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Startseite@mediasresNur noch von Twitter getriebener Journalismus?20.07.2020

Kritik an "New York Times"Nur noch von Twitter getriebener Journalismus?

Zu ideologisch, zu links: Die Vorwürfe der Journalistin Bari Weiss gegen ihren Arbeitgeber "New York Times" sorgen auch außerhalb der USA für eine Mediendebatte. Die Situation in Deutschland sei aber eine andere, sagte SZ-Redakteur Jörg Häntzschel im Dlf.

Jörg Häntzschel im Gespräch mit Brigitte Baetz

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Verschiedene Ausgaben der Zeitung "New York Times" liegen auf einem Tisch in Berlin. (dpa/Ole Spata)
Die "New York Times" hat der Journalistin Bari Weiss gekündigt - die wiederum kritisiert die Zeitung nun (dpa/Ole Spata)
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Insgesamt sei in Deutschland "weniger Feuer im Spiel", findet Feuilleton-Redakteur Häntzschel, der zuvor als Kulturkorrespondent in New York gearbeitet hat. So werde die Diskussion, welche Menschen und Meinungen abgebildet werden, bei der "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") "sehr ruhig und gelassen geführt".

Bei der "New York Times", einer der einflussreichsten Tageszeitungen in den USA, hat jüngst die Journalistin Bari Weiss öffentlichkeitswirksam gekündigt. In einem offenen Brief warf sie der Redaktion vor, es gehe nur noch darum, eine links-liberale Zielgruppe zufriedenzustellen.

Twitter sei zum "ultimativen Redakteur" geworden und Selbstzensur "zur Norm", kritisiert Weiss weiter: "Bestimmte Meinungsbeiträge, die noch vor zwei Jahren problemlos veröffentlicht worden wären, würden jetzt einen Redakteur oder Autor in ernste Schwierigkeiten bringen, wenn sie nicht sogar gefeuert würden."

Bari Weiss, Ex-Kolumnistin der "New York Times" spricht in ein Mikrofon (imago images / ZUMA Press / Brian Cahn) (imago images / ZUMA Press / Brian Cahn)"New York Times"-Kolumnistin kündigt wegen "antiliberaler Stimmung" Bari Weiss verlässt die "New York Times": Selbstzensur sei dort zur Norm geworden. Auch der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht sieht eine "Verengung der intellektuellen Kultur".

Dilemma im Umgang mit Trump-Anhängern

"SZ"-Redakteur Häntzschel sieht ein wesentliches Problem für Medien in den USA im Umgang mit Präsident Donald Trump. Zeitungen wie die "New York Times" könnten nicht ignorieren, was Trump sagt, "auch wenn es Unsinn ist, Hetze, Lügen oder Verschwörungstheorien". Die Frage sei aber: "Wie weit müssen sie gehen, den Leuten, die Trump wählen, ein Forum zu geben?" Auf dieses Dilemma sei die ganze Debatte zurückzuführen.

Eine ähnliche Diskussion habe es auch bereits in Deutschland gegeben, so Häntzschel: "Inwieweit sollen die AfD und ihre Anhänger, inwieweit soll Pegida und solche Organisation sozusagen als normaler Teil der Gesellschaft behandelt werden, obwohl sie in Talkshows hetzen, lügen, Verschwörungstheorien verbreiten?"

Auch Stefan Raue, der Intendant des Deutschlandradios, hat im Deutschlandfunk Kultur sich zum Thema geäußert. Er sagte, für Tendenzmedien wie Zeitungen sei es zulässig, eine bestimmte politische Haltung zu vertreten und diese von den Mitarbeitern einzufordern. In den öffentlich-rechtlichen Medien habe eine politische Agenda aber nichts zu suchen. Deren Aufgabe sei es, Vielfalt zu sichern.

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