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StartseiteHintergrundKonkurrenz und Kooperation18.09.2004

Konkurrenz und Kooperation

Entwicklungstendenzen der internationalen Raumfahrt

An diesem Wochenende hebt die Republik ab. In ganz Deutschland ist Tag der Raumfahrt, nun schon zum siebten Mal. Die Europäische Weltraum-Agentur (esa) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) laden an ihren verschiedenen Standorten im Lande ein, einen Blick nach oben, ins All, zu riskieren.

Von Guido Meyer

Die internationale Raumstation ISS umkreist die Erde (AP)
Die internationale Raumstation ISS umkreist die Erde (AP)
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Im Rahmen dieses Ereignisses wird erstmals der weltweit größte Parabelflieger, der Airbus A 300 ZERO-G, vom Flughafen Köln/Bonn aus Richtung Nordsee abheben und dort, über dem Wasser, Parabeln fliegen, die an Bord Schwerelosigkeit entstehen lassen. Im Inneren der Maschine befinden sich Experimente von Schulklassen und Studenten, die so die einmalige Gelegenheit erhalten, ihre Versuche unter realen - also schwerelosen - Bedingungen durchzuführen. Der Tag der Raumfahrt soll das All auf die Erde holen und den Nachwuchs für den Weltraum begeistern. Daniel Heisselmann, 24, Physik-Student an der TU Braunschweig, hat sich anstecken lassen.

Es sind die Forschungen, die nötig sind, um diese Geräte für die Internationale Raumstation zu bauen, um Erfahrungen zu finden, wie man diese Geräte bauen kann.

Auch unter Profi-Astronauten steht die Internationale Raumstation (ISS) derzeit im Mittelpunkt der Forschung. Das europäische Astronautencorps besteht aus mittlerweile sechzehn angehenden Weltraumfahrern, die auf Fluggelegenheiten warten, zusammen mit ihrer Hardware 'made in Europe'.

Die europäischen Bestrebungen richten sich natürlich darauf, die Elemente, die wir jetzt von langer Zeit vorbereitet haben - Columbus (das Labor, das wir ins All bringen wollen), ATV (das Automatische Transport-Vehikel), was entscheidend der Station helfen wird, Transporte durchzuführen, aber auch die Höhe der Station zu halten -, diese Elemente ins All zu bringen.

Reinhold Ewald, deutscher Kosmonaut, der schon mit den Russen in den Weltraum geflogen ist, allerdings nicht zur ISS sondern ihrer Vorgängerin, der Mir. Derzeit begleitet Ewald die Vorbereitung und Durchführung europäischer Flüge auf dem Boden - auch den baldigen Start des ATVs, eines neuartigen europäischen Transport-Fahrzeugs, das mit einer ebenso europäischen Trägerrakete ins All geschossen werden soll.

ATV wird mit ´ner Ariane gestartet. Da sind wir eigentlich ganz gut im Zeitplan. Der Zeitplan sieht vor, später: im Jahre 2005 das erste ATV, das erste Transport-Vehikel europäischer Prägung, zur Raumstation zu schicken, noch bevor wir eigentlich mit dem Columbus-Modul Partner werden, denn das ist die entscheidende Vorraussetzung: Man liefert ein entscheidendes Hardware-Element der Station; damit ist die Partnerschaft besiegelt.

Das ATV ist eine Art große, unbemannte, flugfähige Tonne, mit der Nutzlasten, Treibstoff, Nahrung und sonstiger Nachschub zur ISS geschickt werden können. Ariane wie ATV zeigen, dass sich Europa in den letzten Jahrzehnten in der Raumfahrt emanzipiert hat. Der Hauptbeitrag Europas zur Orbitalstation, das Columbus-Modul, wird nach Wiederaufnahme der Space-Shuttle-Flüge als eines der letzten Bauteile ins All geschossen und angedockt werden, wahrscheinlich im Jahr 2007. Von diesem Starttermin hängt auch ab, wann der erste von vier deutschen Raumfahrern im europäischen Astronautencorps zur ISS fliegt.

In der Bundesrepublik ist die Ära des raumfahrtfreundlichen Forschungsministers Riesenhuber längst zu Ende gegangen; seit den neunziger Jahren beanspruchte die deutsche Einheit einen Großteil der Haushaltsgelder; die rot-grüne Bundesregierung hat die Daumenschrauben angezogen.

Ernst Messerschmid war 1985, auf dem letzten erfolgreichen Flug der Raumfähre Challenger, während der D1-Mission mit an Bord des außerirdischen Labors.

Meine Hoffnung ist natürlich, dass dieses Know-how, das wir erwerben, diese Erfahrungen genutzt werden und wir dann früher oder später auch eigenständige bemannte Raumfahrt haben. Im Moment hängen wir ja noch voll davon ab, dass wir von den Russen und von den Amerikanern mitgenommen werden. Und ich fände es eigentlich unerträglich, wenn beispielsweise schon die Chinesen ihre Menschen in den Weltraum fliegen, wir als Hoch-Technologie-Europa eben nicht in der Lage sind, unsere eigenen Flüge in den Weltraum zu organisieren. Das ist aber zwangsläufig 'ne Folge; für mich ist eigentlich nur die Frage wann.

Noch jedenfalls bleibt das "Alte Europa" angewiesen auf Mitfluggelegenheiten bei Russen und Amerikanern. Ziel der Flüge: die Internationale Raumstation (ISS) - ein einst von den Amerikanern politisch gewolltes Objekt. Rückblende, zwanzig Jahre in die Vergangenheit, Januar 1984: US-Präsident Ronald Reagan in seiner Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des Kongresses.

Damals war der Applaus noch groß. Präsident Reagan beauftragt die amerikanische Weltraumbehörde NASA, binnen zehn Jahren eine permanent bemannte Station im All zu entwickeln.

Die Europäer steuern ihren Acht-Prozent-Obolus zu den Gesamtkosten nicht in bar bei, sondern quasi in Naturalien. So könnte ein Versorgungsflug der europäischen Ariane-V-Rakete alle 15 Monate oder auch der Einsatz des automatischen Transportvehikels (ATV) den Beitrag der esa abdecken. Die Deutschen allein tragen rund 41 Prozent der europäischen Kosten, bislang knapp zweieinhalb Milliarden Euro. Klaus Berge vom Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Die Astronauten benutzen die gesamte Station, das heißt, sie helfen sich auch gegenseitig aus. Sie werden ein Trainingsprogramm erhalten für den Ausbauzustand der Experimente, die sich in den verschiedenen Modulen befinden. Natürlich werden europäische Astronauten vorwiegend im Columbus arbeiten, aber Sie müssen sich vorstellen: Das Columbus hat 50 Prozent amerikanische Experimente an Bord. Aber sie werden vorwiegend natürlich europäische Experimente machen, an denen sie auch trainiert worden sind, unten am Boden. Die Franzosen, die Italiener haben ihre eigenen bisher nationalen Astronauten eingebracht in ein europäisches Team. Und da sind von unserer Seite vier deutsche Astronauten dabei.

Zu diesen nationalen Flügen zählte zuletzt die Mission Delta im April dieses Jahres und damit der Besuch eines holländischen Astronauten auf der ISS. Aber André Kuipers war eben nur Gast, nicht Teil der Stammbesatzung. Er flog als zahlender Passagier mit den Russen ins All und zurück, da diese sowieso ihre Mannschaftskapsel auswechseln mussten. Reinhold Ewald:

Die Sojus-Flüge dienen hauptsächlich dem Austausch des alten Rettungsfahrzeuges, was an die Raumstation angekoppelt ist; seitdem das Shuttle allerdings die Crew nicht auswechseln kann auch den Crew-Austausch. Und das passiert im halbjährlichen Rhythmus derzeit.

Viel zu tun gibt es binnen zehn Tagen auf der Raumstation nicht, aber immerhin erhält die esa so einen Zugang zur ISS, bevor Columbus ins All gebracht werden kann, denn über die dafür notwendigen Kapazitäten verfügen nur die amerikanischen Raumfähren, die derzeit Startverbot haben. Also springen - gegen harte Euro - die Russen mit den so genannten Taxi-Flügen ein.

Offiziell erhält Europa seine Eintrittskarte zur ISS erst mit dem Forschungslabor Columbus, das zwar fertig gebaut ist, aber noch auf dem Boden steht. Dennoch konnten mit Hilfe dieser Taxi-Flüge schon Raumfahrer aus Belgien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Italien Vorarbeiten im All leisten. Der einstige deutsche Astronaut Ernst Messerschmidt, heute Chef des europäischen Astronautencorps:

Diese Missionen, Astronauten, die die Raumstation frühzeitig zu nutzen, kommen nicht eigentlich aus dem esa-Programm. Das beginnt erst dann für uns voll, wenn Columbus angedockt ist. Und in der Vorphase, wo wir eigentlich noch keine eigenständigen Raumstationspartner sind, haben wir uns eines Tricks bedient, nämlich die freien Sitze beim Austausch der Personenkapsel zu nutzen. Und da hatten wir kein eigenes Geld verfügbar gehabt, und da hat man bei Mitgliedsländern gefragt, ob sie Interesse hätten, ihren Astronauten zu fliegen. Aber das ist natürlich nach wie vor ein esa-Astronaut. Aber in diesem Fall führen wir dann eben hauptsächlich Experimente aus dem Land durch, das das Ticket zum Flug auf einer russischen Kapsel finanziert.

Waren die Deutschen in den achtziger Jahren in der ersten Reihe, wenn es darum ging, Flüge im Spacelab zu buchen, hat auch fünf Jahre nach Inbetriebnahme der Labore im All immer noch kein Astronaut aus der Bundesrepublik die Internationale Raumstation betreten. Wo bleibt der erste Deutsche auf der ISS?

Messerschmidt: Die deutschen Astronauten sind nun recht frühzeitig auf den Pfad gesetzt worden hinsichtlich des Trainings des Flugs von Columbus, Andocken von Columbus, Inbetriebnahme, Aufbau der Experimente. Und so gesehen sind sie etwas benachteiligt eben durch die Verzögerungen, die sich ergeben. Aber wir arbeiten daran, dass vielleicht auch im Rahmen einer so genannten Taxi-Sojus-Mission bald auch ein Deutscher mitfliegt.

Der erste Deutsche im Raumlabor Columbus dürfte Thomas Reiter werden, der ebenfalls schon auf der Mir war und derzeit im Rahmen des europäischen Astronautencorps' für die ISS trainiert. Jörg Feustel-Büchl, Direktor des Bereiches Bemannte Raumfahrt bei der esa.

Wir hatten ja bisher immer die Situation, dass diese sogenannten Taxi-Flüge, diese relativ kurzen Flüge, von den Ländern zusätzlich finanziert wurden. Ich hätte gerne gesehen, dass Deutschland dergleichen tut. Dann hätten wir schon längst einen Deutschen geflogen. Wenn das nicht möglich ist - was im Moment offenbar der Fall ist und was ich bedaure -, dann müssen wir warten, bis der Columbus oben ist. Wir hatten also geplant, im Oktober 2004 den Columbus zu fliegen. Jetzt gibt’s durch die Shuttle-Katastrophe eine gewisse Verzögerung. Das kann also durchaus noch acht oder zehn oder zwölf Monate oder sogar länger dauern. Und dann wird mit Sicherheit der erste Deutsche auch drankommen.

Das Unglück der Columbia am 1. Februar 2003 kam so gesehen auch für die Europäer zu einem schlechten Zeitpunkt. Seitdem die US-Fähre bei ihrem Landeanflug verglühte, ist kein Space Shuttle mehr gestartet, um Mannschaften oder Lasten, geschweige denn ganze Labore - wie Europas Columbus - zur ISS zu bringen. Die entstandene Pause wurde in den USA genutzt, um nachzudenken und das Weltraumprogramm neu auszurichten. Die Raumstation ist eher Opfer als Nutznießer dieser neuen Visionen. Das Ziel von George W. Bush vom Januar dieses Jahres klingt eher wie ein zähneknirschendes Zugeständnis an die Unverrückbarkeit selbst geschaffener Tatsachen als eine begeisterte Fortführung bislang erreichter Erfolge.

Als erstes wollen wir die Internationale Raumstation (ISS) bis 2010 fertig stellen. Was wir begonnen haben, werden wir auch zu Ende bringen. Damit kommen wir auch den Verpflichtungen gegenüber unseren fünfzehn Partnerländern nach. Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit an Bord der ISS aber wird sich verlagern auf die Untersuchung der Auswirkungen von Langzeitaufenthalten in Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus.

Ist die ISS fertig, sollen die Raumfähren eingemottet und 2008 von einem sogenannten Crew Exploration Vehicle abgelöst werden, das Astronauten zur Raumstation, aber auch zu Zielen außerhalb des erdnahen Weltraums bringen kann.

Bush: Unser drittes Ziel ist die Rückkehr zum Mond als Startplatz für Missionen, die weiter in den Weltraum vordringen. Spätestens 2008 werden wir damit beginnen, eine ganze Serie von Robotern auf die Mondoberfläche zu bringen, die bemannte Flüge vorbereiten sollen. Mit dem Crew Exploration Vehicle können dann ab 2015 Menschen dorthin fliegen und vor Ort dauerhaft leben und arbeiten.

Für Europäer und Amerikaner gäbe es bei einem zweiten Anlauf zum Mond mehr zu ernten als einen Imagegewinn. So wäre der Mond unter astronomischen Gesichtspunkten ein geeignetes Forschungslabor. Würde man die Krater der erdabgewandten Mondrückseite für Teleskope nutzen, könnten Astronomen so ohne störende Atmosphäre tiefer ins All blicken. Außerdem ließe sich das Isotop Helium 3 abbauen und für Fusionsreaktoren auf der Erde verwenden. All diese Pläne sollten - so George Bush - staatenübergreifend verwirklicht werden, so in etwa mit einer Aufgabenverteilung nach dem Vorbild der ISS, der die USA gerade mit diesen Plänen den Rücken kehren. Eine internationale Kooperation unter Federführung Amerikas jedoch habe sich vom Prinzip her bewährt, aus politischen und aus Kostengründen.

Das beste Beispiel dafür ist die Internationale Raumstation. Es gibt hier einen gemeinsamen Willen aller sechzehn an der ISS beteiligten Nationen, die uns auch bei unseren Bemühungen unterstützen, die Space-Shuttle-Flüge wieder aufzunehmen. Unsere Anstrengungen der letzten Monate wurden von den europäischen Partnern mit Wohlwollen, nicht mit Widerstand aufgenommen. Diese globale Partnerschaft hat sich in schwierigen Zeiten als stabiler erwiesen, als die meisten unser Kritiker geglaubt hatten.

Der Chef der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, Sean O’Keefe. Große Worte über eine globale Partnerschaft, die jedoch ganz klar von den USA dominiert wird. Andere Staaten werden gerne mit ins Boot genommen, wenn es gilt, Lasten zu verteilen, beispielsweise solche, die zum Mond transportiert werden müssen. Europas schubstarke Ariane V ließe sich - leicht aufgestockt - zu einem Lastesel umfunktionieren, mit dem Module einer Mond- oder Marsbasis transportiert werden könnten. Die USA haben derzeit nichts vergleichbares. In der bemannten Raumfahrt jedoch knüpft die Neue Welt keinesfalls an Vorarbeiten der Alten an, auch wenn zum Beispiel Überlegungen zu modernen Raumschiffen dort schon viel ausgereifter sind. Jörg Feustel-Büchl:

Man redet und forscht ja schon seit 30 Jahren. Deutschland war am Anfang ja mit führend auf diesem Sektor. Man forscht also auf diesem Sektor schon lange, um ein wiederverwendbares bemanntes Gerät zu entwickeln. Das Drama bei der ganzen Geschichte, auch in Europa, mit Hermes, Sänger, mit all diesen Dingen, in den USA mit CRV, CTV, jetzt OSP - man kann die Namen schon fast nicht mehr aufzählen - das Drama ist, dass bisher keiner da war, der konsequent, von Anfang bis Ende, diese Entwicklung durchgehalten hat, der den notwendigen politischen Willen, das Geld, die Technologie hatte. Sonst hätten wir schon längst ein Space Plane, was also diesen Anforderungen entsprechen würde.

Die Pläne für bemannte, wiederverwendbare europäische Raumschiffe wie Hermes und Sänger sind längst begraben. Ein Rettungsboot für die ISS - CRV wie Crew Rescue Vehicle - hätte auch zum Personentransport ins All ausgebaut werden können, zum Crew Transfer Vehicle, CTV. Das wollten die Amerikaner aber nicht. Klaus Berge vom DLR.

Ja, diese Option gab es. Die haben wir auch sehr vertreten, im europäischen Rahmen insbesondere. Aber es gab auf der amerikanischen Seite halt eine andere Entscheidung. Nach der mussten wir uns richten, leider Gottes. Was immer für Gründe eine weitere Rolle spielten, kann ich leider nicht sagen.

Bevor US-Präsident Bush im Januar die Pläne für ein Crew Exploration Vehicle und die damit verbundenen Ziele Mond und Mars präsentierte, hatte es in den Vereinigten Staaten selbst Kritik gegeben. Diese richtete sich sowohl gegen die mangelnden Visionen der politischen Führung im Weißen Haus wie Organisation und innere Struktur der Raumfahrtbehörde NASA.

Wir sind neunmal zum Mond geflogen. Wir haben alle Astronauten zurückgebracht, einschließlich der verunglückten Apollo-13-Mission. Zu der Zeit haben nicht alle geglaubt, dass uns das gelingen würde. Dieser Geist ist uns jedoch abhanden gekommen. Damals waren wir, die Crew, eingebunden in die Sicherheitsmaßnahmen an den Fahrzeugen. Es beunruhigt mich, dass die heutigen jungen Techniker, die viel qualifizierter sind als wir Astronauten damals, einfach zugeben können, dass sie nicht gewusst hätten, dass zum Beispiel vier Missionen vor dem Columbia-Unglück schon einmal Schaumstoff einen Flügel getroffen hat. Es ist ihr Job, das zu wissen!

Gene Cerman, der Kommander von Apollo 17 und damit der letzte Mann auf dem Mond. Die Schaumstoffverkleidung des großen braunen Außentanks ist nicht das einzige Problem, das derzeit die Wiederaufnahme der Raumfähren-Flüge hinauszögert. Auch das Bremssystem bei der Landung wird überarbeitet. Außerdem wird gerade ein Reparaturkitt für Notfall-Arbeiten an den Fähren entwickelt, während sie im All sind. All das dauert.

Wir werden ein Startfenster nutzen, das sich vom sechsten März bis zum achtzehnten April nächsten Jahres erstreckt. Dies ist die erste Gelegenheit, die die neuen, verschärften Sicherheitsvorschriften bei Starts berücksichtigt, die unter anderem einen Lift off und eine Trennung des Außentanks bei Tageslicht vorschreiben. Ob es nun März wird oder April oder Mai oder Juni oder Juli - man wird es sehen.

so Bill Readdy, Vize-Chef der Abteilung Bemannter Raumflug bei der NASA. Ironie der Geschichte, dass just zu der Zeit brachliegender amerikanischer Raumfähren China im letzten Jahr erstmals den Schritt ins All wagte. Derzeit sind das Reich der Mitte und Russland die einzigen beiden Länder weltweit, die Menschen in eine Umlaufbahn transportieren können. Da der Kalte Krieg und das Wettrennen ins All vorbei sind, gibt sich die US-Raumfahrtbehörde offiziell in Zweckoptimismus. Jesco von Puttkamer von der NASA.

Der Eintritt Chinas in den Club der raumfahrenden Nationen, ist etwas, was ich enorm begrüße. Ich habe immer gesagt: 'Je mehr, desto besser'. Vielleicht entsteht daraus auch eine weitreichende Kooperation in die Zukunft. Ich glaube nicht, dass China - auch wenn sie zunächst einmal selbständig ihre Technik entwickeln wollen und vielleicht sogar eine chinesische Raumstation als Zielsetzung hat - auf die Dauer die Raumfahrt alleine durchführen will. Das wird zu teuer werden, auch für ein Land wie China, so dass also früher oder später durchaus die Möglichkeit besteht, dass China ein Teil der internationalen Partnerschaft im Weltraum wird und vielleicht sogar mit zum Mars fliegt.

Doch die Pläne der ehrgeizigen Chinesen reichen viel weiter: Alleine will man ins All aufbrechen, binnen zehn Jahren gar bemannt zum Mond fliegen. Ob sich derartige Prestigeprojekte Pekings jedoch realisieren und vor allem bezahlen lassen, darf bezweifelt werden.

Der Großteil der amerikanischen Weltraumpläne soll durch Umschichtungen im bisherigen NASA-Budget finanziert werden, durch Einsparungen bei Raumfähren und Raumstation. Dennoch muss der Kongress dazu auch eine Erhöhung des Etats für die Raumfahrtbehörde um eine Milliarde Dollar pro Jahr genehmigen. Trotz dieser vermeintlich großen Summen werden die Raumfahrtausgaben der Vereinigten Staaten dann immer noch weniger als ein Prozent des US-Gesamthaushaltes ausmachen. Mit der Summe, die alleine Amerika bislang in den Irak-Krieg investiert hat, wäre eine Rückkehr zum Mond schon locker finanziert gewesen, inklusive eines Weiterfluges zum Mars - denn das soll der nächste Schritt sein.

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