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StartseiteSonntagsspaziergangLa deutsche Vita21.04.2013

La deutsche Vita

Zwei Deutsche betreiben ein Restaurant in Turin

In Italien essen – damit verbinden die meisten Menschen wohl Pizza und Pasta. Zwei deutsche Frauen beweisen, dass es auch anders geht: Sie betreiben in Turin ein Restaurant mit deutschen Gerichten und Spezialitäten. Würstchen, Leberkäse und Klöße kommen bei den Italienern gut an.

Von Ralf Schmidberger

Schweinebraten mit Knödel: Deutsche Küche ist in Turin sehr erfolgreich. (picture alliance / dpa / Victoria Bonn-Meuser)
Schweinebraten mit Knödel: Deutsche Küche ist in Turin sehr erfolgreich. (picture alliance / dpa / Victoria Bonn-Meuser)

Das ist italienisches Lebensgefühl: Sonnenschein, ratternde Vespas, quirlige Menschen in eleganter Kleidung und neuerdings: deutsches Essen!

"Heringsfrikadellen und so. Das finden die Italiener alles schick."

Claudia Franzen muss es wissen: Seit gut zwei Jahren bekocht sie die italienische Kundschaft mit deutschen Spezialitäten. "La deutsche Vita" heißt das Restaurant in der Altstadt von Turin, das sie zusammen mit Sabine Schumacher betreibt. Die Speisekarte liest sich wie bei einem Landgasthof irgendwo in der deutschen Provinz.

"Als Erstes gibt es immer eine Suppe. Das gehört in der deutschen Küche immer dazu. Dann gibt’s Bratwürstchen, Würstchen jeder Art, ob nun Leberkäse oder Mettwürste, Schweinsbraten, Semmelknödel, Kartoffelklöße."

Zur Mittagszeit und zum Abendessen sind drinnen die Tische und draußen die Bierbänke schnell gefüllt.

Ein Gast: "Ich mag Würstel und Kraut und die hübschen Damen, die es servieren. Buon appetito … Mmmh…"

Der Siegeszug der deutschen Küche in Italien - oder zumindest mal in Turin - begann 2010. Die beiden Endvierzigerinnen aus Solingen und Münster – der Liebe wegen vor 20 Jahren nach Italien gekommen - wollten was Neues wagen. Die Idee: ein Restaurant. Nur: Was soll es dort zu Essen geben?

"Irgendwann im Gespräch haben wir uns angeschaut und gesagt: Mensch, wir sind zwei deutsche Frauen, warum machen wir nicht deutsche Küche. Das gibt es in Turin noch gar nicht. Warum sollen wir das nicht probieren? Erster Satz von Claudia: Ich kann überhaupt nicht deutsch kochen! Ha, ha!"

Mit Rezepten war das aber kein Problem und immerhin hat Claudia Franzen mal in Deutschland eine Kochlehre gemacht. Nachdem die Beiden dann die richtige Lokalität in der Altstadt gefunden hatten, war es dann so weit: Sie eröffneten das Restaurant "La deutsche Vita" - angelehnt an la dolce Vita, also an: das süße Leben. Nur eben deutsch. Und den Turinern schmeckt's.

Die Gäste sagen:

"Ich war in Berlin und mag besonders die deutschen Kuchen und Torten."

"Ich mag das Bier natürlich."

"Ich war hier schon mal und weil es hier so gut geschmeckt hat, bin jetzt mit meinem Sohn hier. Jetzt habe ich einen Gemüseauflauf bestellt."

"…und ich einen Kartoffelsalat."

"Ja, und die Desserts mag ich besonders."

Die Gäste können hier nicht nur essen, sondern gleich auch einkaufen. Und zwar Produkte, die es in Italien sonst nirgends zu kaufen gibt. Zwei Tonnen Lebensmittel bringen mittlerweile die Lastwagen jeden Monat aus Deutschland.

Sabine Schumacher:
"Natürlich deutsche Marmeladen, Rübenkraut, Sauerkirschen, Stachelbeeren, deutsche Weine, Zwieback, Sauerkraut, Gurken, Senf, zu Weihnachten Lebkuchen, Spekulatius, das läuft irre gut."

Mögen nun alle Einheimischen die Köstlichkeiten aus Deutschland? Nicht ganz. Die alte Italienerin, die vorher in den Räumlichkeiten von "La deutsche Vita" einen Milchladen hatte und jetzt in einer Wohnung darüber wohnt, konnten die beiden Wirtinnen noch nicht so richtig überzeugen.

"Die alte Besitzerin kommt vorbei, bringt für unsere Kinder einen Teller Pasta: Sie meint, sie müssten mal was Richtiges zu Essen bekommen."

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