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StartseiteTag für TagMit brennenden Kreuzen für ein weißes und protestantisches Amerika13.05.2014

Ku-Klux-KlanMit brennenden Kreuzen für ein weißes und protestantisches Amerika

Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Ku-Klux-Klan in den Südstaaten mit Terroraktionen für eine Rassentrennung gekämpft. Nach seiner Zerschlagung durch Militäreinsätze erwachte der Geheimbund 1915 zu neuem Leben und berief sich jetzt auch auf einen fundamentalistischen Protestantismus.

Von Alfried Schmitz

Mitglieder des Geheimbundes Ku-Klux-Klan in den USA stehen in weißen Gewändern und Kapuzen um ein brennendes Kreuz. (Jim Lo Scalzo / dpa)
Schon bei der Gründungsfeier 1915 war ein gigantisches Kreuz in Flammen gesetzt worden. (Jim Lo Scalzo / dpa)

"Es ging ihnen darum, das, was sie als das gute Amerika des 19. Jahrhunderts propagierten, zu verteidigen gegen die städtische Industriemoderne und all ihre Auswirkungen. Also gegen Kommunisten, gegen Katholiken, gegen Immigranten, gegen Juden, gegen Prostituierte, gegen Schwarze, gegen Künstler und gegen Intellektuelle. Jeder, der nicht dem Ideal des bürgerlichen, protestantischen, viktorianischen Amerika entsprach, war der Feind."

Sagt der Theologe und Amerika-Experte Professor Michael Hochgeschwender von der Universität München.
Der sogenannte zweite Ku-Klux-Klan war keine reine Südstaatenorganisation mehr. Wo immer man Gegner vermutete, bildeten sich neue Gruppierungen. Auf dem Land und in den Großstädten. In den gesamten USA waren es in der Hochphase des zweiten Klans über vier Millionen Mitglieder.

Neugründung des Klans 1915

Zwei Ereignisse hatten 1915 zur Neugründung des Klans geführt. Der stark nationalistisch und rassistisch geprägte Film "The Birth of a Nation" kam damals in die Kinos. Eine Familiensaga, deren Handlung rund um den Bürgerkrieg spielt. Ku-Klux-Klan-Mitglieder wurden darin als ritterhafte Helden dargestellt, Schwarze als tölpelhafte Sexmonster. Der Stummfilm wurde zum Kassenschlager und zum polemisierenden Meinungsmacher in den Staaten.

"Die zweite Entwicklung war viel tragischerer Art, nämlich der Mord an einer weißen Fabrikarbeiterin in Georgia, Mary Phagan. Angeblich durch einen jüdischen Unternehmer namens Leo Frank. Leo Frank wurde dann dafür, es war übrigens das einzige Todesurteil im Süden, das jemals auf die Aussage eines Schwarzen getroffen worden ist, zum Tode verurteilt. In einer antisemitisch aufgeheizten Stimmung."

Als der Gouverneur von Georgia Zweifel an der Schuld von Leo Frank äußert, ist der Mob empört. Um einem eventuellen Freispruch zuvorzukommen, holt man den 31-jährigen Leo Frank aus seiner Gefängniszelle und lyncht ihn. Auch die Zivilcourage des Gouverneurs hat Konsequenzen. Er muss seine politische Karriere beenden. Er verlässt Georgia aus Angst um sich und seine Familie. Die aufkeimende Macht des Ku-Klux-Klans wird deutlich sichtbar. Immer mehr versucht der Klan, das politische Geschehen zu beeinflussen.

"Man hat sich stark in die Präsidentschaftswahlkämpfe von 1924 und von 1928 eingemischt. 1928, weil die Demokraten zum ersten Mal einen katholischen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt haben, Al Smith aus New York. Al Smith war ein sogenannter 'Wet Democrat', das heißt, er war gegen die Prohibition. Und der Ku-Klux-Klan verfocht mit eiserner Härte die Prohibition, die aus dem evangelikalen protestantischen Lager gekommen war."

Gegen den Kandidaten der Republikaner im Präsidentschaftswahlkampf, den Quäker Herbert Hoover, hatte der Katholik Smith keine Chance, denn die Mehrheit der US-Bevölkerung war protestantisch. Die Katholiken standen dem antiklerikalen Nationalstaat im Wege, den viele Protestanten schaffen wollten. Man sprach den Katholiken die rechte nationale Gesinnung ab, denn sie glaubten ja, an die dem Staat übergeordnete Kirche in Rom.

"Es werden protestantische Werte, und zwar konservative protestantische Werte, verfochten. Weshalb man ganz klar sagen muss, dass Katholiken einer der Hauptfeinde des zweiten Ku-Klux-Klan waren."

Abfackeln von Feuerkreuzen

Der Papst wurde zur Zielscheibe von verhöhnenden Karikaturen. Eine zeigt ihn niedergerungen auf dem Rücken liegend. Auf seinem Bauch thront siegesstrahlend ein Klans-Mitglied. Untertitelt ist diese Zeichnung mit: "Das Ende", was die Zielsetzung des Ku-Klux-Klans eindeutig belegt.

Der Klan trat immer offensiver in der Öffentlichkeit auf. Da es kein verbotener Verein war, brauchte er sich nicht zu verstecken. Bei den nächtlichen Treffen wurden Feuerkreuze abgefackelt. Dieses Ritual wurde zum optischen Machtsymbol des zweiten Klans.

"Katholiken haben dann immer gesagt, das ist ja die reinste Blasphemie. Wie kann man sich christlich nennen und gleichzeitig ein Kreuz verbrennen, aber das war das Symbol des Klans schlechthin. Das hatte der erste Klan ja nicht. Die hatten noch keine Feuerkreuze verbrannt. Im Grunde war das Verbrennen des Feuerkreuzes eine Art symbolische Besetzung von Raum. Man zeigte, hier sind wir."

Ein martialisches Zeichen, das die Gegner des Klans einschüchtern sollte. Auch bei der Gründungsfeier am Thanks-Giving-Tag des Jahres 1915 war ein gigantisches Kreuz auf dem Stone Mountain bei Atlanta in Flammen gesetzt worden. Der Gründer des zweiten Klans, der Methodist William Joseph Simmons, hatte sich dieses zweifelhafte Spektakel im Film "Birth of a Nation" abgeschaut. Genauso wie die weißen Kutten, die fortan als Klans-Uniform genutzt wurden. Innerhalb der Vereinigung herrschte eine strenge Hierarchie, die straff organisiert war.

"Der Klan hat auch dauernd Aufmärsche gemacht. Sowohl nachts mit Fackeln als auch tagsüber. Es gibt einen Aufmarsch von mehreren 100.000 Klans-Men, in Washington D.C. in den 1920er-Jahren. Einfach um zu zeigen, hier sind wir. Wir haben hier die Macht. Und wer sich uns widersetzt, muss damit rechnen, dass wir gewaltsam gegen ihn vorgehen."

Als Gegenpol radikalisieren sich daraufhin Teile der friedfertigen Columbus Ritter, der größten und mächtigsten Laien-Organisation des amerikanischen Katholizismus, der 1882 gegründet wurde. Als der Klan versucht, katholische Bildungseinrichtungen zu bekämpfen, formieren sich katholische Studenten zur aktiven Gegenwehr.

"Die Columbus-Ritter sind im Grund die Kampforganisation gegen den Klan. Und die sind zum Teil auch nicht ohne. Es kommt zum Beispiel im Jahre 1924, in South Bent Indiana, zu einer offenen Straßenschlacht zwischen Klansmen auf der einen und Studenten der Universität von Notredame auf der anderen Seite, bei der die Studenten die Klansmen so verprügeln, dass die nie wieder versuchen, Notredame einzunehmen."

Als im Zuge der Industrialisierung immer mehr Schwarze aus dem Süden in die Großstädte des Nordens drängen, ruft das sofort den Klan auf den Plan. Besonders die prosperierende Metropole Chicago wird zur Hochburg des Ku-Klux-Klans.

Auch dort greifen die Columbus Ritter ein und versuchen, die Macht des Klans mit einer außergewöhnlichen Maßnahme zu schmälern.

"In Chicago organisieren die einen Boykott von Geschäften. Sobald jemand in den Geruch kommt, als Geschäftsmann, er sei Mitglied des Klans, wird er auf eine Liste der Columbus-Ritter gesetzt und katholische Konsumenten boykottieren sein Geschäft. Das führt übrigens in Chicago dann sehr schnell dazu, dass viele Geschäftsleute dem Klan wieder den Rücken kehren."

Fundamentalistische Form des Christentums wurde prägend

In den Neuenglandstaaten hatte der Ku-Klux-Klan übrigens von Beginn an keine große Gelegenheit sich durchzusetzen. In New York oder Pennsylvania stellten sich die Leiter der protestantischen Gemeinden eindeutig gegen den Klan. Das sah im tiefen Süden natürlich vollkommen anders aus. Während die protestantischen Seelsorger in den meisten Bundesstaaten das Treiben des Ku-Klux-Klans zumindest duldeten, waren sie in den ehemaligen Sklavenstaaten sogar selbst aktive Klans-Mitglieder, die das Credo des Klans mit allen Mitteln verteidigten.

"Unser Hauptanliegen und oberstes Ziel ist es, die Vorherrschaft der weißen Rasse in dieser Republik zu erhalten. Geschichte und Physiologie lehren uns, dass wir einer Rasse angehören, die von der Natur mit eindeutiger Überlegenheit über alle anderen Rassen ausgestattet worden ist, und dass der Schöpfer, als er uns solcherart über den Durchschnitt des Menschengeschlechtes erhob, uns über tiefer stehende Rassen eine Herrschaft verleihen wollte, die keine Menschengesetze auf die Dauer schmälern können."

So lautete eine Passage aus dem sogenannten "Glaubensbekenntnis" des Ku-Klux-Klans, das neuen Mitgliedern eingebläut wurde. Wer etwas anderes behaupte, verstoße gegen den göttlichen Willen, hieß es.

"Das war das Symbol dafür, dass man für das protestantische Amerika unterwegs war. Man hat sich ganz stark darauf berufen, von Gott selbst auserwählt zu sein, diese Mission durchzuführen. Man hat sich auf den Auserwähltheits-Charakter der USA, also Gods Own Country berufen. Der zweite Ku-Klux-Klan war ganz deutlich von einer protestantisch evangelikalen, zum Teil fundamentalistischen Form des Christentums geprägt."

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