Kulturpolitik
Kritik an Umgang mit Lesung von Arne Semsrott: Magdeburg sieht sich Vorwürfen des Einknickens vor AfD ausgesetzt

Die Stadt Magdeburg sieht sich öffentlichen Vorwürfen ausgesetzt, aus Angst vor der AfD eine Lesung abgesagt zu haben. Die Schriftstellervereinigung PEN Berlin spricht von einem "Akt der Feigheit", die Linken-Fraktionschefin im sachsen-anhaltischen Landtag, von Angern, von einem Skandal und einer "politischen Bankrotterklärung" der Stadtverwaltung.

    Arne Semsrott steht vor einem rosa Hintergrund, er trägt eine Brille.
    Was passiert, wenn Rechtsextreme regieren? Der Journalist und Aktivist Arne Semsrott hat ein Buch darüber geschrieben. (picture alliance / dts-Agentur)
    Die Hintergründe sind noch ungeklärt. Es geht um eine Anfang Juni zunächst in der Stadtbibliothek Magdeburg geplante Lesung des Demokratie-Aktivisten und Chefredakteurs beim Rechercheportal "FragDenStaat", Arne Semsrott. Semsrott teilte zu Wochenbeginn mit, er sei "nach politischem Druck" dort ausgeladen worden. Dabei erinnerte er daran, dass bereits Anfang des Jahres ein Auftritt von ihm im Literaturhaus Magdeburg zu einer kritischen AfD-Anfrage im Stadtrat geführt habe. Die Stadtverwaltung äußerte sich auf Anfrage mehrerer Nachrichtenagenturen zunächst nicht zu dem Fall. Oberbürgermeisterin Borris werde heute Nachmittag den Stadtrat informieren. Medienberichten zufolge wurde die Lesung nicht vollständig abgesagt, sondern von der Stadtbibliothek in ein Kulturzentrum verlegt.
    PEN Berlin-Sprecher Yücel führte aus, wer auch immer die Entscheidung getroffen habe, die politische Verantwortung trage Borris. Dabei wäre es Aufgabe der Oberbürgermeisterin, die Autonomie der Kultur gegen Druck von wem auch immer zu verteidigen. Semsrott soll inzwischen bei der Stadt einen Antrag auf Akteneinsicht nach dem Informationsfreiheitsgesetz gestellt haben. Veranstalter der Lesung ist die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt.
    Diese Nachricht wurde am 21.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.