Montag, 19.08.2019
 
Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteCorsoDer Mensch als Datenmaterial02.08.2019

Kunstprojekt "Smartphone Stacks"Der Mensch als Datenmaterial

Junge Menschen, aufeinander gestapelt, Handys in den Händen: "Smartphone Stacks" heißt das aktuelle Projekt des Konzeptkünstlers Florian Mehnert, mit dem er die Benutzung von Menschen als Datenmaterial für den Überwachungskapitalismus kritisiert. "Der Mensch ist das Produkt", sagte er im Dlf.

Florian Mehnert im Corsogespräch mit Anja Buchmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
(Florian Mehnert)
Blaue Stunde mit gestapelten Menschen an Smartphones: Das Projekt "Smartphone Stacks" von Florian Mehnert (Florian Mehnert)
Mehr zum Thema

Künstler Florian Mehnert "Privatsphäre ist etwas unheimlich Wertvolles"

Unterwegs mit dem Smartphone Sicher telefonieren und surfen im Urlaub

Bitkom-Studie Jugendliche Ein Leben ohne Smartphone ist kaum vorstellbar

Smartphone-Porträts Wie Selfies unseren Gesichtsausdruck bestimmen

Smartphone und Sprache "Wir kontrollieren viel weniger, was wir schreiben"

Als "Menschenmaterialhaufen" bezeichnet der in Baden-Württemberg lebende Künstler Florian Mehnert die Jugendlichen, die in seinem Kunstprojekt "Smartphone Stacks" zu sehen sind: übereinander gestapelt (Englisch 'stack' = Stapel), in ihre Smartphones starrend, textend, sich fotografierend. Es seien noch Individuen, aber "sie sind die Materiallieferanten ihres eigenen täglichen Verhaltens für eine dahinter stehende datenverarbeitende Industrie", so Mehnert im Corsogespräch. Das Thema sei beängstigend, denn mit der Industrie, die sich durch das Internet entwickelt hat, sei eine Form des Kapitalismus entstanden, "den man schon Überwachungskapitalismus nennen kann".

Ausspionieren durch Apps ist beängstigend

Florian Mehnert besitzt selbst ein Smartphone und genießt die vielen Vorteile, die es bietet, sieht aber dennoch die Risiken, die insbesondere durch Apps entstehen, die die Handy-Besitzer ausspionieren: "90 Prozent von fast einer Million Apps im Google Store tracken Daten", auch Spiele würden das tun, so der Künstler. "Diese Spiele sind dazu da, um Daten einzusammeln, und der Mensch ist da nur das Produkt - nicht das Spiel."

Wir haben noch länger mit Florian Mehnert gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Die Jugendlichen, mit denen er für sein Projekt gearbeitet hat, kennen kein Leben ohne Smartphone - und die digitale Auseinandersetzung per Kurznachricht, gif oder Chat werde oft auch auch "dem persönlichen Diskurs vorgezogen". Das sei das sogenannte Privacy Paradox, so Mehnert: Die Digital Natives würden schon sehen, dass die Privatsphäre ein schützenswertes Gut sei. Aber, wer auf Kommunikations-Apps wie WhatsApp, Instagram und so weiter verzichte, der werde sozial ausgeschlossen. Und: "Sozialer Ausschluss ist die Höchsstrafe", meinte Mehnert im Deutschlandfunk.

(Florian Mehnert)"Refugee Stacks": Hinter jedem Flüchtling eine persönliche Geschichte (Florian Mehnert)

Vorgängerprojekt "Refugee Stacks"

2016 hat Florian Mehnert das Vorgängerprojekt "Refugee Stacks" entwickelt - mit einer ähnlichen Herangehensweise, aber komplett anderer Thematik und Aussage: Bei den übereinander gestapelten schwarzen Männern gehe es um die Flüchtlinge, um die Ängste in der hiesigen Gesellschaft, und auch "um unsere deutsche Geschichte", erzählt der Künstler.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk