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StartseiteMusikjournalRekonstruierte "Frühlingsstürme" 27.01.2020

Komische Oper BerlinRekonstruierte "Frühlingsstürme"

Jaromir Weinbergers Operette "Frühlingsstürme"wurde von den Nationalsozialisten kurz nach der Premiere abgesetzt. Die Originalpartitur ist verschollen. Anhand des Klavierauszuges und weniger Aufnahmen hat sie die Komische Oper rekonstruiert und unter der Regie von Barrie Kosky wieder auf die Bühne gebracht.

Von Julia Spinola

Jaromír Weinberger "Frühlingsstürme" an der Komischen Oper in Berlin  (Iko Freese / drama-berlin.de)
Regisseur Barrie Kosky zeigte einmal mehr seinen Sinn für Pointen, Witz und Tempo (Iko Freese / drama-berlin.de)
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Seit 2012 Barrie Kosky die Komische Oper Berlin übernommen hat, gräbt der Regisseur und Intendant konsequent die Operetten der Weimarer Zeit aus. Diese Spielzeit liegt der Schwerpunkt auf der Wiederentdeckung von Jaromir Weinberger. 1896 wurde der Komponist in Prag geboren. 1927 hatte Weinberger mit seiner Volksoper "Schwanda der Dudelsackpfeifer" einen Sensationserfolg. Bis nach New York und Buenos Buenos Aires schaffte es das Stück, das 1929/30 sogar häufiger auf dem Spielplan stand als "Carmen" oder die "Zauberflöte. 
 
Weinbergers "Frühlingsstürme" war die letzte Operette, die vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Berlin herauskam. Am 10. Januar 1933 feierte das Stück im Admiralspalast Premiere. Am 12. März wurde die Operette bereits wieder abgesetzt und Weinberger floh vor den Nationalsozialisten in die USA. Er konnte dort künstlerisch nicht Fuß fassen, erlitt einen Herzinfarkt, wurde depressiv und nahm sich 1967 mit 71 Jahren das Leben.

Rekonstruktion der verschollenen Operette

Die originale Partitur zur Operette "Frühlingsstürme" ist verschollen. Überliefert ist der gedruckte Klavierauszug und Schallplattenaufnahmen einzelner Nummern des Werkes. Anhand dieses Materials wurde eine aufwändige Rekonstruktion für die Komische Oper in Auftrag gegeben.
 
Der Gesamtklang der Operette ist eine wilde, luxuriös-glitzernde Mischung. Das Orchester der Komischen Oper bringt die vielen Facetten dieser Partitur unter Dirigent Jordan de Souza wunderbar zum Leuchten. Aber nur wenige Nummern des Stücks haben das Zeug zu echten Hits. Mit Paul Abrahams "Ball im Savoy" kann sich Weinbergers Operette nicht ganz messen. Barrie Kosky führt wie gewohnt brillant Personenregie mit Sinn für Pointen, Witz und Tempo. Der Regisseur konnte sich bei der Premiere auf ein spielfreudiges Orchester und Ensemble verlassen. Für unsere Kritikerin Julia Spinola "eine absolut lohnende Produktion über das historische Interesse hinaus". Allerdings sei das Stück etwas textlastig.

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