Debatte
Krankenstand: Merz bekommt Unterstützung von Kassenärztlicher Bundesvereinigung

Bundeskanzler Merz hat mit seinen Aussagen zu Krankschreibungen in Deutschland unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Merz hatte gesagt, der Krankenstand betrage 14,5 Tage im Durchschnitt und dazu die Frage gestellt: "Ist das wirklich notwendig?"

    Zu sehen sind zwei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen - eine zur Vorlage bei der Krankenasse und eine andere zur Vorlage beim Arbeitgeber.
    Die Kassenärztliche Bundesvereinigung stärkt Bundeskanzler Merz in der Debatte über den Krankenstand den Rücken. (imago images / Eibner)
    Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Gassen, sagte dem "Tagesspiegel", Merz habe völlig recht. Deutschland habe im internationalen Vergleich einen sehr hohen Krankenstand. Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lade "natürlich" zum Missbrauch ein, ergänzte Gassen. Am Telefon könne kein Arzt zuverlässig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig sei oder nicht.

    Parteiübergreifende Kritik

    Von SPD, Grünen, Linken und dem BSW gab es hingegen Kritik an den Äußerungen des Kanzlers. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Machalet, sagte den Zeitungen des Redaktionsntzwerks Deutschland, die Allermeisten meldeten sich nicht aus einer Laune heraus krank. Viele arbeiteten so lange, bis gar nichts mehr gehe. Machalet forderte mehr gesundheitliche Prävention am Arbeitsplatz. Linken-Bundesgeschäftsführer Ehling sagte, wer den hohen Krankenstand beklage, solle über Überlastung, Personalmangel und krankmachende Arbeitsbedingungen reden, statt Beschäftigten fehlende Arbeitsmoral zu unterstellen.

    Zahl der Krankheitstage wohl auch wegen anderer Erfassung gestiegen

    Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Beschäftigte im Jahr 2024 im Durchschnitt 14,8 Arbeitstage lang krankgeschrieben. Dies ist ein Anstieg um 3,6 Krankheitstage im Vergleich zu 2021. Den Angaben zufolge ist ein möglicher Grund die Umstellung auf die digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Damit würden Ausfälle vollständiger erfasst.
    Diese Nachricht wurde am 18.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.