Dienstag, 04. Oktober 2022

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Kriegstraumata
Filmemacher: "Blockaden lösen für sich und die Gesellschaft"

Die nicht aufgearbeiteten Geschichten des Zweiten Weltkrieges seien noch immer ein kollektives Trauma, sagte der Filmemacher Sebastian Heinzel im Dlf. Gemeinsam mit seinem Vater hat er sich an die Kriegsorte seiner Großväter begeben, um bei sich und seiner Familie anzufangen.

Sebastian Heinzel im Gespräch mit Michael Köhler | 10.05.2020

Sebastian Heinzel sitzt in Wehrmachtsuniform auf einem kargen Bett und blickt melancholisch ins Off.
Filmemacher Sebastian Heinzel in Wehrmachtsuniform beim Dreh in Weißrussland für seinen Film "Der Krieg in mir" (Ilya Kuzniatsou/Heinzelfilms)
Sebastian Heinzel ist in seinem Film "Der Krieg in mir" seinen Großvätern gefolgt. Die Reise brachte ihn an die Orte der Kriegseinsätze in Weißrussland. "Ich wollte genauer wissen, was meine Großväter im Krieg erlebt haben", sagte der 40-Jährige. Bei seiner Doku sei es auch um Aufarbeitung für sich selbst gegangen: "Gerade die Geschichten, die man nicht weiß, können psychologisch eine Rolle spielen in der Familie."
Opfer und Täter zugleich
Schon mit Mitte 20 hatte Heinzel Albträume von Kriegsbildern aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Filmemacher fragte sich, woher diese kommen und landete bei der Geschichte seiner Großväter. Gemeinsam mit seinem Vater begab er sich auf die Spur und sprach mit Zeitzeugen: "Das waren für uns beide sehr berührende Momente."
Die Großväter seien sowohl Opfer als auch Täter gewesen - Opfer eines unmenschliches Systems, aber eben auch die Beteiligten eines Krieges. Der entscheidende Punkt für ihn sei gewesen, dass er am Ende nicht genau herausfinden konnte, was sie gemacht haben. "So geht es wahrscheinlich vielen Familien. Man kann im Grunde nur loslassen."
Ein kollektives Trauma
Durch die Suche sei er aber seinem Vater näher gekommen. "Das Schweigen über diese Zeit konnten wir lösen." Das könnte man auch von der Familie auf die Gesellschaft übertragen. "Wir haben auch ein kollektives Trauma, was durch die Zeit des Krieges und die nicht aufgearbeiteten Geschichten noch vorhanden ist." Es lohne, bei sich selbst anzufangen, "weil man für sich und die ganze Gesellschaft Blockaden lösen kann."