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StartseiteEine WeltFreimaurer im Aufwind17.02.2018

KubaFreimaurer im Aufwind

Um kaum eine Organisation ranken sich so viele Mythen, Gerüchte und Verschwörungstheorien wie um die Freimaurer. Vielen Regierungen war und ist die Organisation suspekt. Auf Kuba hat die Freimaurerbewegung die Revolution überlebt und wächst seit einigen Jahren sogar.

Von Burkhard Birke

 Lazaro Cuesta, Großmeister der Großloge von Kuba, bei einer Zeremonie im Mason-Tempel in Havanna, am 27. Juni 2017  (AFP / Alberto Roque)
Freimaurer müssen Vorbild sein, sagt Großmeister Lazaro Cuesta (Mitte). (AFP / Alberto Roque)
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Jeden 5. Dezember feiert die Großloge Kubas ihren Gründungstag. An der Statue des Nationalhelden, des Freiheitskämpfers und Dichters José Martí, im Parque Central mitten im Herzen Havannas wird ein Blumenkranz niedergelegt.

Mit Schurz, Handschuhen und Abzeichen bekleidet gedenken die kubanischen Freimaurer eines der ihren.

"José Julián Martí Perez war Freimaurer genau wie die Freiheitskämpfer Maceo, Agramonte und Carlos Manuel Cespedes. Auch die Patrizier und die Intellektuellen, die unsere Nation gegründet haben, waren Freimaurer. Zeitweise bekamen wir Schwierigkeiten, es gab unangenehme Entwicklungen, aber wir existieren weiter. Denn die Freimaurerei zu beenden hieße Seiten aus dem Geschichtsbuch Kubas zu streichen."

158 Jahre bewegte Geschichte

Erläutert der amtierende Großmeister Lazaro Cuesta, stolz auf 158 Jahre sehr bewegte Geschichte, die letzten 58 davon im Sozialismus unter der Herrschaft der Castros. Nicht nur aus historischen Gründen soll Fidel Castro freilich Abstand davon genommen haben, die Freimaurer auf der Insel nach sowjetischem Vorbild zu verbieten.

"Es wird berichtet, dass einer der Offiziere, die ihn in der Sierra Maestra gefangen hatten, Freimaurer war, und dafür sorgte, dass ihm nichts zustieß."

Besonders in der Zeit kurz nach der Revolution hatten es die Freimaurer auf Kuba dennoch nicht leicht. Der Staat war damals bemüht, mit sowjetischer Hilfe ein sozialistisches Modell für ganz Lateinamerika zu werden.

"Eine Zeit lang wurden wir verfolgt. Da wurde Freimaurern und religiös Aktiven etwa der Zugang zu Universitäten und Jobs verwehrt. Später hat sich das total gewandelt und heutzutage gibt es eine gute Verständigung zwischen der Regierung, der Partei, Freimaurern und religiösen Einrichtungen. Bis zu dem Punkt, dass es alle drei, vier Monate regelmäßige Treffen mit der Partei gibt", sagt Rafael Rodriguez, Logenmitglied im Osten Kubas.

Soziale und humanitäre Arbeit

Von 39.000 vor der Revolution sank die Zahl der aktiven Freimaurer in Kuba vorübergehend auf 14.000. Viele hatten das Land verlassen, andere beugten sich dem Druck des Staates. Vor der Revolution 1959 unterhielten die Logen Kubas eine Universität und zahlreiche Schulen für Kinder aus armen Verhältnissen, stellten im Rahmen ihrer sozialen und humanitären Arbeit Schuhe und Schulkleidung in einem Land voller Ungleichheiten. Großmeister Lazaro Cuesta war selbst eines jener Kinder, die von den Freimaurern unterstützt worden waren.

"Ein Altersheim für Freimaurer, ihre Angehörigen und sozial Bedürftige ist uns als einzige öffentliche Einrichtung geblieben. Im Übrigen engagiert sich jede einzelne Loge sozial etwa durch Krankenhausbesuche oder Unterstützung für Kinder. Das Problem ist, dass die Mittel der Logen sehr begrenzt sind."

Das Altersheim ist in desolatem Zustand: Es fehlt förmlich an allem. Gerade werden mit ausländischer Hilfe Fensterläden renoviert. Ein neues Dach muss über den Ostflügel gebaut werden.

Freimaurer führen ein Ritual während einer Zeremonie in einem Tempel in Havanna, am 27. Juni 2017 durch. (AFP / Alberto Roque)Die Freimaurer während eines Rituals in einem Tempel in Havanna (Archivbild 2017) (AFP / Alberto Roque)

Auch das leicht als masonisch zu erkennende acht stöckige Haus der Großloge in der Avenida Salvador Allende im Herzen Havannas ist in stark renovierungsbedürftigem Zustand. Einige Etagen hat die Telefongesellschaft belegt. Die Loge verfügt nicht über die Mittel und Möglichkeiten einer grundlegenden Sanierung, denn sie finanziert sich aus Spenden und Beiträgen der Logenbrüder. Angesichts der wirtschaftlichen Lage auf Kuba kommt da nicht viel zusammen.

Staat hat den Mehrwert erkannt

Es gibt freilich Hoffnung: Freimaurerlogen sind als gemeinnützige Vereine nach dem Gesetzesdekret Nr. 54 in Kuba organisiert. Dieses verbietet wirtschaftliche Aktivitäten, soll aber geändert werden, sagt Rafael Rodriguez.

"Die Überlegungen gehen in die Richtung, uns zu erlauben, unsere Räumlichkeiten so zu nutzen, dass wir Geld für die Freimaurerei im Allgemeinen, die Renovierung unserer Einrichtungen und Tempel erwirtschaften können, die in teils erbärmlichem Zustand sind."

Offensichtlich hat der Staat den Mehrwert erkannt, den das humanitäre und soziale Engagement der mittlerweile wieder 27.500 Freimaurer angesichts der kritischen Versorgungslage bringt.

"Ich glaube, die Zeiten der Verfolgung sind vorbei, obwohl es sicher noch Kräfte geben kann, die die Entwicklung bremsen. Ich glaube, dass die Regierung Meinungsfreiheit mit Blick auf religiösen und brüderlichen Einrichtungen wie unsere akzeptiert, obwohl sie ihre Methoden hat, uns zu kontrollieren. Aber ich glaube, im Moment darf jeder an das glauben, was er will."

Freimaurer müssen Vorbild sein

321 Freimaurerlogen existieren auf Kuba, drei neue sind im Aufbau – vor einigen Jahren entstanden zahlreiche Nachwuchslogen. Hilfreich war und ist da natürlich, dass nach dem Selbstverständnis der Freimaurer weder Religion noch Politik Thema in den Logen sind. Im Vordergrund steht die Arbeit am Menschen, an der Humanität.

Freimaurer müssen Vorbild sein, sagt Großmeister Lazaro Cuesta und weiter:

"Wir verfügen nicht über die nötigen finanziellen, technologischen oder anderen Ressourcen, aber solange ein Freimaurer existiert, lebt die Freimaurerei weiter – das ist die Idee."

Und diese Idee hat das Überleben der Freimaurer auf Kuba gesichert und lässt sie heutzutage an Zahl und Bedeutung in der Gesellschaft wachsen.

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