Archiv

Gebühr in Notfallambulanzen?
Kritik an Vorstoß zu Eigenbeteiligung von Eltern bei lapidaren Beschwerden der Kinder

Die erneute Forderung nach einer Gebühr für Notfallambulanzen stößt auf Widerstand. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft wies den Vorstoß zurück. Mit Gebühren ökonomischen Druck aufzubauen und so vielleicht Eltern davon abzuhalten, auch in tatsächlichen Notfällen Hilfe zu suchen, könne fatale Folgen haben, sagte der DKG-Vorstandsvorsitzende Gaß in Berlin.

    Ein Schild mit der Aufschrift "Zentrale Notaufnahme" .
    Notaufnahme eines Krankenhauses: Gerade an Wochenende und in Randzeiten übervoll und mit teils stundenlangen Wartezeiten für die Patienten verbunden (dpa/ Bodo Marks)
    Kinder dürften nicht unter Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem leiden.Auch das Bundesgesundheitsministerium äußert sich zurückhaltend. Eine Ministeriumssprecherin verwies auf die geplante Reform der Notfallversorgung, die eine Regierungskommission zu Jahresbeginn vorgelegt hatte. Darin sei eine "Strafgebühr" nicht vorgesehen. In dem Konzept werden unter anderem neue Leitstellen vorgeschlagen, die am Telefon eine erste medizinische Einschätzung vornehmen und damit die seit Jahren chronisch überfüllten Notdienst-Praxen und Notaufnahmen entlasten.
    Zuvor hatte sich der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Fischbach, für eine Eigenbeteiligung der Eltern in bestimmten Situationen ausgesprochen. Die Notfallversorgung sollte auf "tatsächliche Notfälle" fokussiert sein, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sie sollte nicht für weniger dringliche Anliegen in Anspruch genommen werden, für die Eltern unter der Woche keine Zeit fänden. Eine Eigenbeteiligung ließe sich mit geringem Aufwand umsetzen. Für tatsächliche Notfälle könnten die Kosten weiterhin erstattet werden. Zuletzt hatten auch Krankenhäuser, Praxen oder Rettungsdienste auf die Problematik hingewiesen.
    Von CDU und CSU waren zuletzt ebenfalls Forderungen nach einer Notaufnahme-Gebühr gekommen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft äußerte sich skeptisch. Sie warnte davor, dass vor allem ärmeren Menschen Nachteile entstehen könnten. Man müsse vielmehr die Strukturen der Notfallversorgung verbessern.
    Diese Nachricht wurde am 07.08.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.