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StartseiteUmwelt und VerbraucherKooperation statt Konfrontation20.11.2012

Kooperation statt Konfrontation

Klimaforscher: Andere Länder können nicht zur Klimapolitik gezwungen werden

CO2-Zölle seien kein wirksames Mittel, um Länder zum Klimaschutz zu zwingen, meint Michael Jakob, Klimafolgenforscher am Potsdam Institut. Nur durch Kooperation und Ausgleich sei wirksamer Klimaschutz möglich. Für seine Studie hatte er in einer Simulation die Handelsströme der Welt genau analysiert.

Von Manuel Waltz

Blick auf ein chinesisches Kohlekraftwerk in der Nähe von Peking (picture alliance / dpa - How Hwee Young)
Blick auf ein chinesisches Kohlekraftwerk in der Nähe von Peking (picture alliance / dpa - How Hwee Young)
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Die EU rühmt sich seit Langem damit, Vorreiter im Klimaschutz zu sein. In den hoch entwickelten Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien wurde der CO2-Ausstoß seit dem Kyoto-Protokoll drastisch gesenkt. Allerdings, so lautet ein Kritikpunkt daran, ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Industriebetriebe in Europa schließen und stattdessen in Schwellenländern produzieren. Durch diesen scheinbaren Klimaschutz, so der Vorwurf, stiegen die weltweiten Emissionen sogar an, denn die Produktion außerhalb der EU sei CO2 intensiver als hierzulande. Michael Jakob ist Wissenschaftler am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und hat dieses Phänomen nun genauer untersucht:

"Es wurde oft besonders bei Praktikern in der Politik daraus direkt geschlussfolgert, dass die Emissionen sozusagen ausgelagert wurden. Dass man direkt sieht, wenn jetzt die EU zum Beispiel sagen wir einmal 100 Megatonnen irgendwoher importiert, dadurch in dieser anderen Region automatisch die Emissionen um so viel gestiegen sind."

Seine Studie aber hat gezeigt, dass diese Schlussfolgerung falsch ist. Er hat in einer Simulation die Handelsströme der Welt genau analysiert. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen stand dabei, wie viel CO2 in den weltweit gehandelten Gütern enthalten ist, wie viel Kohlendioxid also bei ihrer Produktion in die Atmosphäre entlassen wird. Dabei hat sich gezeigt, dass die EU vor allem Waren an Schwellenländer verkauft, bei deren Produktion viel Energie benötigt wird, wie beispielsweise Maschinen oder Autos.

In die andere Richtung werden vor allem Konsumgüter gehandelt, die wenig Energie zur Herstellung benötigen. Da aber das Volumen der Güter, die von der EU importiert werden, wesentlich größer ist, als der Export, fällt die CO2-Handelsbilanz Europas negativ aus. Michael Jakob hat nun untersucht, was passieren würde, wenn die EU den Handel mit China und anderen Ländern einschränken würde, beispielsweise durch einen CO2-Zoll. Nach seinen Analysen führt das nicht dazu, dass der weltweite CO2-Ausstoß sinken würde, im Gegenteil.

"Und im Extremfall könnte es dazu führen, dass zum Beispiel in China es einen Schwenk gibt zu stärkerer Produktion von relativ energieintensiven Gütern für den heimischen Markt, also dass China verstärkt anfangen würde Maschinen und Autos selbst zu produzieren. Und dadurch könnten sogar die chinesischen Emissionen steigen anstatt zu fallen."

Der Wissenschaftler spricht sich daher klar gegen CO2-Zölle aus, gerade weil dies ein konfrontatives Mittel in der internationalen Politik ist. Für die kommende Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die Ende November in Katar beginnen wird, fordert er ein gemeinsames Abkommen, in dem der weltweite CO2-Ausstoß neu geregelt wird. Denn seine Studie, so Michael Jakob, hat gezeigt, dass nur Kooperation und Ausgleich wirksamen Klimaschutz möglich macht. Denn, so der Wissenschaftler…

""…das Problem ist einfach, dass man andere Länder nicht dazu zwingen kann, Klimapolitik zu machen, dass ein Zoll nur sehr begrenzt das erfüllen kann."

Auch Jochen Flaßbarth, der Präsident des Umweltbundesamtes, spricht sich klar dagegen aus, mit Zöllen andere Länder beim Klimaschutz unter Druck zu setzen. In seinen Augen ist nicht der zunehmende Welthandel die Ursache für den steigenden CO2-Ausstoß, denn effiziente und energiesparende Maschinen aus den hoch entwickelten Ländern seien ein Beitrag für den Klimaschutz in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Im Gegenzug müssten diese aber auch Waren in die EU verkaufen, um die Maschinen bezahlen zu können. Dennoch, so Jochen Flaßbarth:

"Es ist wichtig und gut, dass wir viel stärker verstehen und auch kommunizieren, was eigentlich in unseren Produktentscheidungen in unseren Kaufentscheidungen auch als Verbraucher eigentlich für einen CO2-Kette enthalten ist. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir unabhängig von dem was wir im Zusammenhang mit den großen Klimaregimen diskutieren, das zukünftig in den großen Handelsketten von Bedeutung wird."

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