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Kritischer Dialog

Stolz hat die Frankfurter Universität Stiftungsprofessor Mehmet Köktasch angekündigt als einen ausgewiesenen Kenner der deutschsprachigen Religions-Soziologie. Bloß: Um seine mündlichen Deutschkenntnisse scheint es nicht besonders gut bestellt - nur mühsam kann er sich bei einem Gespräch verständlich machen. Das verwundert umso mehr, als Köktasch ja vor allem den Kontakt zwischen Studenten der evangelischen und katholischen Theologie und seinen künftigen Imamen ankurbeln soll. So jedenfalls stellt sich das Andreas Gold, der Vize-Präsident der Frankfurter Universität vor:

Barbara Pieroth |
    Die Universität verspricht sich davon eine Förderung des interkulturellen und interreligiösen Dialogs. Das war für uns natürlich ein interessanter und wichtiger Aspekt, dass wir auf die Lehre einen großen Wert legen, und der Kollege, der diese Stiftungsprofessur angetreten hat, lehrt in deutscher Sprache.

    Auf Deutsch zu lehren und in Deutschland, damit will man offenbar punkten und die Bereitschaft zur Integration demonstrieren. Denn bislang war die Ausbildung von Imamen sozusagen türkisches Staatsmonopol - erklärt Hüsseyin Kurt, der Vorsitzende des Stiftungsrats:

    In Deutschland leben ja über 3,5 Prozent Muslime. Diese sind in Moscheevereinen organisiert, und in diesen Moscheevereinen haben wir Imame oder Religionsbeauftragte, die in der Türkei ausgebildet worden sind und von Religionsbehörde nach Deutschland geschickt worden sind.

    Allerdings gibt diese staatliche Religionsbehörde Diyanet - die im übrigen an die Weisungen des Nationales Sicherheitsrats gebunden ist - ihren Einfluss nur scheinbar an eine deutsche Universität ab. De facto kommt sie für die gesamten Kosten der Stiftungsprofessur auf - die hessische Universität stellt lediglich die Räumlichkeiten. Durch diese Finanzierung könnte eine fragwürdige Abhängigkeit entstehen, erläutert Ahmed Senyurt, Experte für türkische Organisationen in Deutschland:

    Die Frage ist, ob es richtig ist, nach bald 40 Jahren Migration, nach 40 Jahren Integration von Muslimen in diesem Land, dass wir immer noch mit sozusagen einer Organisation aus den Heimatländern zusammen arbeiten, und die Diyanet untersteht in erster Linie dem türkischen Ministerpräsidenten. Die Politik hier hat nur bedingt Einfluss auf das, was letztendlich dort gelehrt wird.

    Diesen Einfluss könnten wiederum die Untervereine der Diyanet in Deutschland namens Ditib geltend machen, sie könnten also die Aktivitäten des Stiftungsprofessors kontrollieren und die Ausrichtung der Lehre dirigieren - wenn dies denn die politische Wetterlage erforderlich macht:

    Die Außenstellen sind sozusagen die Auslandvertretung der Religionsbehörde in der Türkei. Diese Religionsbehörde ist immer den Schwankungen der türkischen Innenpolitik unterlegen. Was passiert zum Beispiel, wenn jemand wie Erbakan wieder an die Macht kommt? Das hat natürlich geradlinige Auswirkungen auf die Diyanet und damit auch auf die Ditib in Deutschland.

    Und dann eben möglicherweise auch auf die Stiftungsprofessur. Eine Abhängigkeit, die der stellvertretende Stiftungsvorsitzende Hüsseyin Kurt bestreitet - was nicht verwunden mag, schließlich ist er in gleicher Funktion auch Referent der Religionsbehörde. Dieser - so sagt er - ginge es lediglich darum, die Ausbildung der Imame erstmals an ihr hiesiges Lebens- und Arbeitsumfeld anzupassen. Ahmed Senyurt hat da eine andere Theorie: Mit der Stiftungsprofessur wolle die Türkei ihr Image polieren und Pluspunkte gegenüber Brüssel sammeln - indem sie zeigt, dass sie mit einer Stiftungsprofessur in Deutschland auf dem besten Weg zur europäischen Integration ist.