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Kunst gegen Krieg Workshops als Therapie

Die kalifornische Künstlerin Sama Wareh hat in Tripolis ein ungewöhnliches Projekt gestartet: Mit Kunstworkshops hilft sie syrischen Schulkindern, die Kriegsgeschehnisse besser zu verarbeiten.

Von Kerstin Zilm | 28.02.2014

Auf einem Sofa in ihrer kleinen Einzimmerwohnung startet Sama Wareh ein gerade eingetroffenes Video von Kunstlehrer Omar Crow aus Tripolis: Er und Schulkinder verwandeln einen verstaubten Abstellraum in ein helles Kunstzimmer: frische Farbe, neue Regale, Kisten mit Bastelmaterial, Stifte und Papier. Der Name der Schule ist "Vögel der Hoffnung". Den Namen haben die Schüler ausgesucht. Sie sind 350 Flüchtlingskinder aus Syrien. Sama, eine syrisch-amerikanische Künstlerin aus Kalifornien, initiierte im November an der Schule ein Kunstprojekt, überzeugt, dass künstlerisches Arbeiten kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für die Kinder ist.
"Kunst lässt sie Dinge ausdrücken, die sie niemandem erzählen können oder wollen. Ich habe es erlebt: Sie erzählen ganz lebendig und ich frage: Woher kommst du? - Aus Homs. Und dann sagen sie nichts mehr. Aber dann zeichnen sie Kriegsbilder und du weißt: Das haben sie erlebt."
Kinderzeichnungen von Kriegserlebnissen
Sama Wareh ist in Kalifornien geboren. Ihre Eltern stammen aus Syrien. Vor dem Bürgerkrieg besuchte Sama oft Verwandte in Damaskus. Der Krieg ging ihr so nah, dass sie 2013 allein an die syrisch-türkische Grenze reiste, um Flüchtlingen Medikamente, Decken und Heizkörper zu schenken. Die Kinderzeichnungen von Kriegserlebnissen konnte sie nach der Rückkehr in die USA nicht vergessen. Sama sammelte Informationen über Schulen für Flüchtlingskinder und fand in Tripolis einen Schuldirektor, der ihre Werte teilt:
"Die Schulphilosophie ist: Sie soll sein, wie wir uns Syriens Zukunft wünschen: Teamwork, Respekt, Mitbestimmungsrechte für alle, Raum für Kunst und Selbstdarstellung."
Sama verkaufte eine Serie von Bildern über Gemeinsamkeiten der Kulturen von Beduinen und Indianern und Drucke eines farbenfrohen Gemäldes von Symbolen syrischer Kultur: Pistazien, Jasminblüten, Mosaik und Schriftrolle. Sie veranstaltete ein syrisches Frühstück, sammelte über 16-tausend Dollar Spenden, entwickelte ein Curriculum und flog los, eine Videokamera im Gepäck.
Kinder malen Hoffnungen und Träume
Die Schule ist eine Oase im umkämpften Norden von Tripolis. Kinder kommen aus provisorischen Unterkünften und fensterlosen Speichercontainern ohne Badezimmer zum Unterricht. Der ist Dank eines Spenders aus Syrien kostenlos. Sama brachte Schulranzen, Stifte, Farbe und Papier und begann mit der Arbeit. Im Unterricht malten die Kinder Hoffnungen und Träume. Herzen und Blumen, aber auch Monster, blutende Bäume und zerstörte Städte.
"Hier oben ist die Stadt komplett intakt. Hier fallen die Bomben, und darunter dieselbe Stadt danach - kaputte Häuser, Rauch, ein wildes Durcheinander. Auf einfachem Notizpapier, aber so aussagekräftig! "
Mit Schülern, Lehrern und dem Schuldirektor gestaltete die kalifornisch-syrische Künstlerin ein Wandgemälde im Schulhof: blauer Himmel, Blumen, Bäume -Symbole für eine bessere Zukunft in Syrien. Sie beauftragte Filmemacher Omar, ihr Projekt weiter zu führen, traurig verabschiedete sie sich. Doch aus ihren Eindrücken hat sie einen Dokumentarfilm produziert, darin auch Videos vom Fortschritt in der Schule und fröhlichen Kindern. Sie beweisen, dass künstlerisches Arbeiten auch in Zeiten von Krieg wichtig ist.
"Es ist traurig, aber ich muss sagen: Für mich ist Politik Zeitverschwendung. Wenn Du Blickkontakt aufnimmst, siehst Du wirklich, was Du bewegen kannst und ich wusste: Meine Arbeit hat sich gelohnt!"