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StartseiteForschung aktuellKontroverse ums Klonen18.08.2004

Kontroverse ums Klonen

Ein Blick über den Tellerrand

<strong> Genforschung. - Der nationale Ethikrat debattiert derzeit in Berlin eine gemeinsame Stellungnahme zum umstrittenen Klonen zu Forschungszwecken. Auslöser der Diskussion ist die Lizenz zum therapeutischen Klonen, die Großbritannien vergangene Woche erstmals in Europa erteilt hat. In der Genehmigung zeigt sich, dass ethische Folgen der Forschung international sehr unterschiedlich bewertet werden.</strong>

Menschlicher Embryo (AP)
Menschlicher Embryo (AP)

Ob die 25 Experten im Ethikrat sich auf eine gemeinsame Position werden einigen können, gilt Beobachtern als fraglich. Denn schon im Vorfeld zeigte sich, dass die Positionen von Lebensschützern und Forschungsbefürwortern teils weit auseinander liegen. International gesehen sind die Briten mit ihrem Vorstoß derzeit zwar Vorreiter, aber nicht alleine: Eine Reihe von Ländern plant Ähnliches. Die schwedische Regierung etwa will das Forschungsklonen zulassen und bereitet derzeit eine entsprechende Parlamentsentscheidung vor. Japan hatte bislang zwar eine Regelung, die das therapeutische Klonen untersagt, doch diese Regelung kann offenbar leicht unterwandert werden. Ein japanischer Regierungsrat hat nun im Juni Gesetze, die das Forschungsklonen ermöglichen, ausgearbeitet. Auch Australien und Frankreich gehen in eine ähnliche Richtung. Dort ist zwar bisher nur die Forschung an überzähligen Embryonen erlaubt und Klonversuche verboten. Aber beide Länder wollen ihre Gesetze überprüfen - Australien im Dezember, in Frankreich soll eine neue Behörde die weltweite Entwicklung beobachten und das Thema gegebenenfalls neu einbringen.

China ist da schon einen Schritt weiter: Zwei Forschungsgruppen haben bereits entsprechende Experimente in Forschungspublikationen veröffentlicht. Eine sitzt in Shanghai und hat mit Kaninchenzellen gearbeitet und eine Art Chimäre hergestellt. Auch mit menschlichen Eizellen wurde in China bereits geforscht, allerdings sind Eizellen wegen des Schutzes der Frau in China nur in relativ kleiner Zahl für die Forscher vorhanden. In Südkorea konnten Wissenschaftler eine Zeit lang in einem rechtsfreien Raum operieren, weil es noch keine Gesetze zum therapeutischen Klonen gab. Dabei sind Forschungsergebnisse entstanden, die es sogar in die renommierte Fachzeitschrift "Science" geschafft haben. Allerdings wird zum 1. Januar 2005 ein eher kritisches Gesetz in Kraft treten, das die Forschung zunächst unterbinden wird, wenn keine Sondergenehmigung vorliegt.

[Quelle: Grit Kienzlen]

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