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Kongress ''McPlanet''

Na ihr-Schweine sind neugierige Tiere... Hier haben wir das Gelände des früheren Hühnerstalls und wenn man sieht was sie rausgraben, dann sind Baureste , viele Steine.

Von Von Christiane Hoffmann |
    Und diese gibt es reichliche auf dem 16 Hektar großen Geländes des alten Gutshofs in Lübnitz, eine gute Autostunde von Berlin. Nicht nur von der LPG aus DDR-Zeiten. Auch die Vormieter und einige der anderen 200 Dorfbewohner haben bis vor einem Jahr ihren Schutt auf dem weitläufigen Gelände abgeladen. Und auch die drei alten Wohnhäuser, die ehemaligen Wirtschaftsgebäude und die verfallenen Ställe fordern viel Engagement. Die Arbeit reicht für Jahre. Trotzdem hat das Stefan Mothes, die anderen 21 Erwachsenen und die sieben Kinder vor einem Jahr nicht abgeschreckt, den Hof für ihren Verein Lebensgut zu kaufen:

    Am Anfang steht die Idee, andere Lebensformen verwirklichen zu wollen. Mir persönlich ist es wichtig, ne andere Welt zu hinterlassen, als wie ich vorgefunden habe, allerdings nicht mit brachialen Mitteln, dass ich alles umstürzen will. Sondern viel mehr das ich Bsp geben will, wie man Dinge anders tun kann..

    Das bedeutet für den Ex- Münchener vor allem, auf dem Hof eine Gemeinschaft aufzubauen und gleichzeitig einen Mittelweg zu finden zwischen wirtschaftsorientierter und ökologischer Lebensweise. Der Acker wird allerdings streng ökologisch bewirtschaftet – nach der Demeter- Methode, einer Form des Bioanbaus mit besonders strengen Regeln. Viel Handarbeit, die das Arbeiten teurer macht:

    Letztendlich glaube ich, werden die Lebensmittel viel zu billig angeboten und dann zu merken, das man anders bewerten muss, das wir nicht mehr den billigsten Preis als Hauptentscheidungskriterium haben, sondern die Qualität, die drin steckt ist, was für uns wichtig ist.

    Das Gemüse essen die Bewohner des Lebensgutes vorwiegend selbst. Wenn aber, wie zuletzt 800 Kohlköpfe, in kurzer Zeit unter die Leute gebracht werden müssen, gehen sie auf den Markt im Dorf. Ab dem Spätsommer soll auch der Hofladen fertig sein. Dann wird dort Gemüse verkauft, aber auch selbstgebackenes Brot aus dem gerade fertiggestellten Holzkohleofen mitten im Hof. Ein Cafe mit Pizzaofen soll daraus entstehen - in ein paar Jahren.

    In diesem Sommer werden hier Brot und Kuchen für 80 fahrende Handwerker gebacken. Sie veranstalten auf dem Lübnitzer Lebensgut für drei Wochen ein Festival, sagt Stefan Mothes:

    Ein Geschenk des Himmels ist, dass die Gesellen uns ausgewählt haben und das die dann für Kost und Loggi hier arbeiten ist natürlich auch etwas, dass sich finanziell auswirkt , weil es um einiges günstiger dazu führt, dass wir neuen Wohnraum erstellen können, als wenn man das offiziell ´ner Baufirma in Auftrag geben würde.

    Die Baupläne haben die 30 Bewohner gemeinsam entwickelt. Bei der Umsetzung gibt es aber wie in jeder Gemeinschaft Konflikte. Konsensbereitschaft sei daher ein Grundprinzip des Lebensgutes, sagt Stefan Mothes. Und es gibt Strukturen für das Zusammenleben:

    Wir haben einen Tonalplan – organisieren die Alltagsdinge. Es gibt so ne Idee, das jeder sich eine gewisse Stundenzahl in der Woche einbringen muss. Und im Optimalfall hat jeder weniger zu tun als wenn sich jeder selbständig versorgen würde.

    Die Gemeinschaft will auch nach außen wirken. In einem Trakt des Gutes ist die freie Schule untergebracht. Hier lernen vorerst 10 Kinder bis zur vierten Klasse. Geplant ist eine Erweiterung auch für die höheren Klassen. Und noch eine Vision haben die Neu-Lübnitzer: Ein kleines Heizkraftwerk für Holzgas soll entstehen und gleichzeitig Wärme und Strom erzeugen – für den Hof – und für das regionale Stromnetz.