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StartseiteSport am WochenendeKrisengespräch in Berlin30.06.2009

Krisengespräch in Berlin

Umgang mit Dopingtrainern bleibt Streitpunkt zwischen Dopingopfern und Verband

Seit Monaten wird erbittert über die Anstellung von dopingbelasteten Trainern im deutschen Spitzensport diskutiert. Vertreter der DDR-Dopingopfer verwahrten sich vehement gegen diese, wie sie sagen, "Entschuldungspauschale für Sportkriminelle", die vom organisierten Sport und der Politik durchgesetzt wird. In Berlin trafen sich Vertreter zum Krisengespräch.

Von Jens Weinrich

Ines Geipel, ehemalige Leistungssportlerin in der DDR, setzt sich heute für Dopingopfer ein. (Wikipedia: Tohma, GNU)
Ines Geipel, ehemalige Leistungssportlerin in der DDR, setzt sich heute für Dopingopfer ein. (Wikipedia: Tohma, GNU)

Die Eckdaten des Treffens in der Berliner Dependance des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): Das Gespräch dauerte zweieinhalb Stunden. Auf Seiten des DOSB diskutierten: Präsident Thomas Bach, Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper und Generaldirektor Michael Vesper. Für die Dopingopfer sprachen: Ines Geipel, Andreas Krieger, Uwe Trömer und Bernd Richter. Geipel, Trömer und Krieger sind seit langem Wortführer der Dopinggeschädigten. Bernd Richter, ehemals Hammerwerfer beim ASK Potsdam, wurde in der DDR auch politisch verfolgt und saß im Stasi-Gefängnis.

In Kernfragen der Auseinandersetzung über den Umgang mit Dopingtätern gab es keine Annäherung. Ines Geipel:

"Klar ist, dass in der Position der belasteten Dopingtrainer wir unterschiedliche Positionen haben. Wir haben noch mal sehr klar gemacht, dass eine Entschuldungspauschale nicht reicht. Wir bleiben dabei, dass es konkreter zugehen muss im Zusammenhang mit den belasteten Trainern."

Die Opfer werden weiter dagegen angehen und rechtliche Mittel prüfen. Eine umfassende Eingabe beim Petitionsausschuss des Bundestages ist anhängig. Es bleibt auch bei den bereits angekündigten Protestaktionen im August rund um die Leichtathletik-WM in Berlin.

"Es wird eine internationale Pressekonferenz geben. Es wird die Andreas-Krieger-Medaille vergeben werden. Damit werden wir ein deutliches Signal auch im Kontext dieser Trainerdebatte setzen. Also soviel Unabhängigkeit muss es von unserer Seite aus geben. Und das, dächten wir, erträgt der freie Sport in Deutschland auch."

DOSB-Generaldirektor Vesper hatte sich am Montag vehement gegen eine Pressemitteilung der Dopingopfer verwahrt. Er machte im Gespräch erneut die Grundhaltung von Sport und Politik deutlich:

"Unsere Position ist klar: Wir stehen gegen eine Generalamnestie für Trainer, die sich am Doping in der DDR, am Staatsdopingsystem beteiligt haben. Wir stehen aber auch gegen eine Generalverurteilung dieser Trainer für immer und ewig, sondern wir sagen: Wir möchten uns gerne mit den Einzelfällen beschäftigen und die Kommission, die wir eingesetzt haben unter Udo Steiner, sich damit befassen lassen."

Gleichzeitig sagt Vesper, er wende sich gegen jede Verunglimpfung von Dopingopfern, wie sie in diesen Tagen vor allem aus dem Sportausschuss des Bundestages zu vernehmen waren.

Man will künftig punktuell gemeinsam arbeiten. Die Opfer sollen in Präventionsmaßnahmen des Sports eingebunden werden - dieses Versprechen hatte es vor Jahren schon einmal gegeben -, es soll einen Ansprechpartner beim DOSB geben:

"Wir haben verabredet, dass wir uns sehr bald nach der Bundestagswahl wieder zusammensetzen. Weil eine der Fragen, die wir heute diskutiert haben, die Frage der Rentenzahlungen für schwer geschädigte Dopingopfer, diese Frage ist nicht von uns zu lösen, die ist allein von der Politik zu lösen. Und da denken wir, dass wir Gespräche führen werden nach der Bundestagswahl, wenn die neue Regierung sich gebildet hat."

In Berlin suchten beide Seiten den Dialog, ohne sich zu verleugnen. Die Opferrente ist eine der zentralen Forderungen der ehemaligen Athleten.

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