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StartseiteHintergrundKrisenbogen Nordkaukasus04.04.2009

Krisenbogen Nordkaukasus

Wachsende Unruhe an Russlands Südgrenze

In Inguschetien im Nordkaukasus herrscht Krieg. Anschläge und Polizeioperationen, Drogenkrieg und Entführungen sind an der Tagesordnung. Der neue Republikspräsident versucht im Auftrag Moskaus, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und für Ruhe zu sorgen. Doch der Kaukasus bleibt ein Gewaltherd.

Von Robert Baag

Auch nach Beendigung des Georgienkriegs bleibt der Kaukasus ein Krisenherd. (AP)
Auch nach Beendigung des Georgienkriegs bleibt der Kaukasus ein Krisenherd. (AP)
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"Heute kämpften hier, in der Nähe des daghestanischen Dorfes Kakaschura nicht nur die Föderalen Streitkräfte und die Untergrundkämpfer sondern auch die Jahreszeiten miteinander. Dichter Nebel verhüllte die Kaukasus-Berge und dann schneite es auch noch."

Reportagen wie diese sind schon seit geraumer Zeit keine Seltenheit in den Nachrichtensendungen des russischen Fernsehens.

"Den größten Teil der Bande unter der Führung eines gewissen Abdulgapur Sakarjajev konnten die Sicherheitskräfte schon gestern zerschlagen," berichtet der Fernsehkorrespondent im Ton eines Kriegsberichterstatters. Ausbruchsversuche der Überlebenden habe man verhindern können. "Spez-Nas"-Angehörige, ein Begriff für Elite-Soldaten, und daghestanische Miliz durchkämmten jetzt den Wald, dabei komme es immer wieder zu Schusswechseln. Ein Scharfschütze sei getötet worden.

Nur wenige Tage zuvor: Ähnliche Bilder, aber aus einer Gegend, rund 300 Kilometer westlich, ebenfalls am Nordrand des Kaukasus, aus Naltschik, der Hauptstadt der Teilrepublik Kabardino-Balkarien. Und auch hier wieder: Ein wenig künstlich anmutender Optimismus, Triumph, demonstrative Unerschütterlichkeit, als der Milizoffizier nach einem vergleichbaren Einsatz wie in den Bergen Daghestans im Polizei-Jargon bilanziert:

"Drei Geheimverstecke konnten entdeckt werden. Dort befanden sich in erheblichem Umfang militärische Ausrüstungsgegenstände, Geländekarten der Republik Kabardino-Balkarien sowie Komponenten und Gebrauchsanweisungen, um Sprengladungen mit Zeitzündern herzustellen."

Die Gegenseite präsentiert sich naturgemäß ganz anders: Schlachtgesänge auf der Website des sogenannten "Imarat Kavkaz", professionell aufgemacht mit Videoclips über Kämpfe gegen russische Miliz-Posten oder Angriffe auf Gebäude des Inlandsgeheimdienstes FSB, der Federführer ist im Kampf gegen die - so der russische Begriff - "Untergrund-Banden".

Gezeigt werden in den kleinen Filmsequenzen beharrlich lächelnde junge Männer, oft mit noch recht schütterem Bartflaum an Wangen, Kinn und über den Lippen, um die Stirn gebunden tragen viele von ihnen grüne Bänder mit arabischen Schriftzeichen. Doch auch düster blickende, vollbärtige Raubeine sind zu sehen, der eine oder andere dunkelhäutige Kämpfer, wohl eigens aus Afrika dazugestoßen. Wie eine Art Pfadfindertruppe auf Geländemarsch durch dichte Laubwälder - so der erste Eindruck: dann - Schießübungen mit Makarov-Pistolen. Und gleich darauf ist wieder bizarr anmutende Lagerromantik zu sehen. Im Hintergrund: Nagelneue Kalaschnikow-Sturmgewehre, sorgsam zu einer Fünfer-Alarm-Pyramide zusammengestellt.

Seit Monaten, eigentlich schon seit Jahren erschüttern den Nordkaukasus mit seinen vielen kleinen Völkern bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen. In diesem südlichen Grenzgebiet Russlands zum erdöl- und erdgasreichen Azerbajdshan, zu Georgien und Armenien, deren Territorium wiederum für den Energie-Transit aus Zentralasien und dem kaspischen Raum in Richtung Europa interessant ist, schwelt ein mehrschichtiger Konflikt, der seit dem offiziellen Ende des zweiten Tschetschenien-Krieges vor gut einem halben Jahrzehnt von der Welt außerhalb Russlands kaum wahrgenommen wird.

Die Lage in Tschetschenien habe sich inzwischen entspannt, wird die Regierung in Moskau nicht müde zu versichern. Sie erwägt jetzt sogar, für Tschetschenien den sogenannten "KTO"-Status aufzuheben. Mit diesem Kürzel werden Gebiete ausgewiesen, in denen jederzeit sogenannte "konterterroristische Operationen" russischer Sicherheitsbehörden und der Armee anlaufen können, entfernt vergleichbar mit einem Ausnahmezustand oder Kriegsrecht.

Während des vergangenen Jahres hat sich der Schwerpunkt der bewaffneten Zusammenstöße tatsächlich in Tschetscheniens kleinere Nachbar- und Schwesterrepublik Inguschetien verlagert.

Tamerlan Akijev von der russischen Menschenrechtsorganisation "Memorial" im inguschetischen Nazran bleibt indes skeptisch hinsichtlich des regierungsamtlichen Optimismus zur angeblich positiven Entwicklung bei den Grenznachbarn:

"Die Situation in Tschetschenien lässt sich heute so beschreiben: Dort herrscht das Diktat der Macht. Objektive Informationen zu bekommen, ist unmöglich. Jeder, der es wagt, das Regime von Präsident Ramzan Kadyrov zu kritisieren, muss mit Gewalt gegen sich rechnen. Im Großen und Ganzen jedenfalls läuft in Tschetschenien genau dasselbe ab wie in Inguschetien - wenn auch in kleinerem Ausmaß. Hier wie dort werden Menschen entführt, werden illegale Untersuchungsmethoden angewandt. Hier wie dort ist der bewaffnete Untergrund mit Überfällen aktiv."

Vor gut einem halben Jahr hat Junus-Bek Jevkurov auf Anweisung Moskaus sein Amt als Präsident der Republik Inguschetien angetreten. Er löste den bei der Bevölkerung verhassten und wegen des mysteriösen Todes eines bekannten Journalisten endgültig diskreditierten Murad Sjazikov ab, dem die Zügel in Inguschetien am Ende aus der Hand zu gleiten drohten.

Der 45-jährige Fallschirmjäger-Offizier Jevkurov, ein gebürtiger Ingusche, hatte vor knapp zehn Jahren bereits international auf sich aufmerksam gemacht, als während des damaligen Kosovo-Konflikts russische Kampftruppen unter seinem Kommando in einem spektakulären Eilmarsch und handstreichartig den Flughafen der Hauptstadt Prishtina vor ebenfalls heranrückenden NATO-Einheiten besetzen konnten.

Die Analyse des untersetzten dunkelhaarigen Berufssoldaten und früheren Hobby-Boxers zur aktuellen Sicherheitslage in seiner Republik Inguschetien fällt militärisch knapp aus:

"Im Vergleich zum Januar und Februar des vergangenen Jahres ist die Lage schlechter. Wenn man aber die Situation vom Oktober, November 2008, als ich gekommen bin, mit der Lage heute vergleicht, dann ist es besser geworden - bezogen auf Morde und bewaffnete Überfälle."

Ähnlich unumwunden formuliert Jevkurov die Gründe, weshalb seiner Ansicht nach ausgerechnet Inguschetien ins Visier des bewaffneten Untergrunds geraten ist:

"Die Antwort ist simpel: Nach dem ersten und zweiten Tschetschenienkrieg kam eine große Flüchtlingswelle nach Inguschetien. Zählen Sie zusammen: Zu rund 240.000 ortsansässigen Inguschen kamen noch rund 65.000 Inguschen hinzu, die Anfang der 90er-Jahre aus Nordossetien vertrieben worden sind. Dann die Tschetschenen - immerhin ein verwandtes Brudervolk, das man aufnehmen muss. Aber das waren - nach offiziellen Zahlen - noch mal zusätzlich rund 370.000 Menschen, nach inoffiziellen Zahlen: eine halbe Million Flüchtlinge."

Die Konsequenz daraus - so zumindest für Jevkurov:

"Sofort tauchten Drogensüchtige auf und Verbrecher. In so einer Umgebung Agentennetze aufzubauen oder in Gestalt humanitärer Nichtregierungsorganisationen auf Flüchtlinge einzuwirken - und zwar auch für die Ziele des internationalen Terrorismus - ist dann doch sehr viel einfacher. Und natürlich ist hier bei uns genau das passiert."

Doch Jevkurov weiß, dass Verschwörungstheorien allein - ob plausibel oder nicht - kein Gegenmittel sind. Wo er konkret ansetzen will, um für größere Sicherheit zu sorgen, steht für ihn fest:

"Unser Hauptproblem ist die Korruption. Tropfen um Tropfen floss zusammen. Das haben die Banditen-Gruppen im Untergrund für sich ausgenutzt. Das spielen sie aus. Ein Verbrechen, ein Sprengstoffanschlag - und schon gibt es Zulauf von fünf, sechs, zehn neuen Mitgliedern."

Von der neu erbauten Präsidialverwaltung in der Hauptstadt Magas zum Basar von Nazran sind es nur wenige Minuten Autofahrt. Der sonst so lebhafte Zentralmarkt der mit rund 135-tausend Einwohnern größten Stadt Inguschetiens wirkt erstaunlich leer. Die Menschen seien in den Moscheen beim Freitagsgebet, heißt es. Aber: Auch das Geld fehle vielen - die offiziell eingeräumte Arbeitslosenquote in Inguschetien beträgt weit über 50 Prozent.

Lida, eine freundliche, offen wirkende Mittvierzigerin, steht lächelnd hinter ihrem zweirädrigen Karren, auf dem unterschiedlich hoch gestapelt verschiedene Brotsorten zum Verkauf ausliegen. Zur Lokalpolitik hat die selbstbewusste Frau eine klare Meinung. Der neue Präsident? Junus-Bek Jevkurov? Er mache irgendwie einen ehrlichen, einen gerechten Eindruck. Jevkurov sorge sich um sein Volk, glaubt sie, es liege ihm am Herzen. Davon sei sie – ja: überzeugt. Vielleicht schaffe er es ja, dass die Inguschen bald wieder sicherer, unbeschwerter leben könnten - so wie "ganz früher", lächelt sie, wird dann aber schnell ernst. Heute jedenfalls gehe es noch drunter und drüber:

"Dort wird irgendjemand getötet, dann hier. Die Menschen haben genug davon, fürchten sich. Vor allem haben sie Angst, dass ihren Kindern etwas passieren könnte. Vor allem diejenigen, deren Angehörige bei den Sicherheitskräften arbeiten, die haben richtig Angst um ihre Männer. Die in den Uniformen, die werden heute doch am meisten umgebracht - hier ein toter Milizionär, dort ein toter Milizionär, sogar Polizisten, die schon pensioniert sind. Mein Sohn arbeitet bei einem privaten Wachdienst. Aber auch um den habe ich Angst!"

Im festungsähnlich gesicherten, von einer hohen Mauer umgebenen Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft von Inguschetien räumt Aleksej Vorobjov, aus Moskau entsandter Berater für Präsident Jevkurov, ein, dass der Kampf gegen den bewaffneten Untergrund schwer und noch lange nicht beendet sei:

"Heute die genaue Zahl anzugeben, wie viele Banditen-Gruppen auf dem Territorium Inguschetiens aktiv sind, das ist ziemlich schwer. Charakteristisch für sie ist nämlich, dass sie ständig umherwandern. Eine große Zahl von ihnen steckt noch in den Wäldern. Dort führen wir zurzeit Spezialoperationen durch. Und: Eine ziemlich große Anzahl von Menschen gehört zu der Gruppe 'latenter Verbrecher'. Oft heuern die Banditen junge Männer für Geld an, damit die dann - zum Beispiel - mit Granatwerfern auf Mitarbeiter der Miliz schießen. Leider gibt es für diese Banditen auch ein Sympathisanten-Umfeld, aber auch Menschen, die von ihnen eingeschüchtert worden sind."

Der Kampf, so Vorobjov, werde gnadenlos geführt - von beiden Seiten:

"Wenn die Banditen auf uns schießen und es zu offenen Gefechten kommt, sterben sie gewöhnlich an ihren Verwundungen. Die Mitarbeiter der inguschetischen und anderer Sicherheitsorgane, die sich in unserer Republik aufhalten, sind gegenwärtig aktiv damit befasst, diese bewaffneten Gruppierungen auseinanderzunehmen und zu vernichten. Die wissen eigentlich schon nicht mehr wohin. Sie leben im Wald, brauchen Lebensmittel. Dazu aber müssen sie hinunter in die Ebene. Und hier stellen und bekämpfen wir sie."

Magsharib Auschev, Oppositionspolitiker in Inguschetien und unter Präsident Jevkurovs Vorgänger Sjazikov auch schon mal in U-Haft, hält diese Strategie für den genau verkehrten Weg - nicht nur für Inguschetien sondern für alle nordkaukasischen Nachbarrepubliken. Auschev:

"Es ist sehr tragisch, dass Moskau seit sechs, sieben, acht Jahren die Probleme mit gewaltsamen Methoden lösen will. Sie sind doch nicht erfolgreich darin, den Widerstand zu brechen, wenn sie hier nicht anfangen, rechtsstaatliche Normen zu achten und zu beachten. Von Tausenden Toten bei solchen Aktionen - ich sage das in voller Verantwortung -, ist nicht ein einziger zuvor jemals polizeilich vorgeladen worden. Sie sind erschossen worden, man hat ihnen anschließend Waffen untergeschoben, Handgranaten, alles mögliche."

Viele im Nordkaukasus stationierten Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, auch die "Kontraktniki" des Innenministeriums - eine Art Zeitsoldaten - ließen sich oft nur des höheren Soldes und der Prämien wegen für relativ kurze Zeiträume dorthin abkommandieren. Willkür und Brutalität gegen die Zivilbevölkerung als Markenzeichen - so werden sie von vielen Ortsansässigen gesehen und gefürchtet. Nicht wenige verstünden ihre kurze Dienstzeit dort als Freibrief, sich zu bereichern, manche sogar - straflos zu plündern. Diese Männer aus allen Provinzen Russlands züchteten sich und ihren Kameraden ihre erbitterten Feinde selbst heran. Doch selbst die einheimischen Sicherheitsorgane verhielten sich manchmal nach dem gleichen Muster, bestätigt Aleksandr Tscherkasov, von der Moskauer Menschenrechtsorganisation Memorial:

"Sie haben die Menschen gefoltert, sie haben sie erniedrigt - und zwar so wie man es nie verzeihen kann - vor allem nicht im Kaukasus! Nach den zwei, drei Jahren, die ihre Opfer im Gefängnis absitzen müssen, wegen angeblichen Waffenbesitzes ohne Genehmigung oder etwas ähnlichem, sind diese Leute aus der Haft entlassen worden - und gleich darauf werden gezielt Milizionäre aus eben jenen Revieren abgeschossen, wo es ganz besonders viehische und erniedrigende Torturen gegeben hat."

"Wohin geht ein Mensch, wenn ihm nachgestellt wird? Er geht in den Wald. Die Miliz hat vielen jungen Männern sogar schon gesagt, nachdem sie zuerst drohte, sie festzunehmen: 'Was, Du bist noch in der Stadt? - Du bist noch nicht abgehauen? - So oder so, wir kriegen Dich! Wir legen Dich sowieso um! Verschwinde lieber in den Wald!'"

Svetlana Isaeva von der Menschenrechtsorganisation "Mütter Daghestans" kennt solche Fälle nicht nur rund um die Republikhauptstadt Machatschkala am Kaspischen Meer. Eines hätten bestimmte Vertreter der Rechtsschutz-Organe sehr schnell begriffen, fügt "Memorial"-Mann Tscherkasov hinzu:

"Wenn nicht genug vorliegt, um einen Menschen abzuurteilen, dann kann man ihn 'verschwinden' lassen. So ist das in Daghestan passiert. Was hält diese Todesmaschine in Gang? Das ist die ungesetzliche Gewaltausübung durch die sogenannten 'silo-viki", des Machtapparates. Mit dem 'Verschwindenlassen' gelingt es den Beamten, Geständnisse zu fabrizieren, die mit juristisch sauberen Methoden niemals zustande kommen würden. Doch das zeitweise Verschwindenlassen, die Isolation, die Ungewissheit bei den Angehörigen, bei seinem Rechtsanwalt, lässt das Opfer am Ende alles sagen, was es weiß - und: was es nicht weiß!"

In einem Punkt sind sich alle Menschenrechtler einig, die den Nordkaukasus beobachten. Wehrlos ist dort vor allem die Zivilbevölkerung, die regelmäßig zwischen alle Fronten gerät - Tamerlan Akiev, Memorial-Vertreter aus dem inguschetischen Nazran:

"Der bewaffnete Untergrund bekämpft heutzutage keineswegs ausschließlich die Vertreter der Staatsmacht. Er übt auch Gewalt gegen Unbeteiligte aus. Wir kennen Fälle, wo sie Menschen töten, die sie als angebliche Denunzianten verdächtigen oder weil sie Alkohol verkauft haben sollen - das ist doch alles völlig absurd!"

"Ich sehe als aktuelles und künftiges Hauptproblem, dass sich sogar der traditionelle Islam im Nordkaukasus zu politisieren beginnt", befürchtet Aleksej Malashenko vom Moskauer Carnegie-Zentrum. Früher, meint er sarkastisch, sei alles doch so "einfach" gewesen: Da habe es Wahabiten gegeben, Salafiten, Islamisten und so ein "guten, traditionellen" Islam! Immer gehorsam und loyal! Und: "Nie - irgendwelche Politik dabei!" Das habe sich nun geändert in Daghestan und in Tschetschenien! In Inguschetien entwickle sich der traditionelle Islam schon dahin. Und bald könne es auch in Kabardino-Balkarien so weit sein!

Inguschetiens neuer Präsident Junus-Bek Jevkurov gesteht offen ein, dass die Lage in seiner Region heute alles andere als stabil ist. Nach dem vordergründig siegreichen Krieg Moskaus gegen Georgien um Südossetien, das über den Kaukasus-Kamm hinweg buchstäblich nur einen Steinwurf entfernt liegt, ist manchmal schon zu hören, dass die Gesamtlage in der Region vielleicht sogar noch unsicherer geworden sein könnte.

Nicht wenige Inguschen fragen inzwischen leise, manchmal sogar halblaut: "Wieso erkennt Russland den Nachbarn Südossetien sogar völkerrechtlich als Staat an, sieht sich aber weiterhin nicht in der Lage unseren schon seit anderthalb Jahrzehnten schwelenden inner-russischen Grenzstreit mit Nordossetien zu regeln, sodass unsere Flüchtlinge endlich nach Hause zurückkehren können?"

Öffentlich ist derlei von Präsident Junus-Bek Jevkurov nicht zu hören. Er zieht sich auf die Moskauer Sprachregelung zum Kaukasus-Problem zurück, übt sich in Staatsraison:

"Die Inguschen und Inguschetien haben keine Schuld daran. Es hat sich eben so ergeben, dass Inguschetien, Tschetschenien, Daghestan, dass der Kaukasus zu solch einer Basis, zu solch einem Brückenkopf, zu einer Karte in einem geopolitischen Spiel geworden ist. So sieht das auch die Führung unseres Landes!"

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