwanderung mehr machen, weil Sie nur noch über diese scharfkantigen Schalen der eingeschleppten Pazifischen Austern laufen. Sie müssen also dicke Gummistiefeln anziehen. Und das kann man sich vorstellen: Alles was da drunter im Watt lebt, wird begraben - selbst unsere geliebten Miesmuscheln."
Noch schlimmer aber wütet der Schiffsbohrwurm, der sich in jede vorhandene Holzkonstruktion frisst. Ein Schaden von rund 50 Millionen Euro – allein in den letzten zehn Jahren, schätzt Schirmer.
"Aber man kann heutzutage an so einer Küste nicht alle hölzernen Strukturen irgendwie mit Blei belegen. Und ein Nebeneffekt, der auch extrem ärgerlich ist und für viele Archäologen ein Riesenproblem darstellt: Der Schiffsbohrwurm ist dabei, die letzten interessanten – kulturhistorisch interessanten - Wracks insbesondere in der der Ostsee wegzufressen."
An der Uni Bremen wird gerade ein System erforscht, wie man das Ballastwasser der Schiffe sterilisieren könnte, um so den Einfall exotischer Organismen in der Nordsee einzudämmen. Ein Know-how, das sich auch international vermarkten ließe. Doch die Küsten-Länder müssten die Entwicklung forcieren. Stattdessen werden aber die Mittel für den Umweltschutz vielerorts zusammengestrichen, meint Jürgen Ritter. Auf den Meeren bleibe aber alles beim Alten, wenn man den Reedern freie Hand lässt.
"Wer auf die alte Technik setzt, macht im Moment Gewinn und wird belohnt, dadurch, dass er eben nicht für seine Folgekosten aufkommen muss. Sondern die Gemeinschaft muss die Folgekosten zahlen. Und derjenige, der im Moment sich für ein sauberes Schiff einsetzt oder dieses bereedert, hat ein Problem damit, dass er die Kosten fast selber tragen muss. Von daher müssen wir noch viel mehr Unterstützung für solche sauberen Technologien haben, um solche Technologien stärker in den Markt zu bekommen."