DLR: Was waren rückblickend die wichtigsten Schritte auf dem Weg zum neuen Goethe-Institut?
Elsässer: Ich denke, die Überzeugung, dass hier das Allerwichtigste Mithilfe beim Wiederaufbau der afghanischen Kultur sein muss, dass es also jetzt nicht darum gehen kann, deutsche Kultur vorzustellen, sondern dass mit deutschen Künstlern und Experten Initiative gegeben werde sollte, zusammen mit den afghanischen Künstlern wieder neu zu beginnen nach Jahren, in denen alles total unterbrochen war und zerstört wurde.
DLR: Was gab es denn für Probleme beim Wiederaufbau?
Elsässer: Die Probleme lagen bestimmt nicht bei den Menschen. Alle Menschen, mit denen ich zu tun hatte, kamen uns sehr begeistert und offen entgegen. Natürlich ist das eine bestimmte Schicht bei den Künstlern und den Leuten, die daran Interesse haben. Es gibt sicher hier auch andere Gruppen, aber auf die bin ich bei meiner Arbeit nie gestoßen. Die Probleme liegen eher in der noch sehr mangelhaften Infrastruktur in Afghanistan. Dass eben der Strom dauernd ausfällt, dass wir überhaupt keine normale Telefonverbindung haben, nur mobile, was immer weniger funktioniert, da die Leitungen 35fach überlastet sind. Dass der Verkehr ein totales Chaos ist und man für kleine Strecken oft zwei Stunden im Stau steckt. Dass man nach Dunkelheit nur sehr begrenzt auf die Straße kann und nur in den zwei Stadtvierteln, wo mehr Ausländer leben und alles sehr bewacht ist. Also, man hat hier kein normales Leben, das ist schwierig auch beim Institutsaufbau.
DLR: Bundesaußenminister Fischer hat kürzlich gesagt, wenn wir uns aus Afghanistan zurückziehen, wird der Terror folgen. Was kann denn in einem Land mit so einer instabilen Situation ein Goetheinstitut heute bewirken?
Elsässer: Ich denke schon, dass wir mithelfen können, dass die Bereiche, die ja auch zum normalen Leben gehören, Bereiche wie Theater, Film, bildende Kunst, Bibliotheken, Musik, dass diese Bereiche wieder aufgebaut werden. Denn wir sind bis jetzt auch das einzige Kulturinstitut im Land, so dass das Goetheinstitut da eine entscheidende Rolle hat. Die Musikbegeisterung aller Afghanen ist groß und Filme werden auch begeistert wieder gesehen, wenn auch im Moment überwiegend Bollywood. Aber damit auch etwas anderes ins Land kommt, dafür sind wir ja da, damit wir auch andere Initiativen ermöglichen.
DLR: In welchen Bereichen, Sie hatten Film jetzt grade angesprochen, wollen Sie in der Arbeit des Goetheinstituts jetzt Schwerpunkte setzen?
Elsässer: Wir haben schon Schwerpunkte gesetzt, von Anfang an. Also, das sind bis jetzt fünf große Bereiche. Das ist Film, Theater, bildende Kunst, Musik und Bibliotheken, aber wir wollen das jetzt natürlich im zweiten Jahr auch erweitern, wollen Themen aufgreifen in der Öffentlichkeit, die hier wichtig und brennend und aktuell sind, da Menschen zusammen bringen, auch in der Literatur beginnen. Es gibt noch sehr wenig Literatur wieder in Afghanistan, da auch da die Literaten im Exil sind. Aber all das beginnt vorsichtig und ich denke, dass wir da unterstützen können.
DLR: Inwieweit bieten Sie denn da inzwischen Deutschkurse an?
Elsässer: Wir haben im Mai angefangen, nachdem der erste Deutschlehrer gekommen ist. Die Nachfrage ist sehr groß, weil eben bei Afghanen das Bewusstsein noch sehr lebendig ist, dass Deutschland ihr Hauptpartner war lange Jahre, dass seit fast hundert Jahren die Beziehungen nahtlos gut sind zwischen Afghanistan und Deutschland, und sie sehen auch heute in Deutschland ihren Hauptpartner beim Wiederaufbau, und deshalb wollen auch viele junge Afghanen Deutsch lernen.
DLR: Frauen waren ja unter dem Taliban-Regime von Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen. Inwieweit gibt es denn auch Programme, die gezielt auf Frauen ausgerichtet sind?
Elsässer: Ich hatte das von Anfang an vor und wollte da auch einen Schwerpunkt setzen. Das ist mir bis jetzt nicht gelungen, weil es sehr, sehr schwierig ist, an die Frauen heranzukommen. Es gibt zwar Frauen im Straßenbild Kabuls, die meisten, noch weitaus meisten noch unter der Burka, es gibt viele, die unter der Burka sich auf der Straße bewegen, sie aber dann ablegen, wenn sie ins Ministerium oder in die Universität zu ihrer Arbeit oder ihrem Studium gehen. Aber der Anteil der Frauen, die arbeiten und studieren, ist doch noch sehr gering, vielleicht zehn Prozent der gesamten arbeitenden und studierenden Bevölkerung. Kleine Mädchen gehen wieder öfter in die Schule, aber es ist längst auch noch nicht fünfzig Prozent bei den Mädchen. Das heißt, das alles läuft erst sehr vorsichtig an. Dann müssen Sie bedenken, dass der Anteil der Frauen bei den Analphabeten über neunzig Prozent liegt. Das heißt, es gibt eben sehr wenige Frauen, die ansprechbar sind mit Kultur- oder Sprachprogrammen, und die meisten von denen arbeiten schwer, erhalten oft die Familie, weil sie Arbeit haben und der Mann nicht.
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Elsässer: Ich denke, die Überzeugung, dass hier das Allerwichtigste Mithilfe beim Wiederaufbau der afghanischen Kultur sein muss, dass es also jetzt nicht darum gehen kann, deutsche Kultur vorzustellen, sondern dass mit deutschen Künstlern und Experten Initiative gegeben werde sollte, zusammen mit den afghanischen Künstlern wieder neu zu beginnen nach Jahren, in denen alles total unterbrochen war und zerstört wurde.
DLR: Was gab es denn für Probleme beim Wiederaufbau?
Elsässer: Die Probleme lagen bestimmt nicht bei den Menschen. Alle Menschen, mit denen ich zu tun hatte, kamen uns sehr begeistert und offen entgegen. Natürlich ist das eine bestimmte Schicht bei den Künstlern und den Leuten, die daran Interesse haben. Es gibt sicher hier auch andere Gruppen, aber auf die bin ich bei meiner Arbeit nie gestoßen. Die Probleme liegen eher in der noch sehr mangelhaften Infrastruktur in Afghanistan. Dass eben der Strom dauernd ausfällt, dass wir überhaupt keine normale Telefonverbindung haben, nur mobile, was immer weniger funktioniert, da die Leitungen 35fach überlastet sind. Dass der Verkehr ein totales Chaos ist und man für kleine Strecken oft zwei Stunden im Stau steckt. Dass man nach Dunkelheit nur sehr begrenzt auf die Straße kann und nur in den zwei Stadtvierteln, wo mehr Ausländer leben und alles sehr bewacht ist. Also, man hat hier kein normales Leben, das ist schwierig auch beim Institutsaufbau.
DLR: Bundesaußenminister Fischer hat kürzlich gesagt, wenn wir uns aus Afghanistan zurückziehen, wird der Terror folgen. Was kann denn in einem Land mit so einer instabilen Situation ein Goetheinstitut heute bewirken?
Elsässer: Ich denke schon, dass wir mithelfen können, dass die Bereiche, die ja auch zum normalen Leben gehören, Bereiche wie Theater, Film, bildende Kunst, Bibliotheken, Musik, dass diese Bereiche wieder aufgebaut werden. Denn wir sind bis jetzt auch das einzige Kulturinstitut im Land, so dass das Goetheinstitut da eine entscheidende Rolle hat. Die Musikbegeisterung aller Afghanen ist groß und Filme werden auch begeistert wieder gesehen, wenn auch im Moment überwiegend Bollywood. Aber damit auch etwas anderes ins Land kommt, dafür sind wir ja da, damit wir auch andere Initiativen ermöglichen.
DLR: In welchen Bereichen, Sie hatten Film jetzt grade angesprochen, wollen Sie in der Arbeit des Goetheinstituts jetzt Schwerpunkte setzen?
Elsässer: Wir haben schon Schwerpunkte gesetzt, von Anfang an. Also, das sind bis jetzt fünf große Bereiche. Das ist Film, Theater, bildende Kunst, Musik und Bibliotheken, aber wir wollen das jetzt natürlich im zweiten Jahr auch erweitern, wollen Themen aufgreifen in der Öffentlichkeit, die hier wichtig und brennend und aktuell sind, da Menschen zusammen bringen, auch in der Literatur beginnen. Es gibt noch sehr wenig Literatur wieder in Afghanistan, da auch da die Literaten im Exil sind. Aber all das beginnt vorsichtig und ich denke, dass wir da unterstützen können.
DLR: Inwieweit bieten Sie denn da inzwischen Deutschkurse an?
Elsässer: Wir haben im Mai angefangen, nachdem der erste Deutschlehrer gekommen ist. Die Nachfrage ist sehr groß, weil eben bei Afghanen das Bewusstsein noch sehr lebendig ist, dass Deutschland ihr Hauptpartner war lange Jahre, dass seit fast hundert Jahren die Beziehungen nahtlos gut sind zwischen Afghanistan und Deutschland, und sie sehen auch heute in Deutschland ihren Hauptpartner beim Wiederaufbau, und deshalb wollen auch viele junge Afghanen Deutsch lernen.
DLR: Frauen waren ja unter dem Taliban-Regime von Bildungsmöglichkeiten ausgeschlossen. Inwieweit gibt es denn auch Programme, die gezielt auf Frauen ausgerichtet sind?
Elsässer: Ich hatte das von Anfang an vor und wollte da auch einen Schwerpunkt setzen. Das ist mir bis jetzt nicht gelungen, weil es sehr, sehr schwierig ist, an die Frauen heranzukommen. Es gibt zwar Frauen im Straßenbild Kabuls, die meisten, noch weitaus meisten noch unter der Burka, es gibt viele, die unter der Burka sich auf der Straße bewegen, sie aber dann ablegen, wenn sie ins Ministerium oder in die Universität zu ihrer Arbeit oder ihrem Studium gehen. Aber der Anteil der Frauen, die arbeiten und studieren, ist doch noch sehr gering, vielleicht zehn Prozent der gesamten arbeitenden und studierenden Bevölkerung. Kleine Mädchen gehen wieder öfter in die Schule, aber es ist längst auch noch nicht fünfzig Prozent bei den Mädchen. Das heißt, das alles läuft erst sehr vorsichtig an. Dann müssen Sie bedenken, dass der Anteil der Frauen bei den Analphabeten über neunzig Prozent liegt. Das heißt, es gibt eben sehr wenige Frauen, die ansprechbar sind mit Kultur- oder Sprachprogrammen, und die meisten von denen arbeiten schwer, erhalten oft die Familie, weil sie Arbeit haben und der Mann nicht.
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