Wal-Berichterstattung
Kommunikationswissenschaftlerin kritisiert "mediales Großereignis"

Die Kommunikationswissenschaftlerin Marlis Prinzing sieht in der umfassenden Berichterstattung zu den Rettungsversuchen des Buckelwals in der Ostsee ein Beispiel für ein mediales Großereignis. Prinzing sagte dem Norddeutschen Rundfunk, das Thema werde stark von Empathie getrieben.

    Retter bespritzen den Buckelwal vor der Insel Poel mit Wasser. Für den bei Wismar gestrandeten Buckelwal soll der neue Rettungsversuch heute beginnen. Umgesetzt werden soll das Konzept von einer privaten Initiative.
    Rettungsaktion für den getrandeten Buckelwal (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
    Eine Redaktion müsse sich aber fragen, wann sie zu nahe rangehe und das Leiden fokussiere anstatt mehr Relevanz und Gewicht auf eine fachliche Einordnung zu legen. Prinzing verwies in diesem Zusammenhang auf den Pressekodex, in dem sich etwa Journalisten und Verleger freiwillig verpflichten, auf eine unangemessene sensationelle Darstellung von Leid zu verzichten. Die Wissenschaftlerin sprach von einer "Eventisierung des Sterbens" am Beispiel des Schicksal des Wales. So gebe es etwa Live-Ticker und Sondersendungen.
    Der geschwächte Wal liegt bereits mehr als zwei Wochen an derselben Position in der Wismarer Bucht. Wissenschaftler und Experten von Behörden waren sich zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier Schäden zufügen. Eine private Initiative will den Wal retten. Das Tier soll auf einer Plane zwischen zwei Pontons in Richtung Nordsee transportiert werden.
    Diese Nachricht wurde am 18.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.