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StartseiteKultur heuteFilme gucken wie im Fieberwahn19.10.2019

Künstlerduo M+M in der Villa StuckFilme gucken wie im Fieberwahn

Perspektivwechsel in der Villa Stuck in München: Das Künstlerduo M+M zeigt Filmausschnitte, die an berühmte Klassiker erinnern, aber verändert wurden. Gleichzeitig können Besucher die Räume der Villa von Gerüsten aus neu entdecken. Das ist künstlerisch ansprechend - auch wenn der rote Faden fehlt.

Von Julian Ignatowitsch

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Installationsansicht aus der Ausstellung "M+M. Fieberhalle" im Museum Villa Stuck (Jann Averwerser)
Filmausschnitt in der Ausstellung "M+M. Fieberhalle" in der Münchner Villa Stuck (Jann Averwerser)
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In einer Woche durch die Filmgeschichte - nicht mal 1,5 Stunden dauert dieser museale Videoparcours. Angefangen beim "Montag" und einer Rekonstruktion jener legendären Szene aus Stanley Kubricks "The Shining", in der Vater mit Sohn auf dem Bett sitzt und ein scheinbar vertrauliches Gespräch führt, das den kommenden Horror bereits andeutet.

Martin De Mattia: "Wir gucken sehr viele Filme, vor allem dann, wenn wir unterwegs sind. Auf Ausstellungstour wird man ja in der Regel um 18 Uhr aus dem Haus rausgeschmissen. Und was soll man in New York machen: Man geht ins Kino."

Die Künstler Marc Weis und Martin De Mattia, bekannt unter dem Namen "M+M", über Kino, ihren Zyklus "7 Tage", sowie zwei weitere Filmarbeiten "Der 8. Tag" und "Mad Mieter", die hier in der Villa Stuck auf drei Stockwerken zu sehen sind.

Marc Weis: "Es geht bei uns um diese Schlüsselsequenzen. Wenn wir ins Kino gehen, sagen wir oft: Der Film war 90 Prozent überflüssig, aber es gibt eine Sequenz, die einem nachgeht und da wollen wir in die Tiefe gehen."

Innovative Bildsprache

Sie loten Grenzen aus: Grenzen des Individuums, unserer Identität, der Wahrnehmung, dabei verhandeln sie die ewigen Film-Themen wie Familie, Religion, Liebe, Gewalt und Sexualität. Manchmal durchaus etwas willkürlich und ohne durchgehend roten Faden, doch die künstlerische Bildsprache ist eine innovative: In den Zweifachleinwand-Installationen sind die neuinterpretierten Filmsequenzen jeweils verdoppelt, aber leicht unterschiedlich aufgenommen.

So entsteht ein verzerrtes Momentum: Ein veränderter Satz, eine veränderte Kameraeinstellung, eine ausgetauschte Person in Referenzen zu Filmen wie Alan Parkers "Angel Heart", John Badhams "Saturday Night Fever" oder Jean-Luc Godards "Die Verachtung". Immer im Mittelpunkt steht Schauspieler Christoph Luser als Protagonist dieser multiperspektivischen Fieberhalle - so der Titel der Schau.

Marc Weis: "Also es heißt nicht umsonst Fieberhalle. Der Titel gibt das Konzept vor, weil sich wie im Fieber die Wahrnehmungen und Räume verändern. Man ist verschiedenen Wahrnehmungsstörungen und -erweiterungen ausgesetzt. Das ist das, was wir in dieser großen Installation mit vielen einzelnen Filminstallationen in der Kombination erzeugen wollen. Dass man als Betrachter diese Grenzziehungen nicht mehr hat: Wer bin ich, wer ist der Andere? Was ist der museale Raum? Da fängt es ja schon an, dass wir den hier auflösen und zu einem Umbau machen."

Installationsansicht aus der Ausstellung "M+M. Fieberhalle" im Museum Villa Stuck (Jann Averwerser)Konversation zwischen Vater und Sohn: Filmausschnitt aus der Ausstellung "M+M. Fieberhalle" (Jann Averwerser)

Dialog zwischen Filmen und Architektur

Ein Umbau, der zwischen Stahlgerüsten, kleinen Nischen, Auf- und Abgängen, die verschiedensten Blickwinkel auf die Videos zulässt und eine industrielle Atmosphäre vermittelt. Das ist der eigentliche Clou der Ausstellung. Man schaut von Orten, von denen man noch nie auf die Wände oder Decken der Villa Stuck geblickt hat. So entsteht ein Dialog zwischen Film- und Museums-Raum, zwischen künstlerischer Exhibition und Produktion, wie Direktor Michael Buhrs erklärt:

"Dass wir über den Raum lernen, über das Volumen, über die Raumhöhe. Das sind Themen, die, wenn man mit KünstlerInnen durch diese Räume geht, sofort verfangen. Anscheinend öffnet sich da ein kreatives Potenzial, was meiner Meinung nach schon Stuck hier gelegt hat, indem er die Räume so geplant hat, dass wir sie heute noch nutzen können."

Kein Publikumsrenner, aber neue Eindrücke

Die Vorgehensweise hat in der Villa Stuck mittlerweile Methode: Über die vergangenen Jahre wurden zeitgenössische Künstler aus aller Welt, wie Thomas Hirschhorn, Nahum Tevet oder Carlos Garaicoa gezeigt, die als Architekten oder Installateure vor Ort im Museum mit dem Raum arbeiten.

Inhaltlich sind ihre Arbeiten nicht immer leicht zu fassen, stark konzeptuell geprägt und somit nicht die großen Publikumsrenner - das gilt auch für "M+M". Doch trotzdem geht man stets mit neuen Eindrücken und Perspektive hinaus aus dem altehrwürdigen Gebäude an der Prinzregentenstraße - so auch diesmal wieder. 

Außenansicht der Museum Villa Stuck in München (picture-alliance/ dpa)Die Villa Franz von Stucks war Künstleratelier und Luxusanwesen gleichzeitig. (picture-alliance/ dpa)

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