
Tebas gilt schon seit langem als Widersacher des FIFA-Präsidenten. Nun erklärte er in Sozialen Medien, Infantino sei im Amt nicht mehr tragbar. "Der Weltfußball braucht eine neue Führung, die die Verbandsstrukturen modernisiert, die institutionelle Glaubwürdigkeit wiederherstellt und künftige Entscheidungen gemeinsam mit den betroffenen Akteuren entwickelt", so der Liga-Chef. "Dabei müssen die sportlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen im Vorfeld sorgfältig geprüft werden, anstatt Entscheidungen einseitig durchzusetzen."
Infantino plante Verkauf kommerzieller WM-Rechte
Die Pläne der FIFA und ihres Präsidenten Infantino sahen vor, mit dem Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einzuspielen. Dafür wollte der Fußballweltverband das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen. Laut Berichten setzte die FIFA eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal bis zum 19. September und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung.
Tebas: "Plan ist nur Spitze des Eisbergs"
Tebas schrieb nun: "Das Problem war nie nur dieser eine Vorschlag. Das Problem ist ein Modell der Verbandsführung, das Macht konzentriert, Kontrollmechanismen schwächt und diejenigen an den Rand drängt, die von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind. Der Rückzug eines Vorschlags macht das Geschehene nicht ungeschehen. Er ist lediglich die Spitze des Eisbergs."
Kritik auch von Evangelischer Kirche
Deutliche Kritik kam auch vom Sportbeauftragten der Evangelische Kirche in Deutschland, Latzel. Der Theologe sagte dem Evangelischen Pressedienst: „Was im Augenblick bei der FIFA abläuft, ist für mich ein Sinnbild für einen weiterreichenden Prozess, bei dem korrupte Eliten meinen, sie stünden über den Regeln, könnten alles kaufen und für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren." Der wiederholte Versuch von FIFA-Chef Infantino, die Rechte an der Fußball-WM an private Investoren zu verkaufen, sei unsäglich und gefährde den internationalen Fußball. "Es ist ein weiterer Schritt der massiven Kommerzialisierung, die wir schon bei der WM erlebt haben - mit exorbitanten Ticketpreisen, spielstörenden Unterbrechungen für Werbung und einer völlig überdehnten, unökologischen Gestaltung. Wenn es der FIFA an einem wahrlich nicht fehlt, dann ist es Geld."
UEFA drohte mit WM-Boykott
Zuvor hatten sich bereits mehrere Kontinentalverbände und Fußball-Funktionäre gegen das Vorhaben gestellt. Der europäische Verband UEFA drohte mit dem Boykott der Weltmeisterschaft und aller anderen FIFA-Turniere. Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige CONCACAF und der asiatische Fußballdachverband AFC gingen deutlich auf Distanz zu Infantino und seinen Plänen. Daraufhin nahm der FIFA-Präsident am Samstag Abstand von seinem Vorhaben. Infantino erklärte, der Vorschlag werde nicht weiter verfolgt. Er habe zu einer Spaltung geführt, die nicht im Interesse des eigentlichen Ziels sein könne, den Sport zu vereinen und zu verbessern. Es sei seine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen "im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen".
Weiter auch Unterstützer Infantinos
Isoliert ist Infantino trotz der immer lauter werdenden Kritik nicht. Der Schweizer, der sich im März nächsten Jahres in Rabat (Marokko) ein letztes Mal für vier Jahre zum FIFA-Boss wählen lassen will, bekommt auch Zuspruch. Unter anderem der Ägyptische Fußballverband bekräftigte "sein volles Vertrauen" in die Führung von Infantino. Und auch Marokko, Gastgeber des 77. FIFA-Kongresses 2027, bekräftigte seine Unterstützung für ihn. Und der afrikanische Kontinentalverband CAF hatte den nun zurückgezogenen Pläne Infantinos offen gegenübergestanden.
Diese Nachricht wurde am 02.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
