Filmfestival
Kulturschaffende betonen Unterstützung für Berlinale-Leiterin Tuttle

Nach Spekulationen über ihre Ablösung bekommt die Intendantin der Berlinale, Tricia Tuttle, jetzt zunehmend Unterstützung von Kulturschaffenden. Aus der CDU gibt es aber weiter deutliche Kritik.

    Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle
    Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle aus dem roten Teppich (AFP / JOHN MACDOUGALL)
    Der Publizist und Sprecher der Schriftstellervereinigung PEN Berlin, Deniz Yücel, sprach im Deutschlandfunk, von einem "abgewendeten Desaster". Festivalleiterin Tuttle steht in der Kritik, weil es während des Filmfestivals zu politischen Bekundungen zum Nahostkonflikt gekommen war, die teilweise als antiisraelisch aufgefasst wurden. Yücel sagte weiter, eine Abberufung wegen Äußerungen Dritter hätte er als skandalös empfunden.

    Erklärung der Filmakademie

    Die Deutsche Filmakademie warnte in einer offenen Erklärung vor einem Angriff auf "den Kern eines unabhängigen Filmfestivals". Man sei erschrocken über die Verletzung dieses Raumes und den Versuch der politischen Einflussnahme. Die im Internet veröffentlichte Erklärung wurde bisher von mehr als 3.500 Menschen unterzeichnet, darunter auch von Fatih Akin, Iris Berben, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta und Wim Wenders.
    Konkreter Anlass für die Kontroverse war der Auftritt des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib, der bei dem Filmfestival für sein Filmdebüt "Chronicles from the Siege" mit einem Preis ausgezeichnet worden war. Er hatte in seiner Dankesrede am Sonntag der Bundesregierung vorgeworfen, "Partner des Völkermords in Gaza zu sein".

    CDU-Politikerin Demuth beharrt auf personellem Neuanfang

    Eine Sondersitzung des Aufsichtsgremiums der Berlinale ging am Donnerstag ohne konkrete Ergebnisse zu Ende. Die Gespräche über die Ausrichtung der Berlinale würden in den kommenden Tagen fortgesetzt, teilte ein Sprecher von Kulturstaatsminister Weimer (parteilos) mit.
    Auf der Ablösung Tuttles beharrt weiter die CDU-Kulturpolitikerin Demuth. Sie sagte, die antisemitischen Ausfälle bei der Preisverleihung in diesem Jahr seien "mit Ansage" gemacht worden. Der Umgang der Berlinale-Leitung damit sei nicht angemessen gewesen. Daher sei "ein personeller Neuanfang" erforderlich.

    SPD und Grüne sprechen sich für Tuttle aus

    SPD und Grüne stellten sich hingegen hinter Tuttle. Die Intendantin habe "Vielfalt ermöglicht und Debatten zugelassen. Genau das mache ein internationales Publikumsfestival aus, erklärten die SPD-Abgeordneten Esdar und Rabanus. Die Links-Fraktion verlangte ebenfalls ein klares Bekenntnis der Politik zu Tuttle und zur Unabhängigkeit der Berlinale.
    Diese Nachricht wurde am 27.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.