
Österreichs Bundespräsident Van der Bellen erklärte, mit ihr verliere Österreich eine unbeugsame Vordenkerin und eine Ikone der Freiheit. Sie habe unbequeme Fragen über Körper, Geschlecht und Macht gestellt, als eine der wenigen Frauen in einer männlich dominierten Avantgarde.
Nackte Grenzüberschreitungen
Valie Exports Motto lautete: ”Kunst muss aggressiv sein.” Für Empörung sorgte 1969 ihre Aktion "Genitalpanik". Mit einer am Schritt aufgeschnittenen Hose spazierte sie in München während eines Filmfestivals in einen Kinosaal und präsentierte ihr dichtes Schamhaar. Die Österreicherin wollte damit auf drastische Weise zeigen, dass Frauen oft nur als reine Lustobjekte dargestellt wurden.
Ihre Performance gilt auch fast 60 Jahre später als Meilenstein des feministischen Aktionismus. In der erweiterten Fotoserie "Aktionshose: Genitalpanik" hielt sie mit entblößter Scham und zerzauster Mähne zusätzlich ein Maschinengewehr in den Händen. Als Symbol der männlichen Macht, die den Frauen nicht zustand.
Eine weitere bekannte Aktion war 1968 das Tapp- und Tastkino in München. Dabei befestigte sie ein Pappgehäuse an ihrem nackten Oberkörper und rief Passanten dazu auf, durch eine Öffnung ihre Brüste zu betasten.
Kampf für Gleichstellung
Valie Export verschrieb ihr ganzes Leben dem Kampf für die Gleichstellung von Frau und Mann und wurde mit ihren teils schmerzhaften und häufig nackten Grenzüberschreitungen eine Ikone der feministischen Bewegung. Später unterrichtete sie an Kunsthochschulen in Amerika und Europa, unter anderem in Köln und Berlin.
Auf der Biennale in Venedig rückte sie 2007 wieder ins Scheinwerferlicht. Mit einer Kamera im Rachen rezitierte sie ein Gedicht über die Stimme. Finanzielle Sorgen hatte sie bis ins hohe Alter. Sie bereute aber bis zum Schluss nichts. "Ich konnte gar nicht anders, ich musste Konventionen aufbrechen", sagte Export der Deutschen Presse-Agentur anlässlich ihres 80. Geburtstags.
Diese Nachricht wurde am 14.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
