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StartseiteForschung aktuellKampf gegen Landverlust23.05.2016

Künstliche DeltasKampf gegen Landverlust

Weltweit leben Millionen Menschen in den Ebenen der großen Flussdeltas. Die fruchtbaren Gebiete sind besonders vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Wenn man den natürlichen Wechsel der Flussbetten verstehe, sei man vielleicht in der Lage, künstliche Deichbrüche zu erzeugen, um den Landverlust zu vermindern, sagte Vamsi Ganti vom Imperial College London im DLF.

Vamsi Ganti im Gespräch mit Monika Seynsche

Ein Flussdelta in den Niederlanden aus der Luft (imago stock&people)
Ein Flussdelta in den Niederlanden (imago stock&people)

Monika Seynsche: Herr Ganti, was haben Sie bei Ihrer Forschung herausgefunden?

Vamsi Ganti: Wir entdeckten, dass der Fluss nur bei wiederholten Überschwemmungen, also bei einem konstanten Zyklus von Überflutungen, diese typischen gleichförmigen Sedimentfächer ausbildet. Ohne diesen Zyklus fehlen die Sedimentfächer.

Seynsche: Und wie kann dieses Ergebnis helfen, die Deltas zu retten?

Ganti: Es gibt eine Reihe von Schlussfolgerungen aus dieser Studie. Eine davon war: wir konnten zeigen, dass der Ort wo der Fluss sein Bett verlässt und einen neuen Verlauf nimmt, sich vorhersagen lässt. Das wird uns erlauben, zumindest abzuschätzen, wo der nächste Sedimentfächer auftreten könnte. Eine zweite Schlussfolgerung  ist, dass diese natürlichen Deichbrüche sich im Raum bewegen. Wenn Sie sich etwa ein Delta anschauen, das im Zuge des Meeresspiegelanstiegs absinkt, wandern die Deichbrüche hier stromaufwärts. Das wiederum kann Probleme für Gemeinden verursachen, die dort oben leben. Und das ist ein Schlüsselergebnis unserer Studie, dass diese Deichbrüche nicht fixiert im Raum sind sondern stromauf- und abwärts wandern, abhängig vom Meeresspiegel. Und das dritte unserer Ansicht nach wichtige Ergebnis der Studie ist: wenn wir wissen, wie sich Flussdeltas auf der Erde bilden, kann uns das dabei helfen, Deltaablagerungen auf anderen Planeten wie etwa dem Mars zu identifizieren. Und das hat Auswirkungen, denn Deltas bilden sich nur dort wo der Fluss auf einen stehenden Wasserkörper trifft. Das gibt uns also eventuell ein neues Diagnosewerkzeug um frühere Seen und Ozeane auf anderen Planeten zu identifizieren.

Seynsche: Sie erwähnten dass die meisten Deltas auf der Welt sinken und gravierende Probleme haben mit neuem wachsendem Land. Wie können ihre Ergebnisse helfen diese Deltas zu retten? Können Sie sagen, ok, wir müssen diese und diese Messungen machen und dann wird es dem Delta gut gehen?

Ganti: Wir folgern aus der Studie, dass diese Deichbrüche und der Wechsel in ein neues Flussbett der fundamentale Baustein der Deltas ist. Indem man diese verhindert und die Flüsse zwingt, in ihrem angestammten Bett zu bleiben, kann Sediment nicht dort verteilt werden, wo der Fluss von allein hingewandert wäre. Wenn wir die natürlichen Wechsel der Flussbetten verstehen, sind wir also vielleicht in der Lage künstliche Deichbrüche zu erzeugen, mit denen Wasser und Sediment wieder die Stellen erreichen können, die sie natürlicherweise erreichen wollen. Das wiederum könnte die Entstehung neuer Sedimentfächer ermöglichen und vielleicht den Landverlust vermindern.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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