Ulrike Burgwinkel: Gerade an den Start gegangen ist ein Projekt in und um Stuttgart herum. Es heißt "Länger leben, länger arbeiten, länger lernen". Die Uni Ulm ist mit im Boot, die Fraunhofer-Gesellschaft und die Arbeitgeberverbände Südwestmetall. Ein aufwendiges Kooperationsprojekt also. Stefan Küpper, zuständig für Bildungspolitik und Qualifizierung bei Südwestmetall ist einer der Initiatoren dieser Gesamtanstrengung. Guten Tag nach Stuttgart!
Stefan Küpper: Ich grüße Sie, hallo!
Burgwinkel: Herr Küpper, welches Ziel verfolgen Sie denn mit Ihrer Studie?
Küpper: Wir wollen im Unterschied zu vielen anderen Projekten, die es aktuell zum Thema Lernen bei älteren Beschäftigten gibt, tiefer gehen. Wir wollen uns anschauen, wie müssen heute Arbeitsorganisationen aussehen, wie müssen Führungssysteme aussehen, wie müssen Lernumgebungen aussehen, damit das oft beschworene lebensbegleitende Lernen im Betrieb auch tatsächlich optimal funktionieren kann.
Burgwinkel: Wie sieht denn Ihr Konzept dazu aus?
Küpper: Das Konzept sieht so aus, dass wir mit Firmen zusammen hier in Baden-Württemberg uns zunächst mal anschauen, was ist da. Wir analysieren also den Ist-Zustand, wir werden auch Dichtung und Wahrheit versuchen zu unterscheiden. Es gibt viel Aktionismus momentan zu diesem Thema, aber wenig wirklich valide Empirie. Das ist der erste Schritt, und dann wollen wir Konzepte mit den Firmen gemeinsam entwickeln, diese Konzepte dann erproben und zu guter Letzt dann auch in den Transfer bringen, und zwar ganz bewusst auch mit dem Blick darauf, dass große Unternehmen da andere Bedürfnisse haben als kleine und mittlere Unternehmen, also auch diese Thematik in den Blick nehmend.
Burgwinkel: Sehen Sie durch Ihre Studie eher die Chancen für ältere Arbeitnehmer oder auch Chancen für jüngere Arbeitnehmer kommen?
Küpper: Wir haben in der Tat beide Zielgruppen im Blick. Es ist einfach zu kurz gesprungen, jetzt über Konzepte nachzudenken, die ausschließlich darauf abzielen, wie kann man beispielsweise Beschäftigten, die über 50 oder 55 sind, jetzt wieder das Lernen näher bringen. Wir wissen aus Erkenntnissen der Neurowissenschaft, meistens ist der Zug abgefahren, wenn man 20, 30 Jahre davor eben nicht mehr gelernt hat, nicht herausgefordert wurde etc. Und deswegen wollen wir die gesamte Erwerbs- und Bildungsbiografie in den Blick nehmen, und wir wollen untersuchen, wie muss eine Lernumgebung aussehen, eine Arbeitsorganisation aussehen, dass junge Beschäftigte heute so herausgefordert werden in ihrem Job, in ihrem Lernen, dass sie 20, 30 Jahre später immer noch diese Fähigkeit zum Lernen besitzen.
Burgwinkel: Ist es nicht auch entscheidend, mal nachzufragen, ob die Beschäftigten das als ein Muss oder ein Dürfen verstehen, das lebenslange Lernen?
Küpper: Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Es ist nicht nur eine Bringschuld der Unternehmen, Weiterbildung anzubieten, es ist vor allem auch eine Bringschuld der Arbeitnehmer, sich dieser Herausforderung zu stellen, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu sichern und zu verbessern. Es ist ihre Herausforderung, ganz individuell auch an ihrem Arbeitsplatz erfolgreich zu sein. Und das erfordert heute, sich eben ständig auch zu qualifizieren und interessiert zu zeigen auch für neue Herausforderungen. Und es ist durchaus auch ein Ansatz in unserem Projekt. Ich will das deutlich unterstreichen, es geht nicht darum, angenehm kuschelige Arbeitsplätze zu gestalten, sondern Arbeitsplätze zu gestalten, die wettbewerbsfähig sind, mit denen wir in internationaler Konkurrenz wettbewerbsfähig sein können und wo die Beschäftigten in der Lage sind, ihre Potenziale optimal zu entwickeln für sich, aber genauso für den Betrieb.
Burgwinkel: Das heißt, die Praxis hat einen ziemlich großen Stellenwert?
Küpper: Die Praxis wird in diesem Projekt einen großen Stellenwert haben. Wir wollen das mit den Unternehmen gemeinsam tun, genauso wie auch mit Beschäftigten gemeinsam entwickeln, dieses Projekt. Es geht nicht um ein akademisches Oberseminar, sondern es geht darum, Konzepte in der Praxis für die Praxis zu entwickeln.
Burgwinkel: Und vielleicht eine Karriere auch über das Rentenalter hinaus zu ermöglichen?
Küpper: Wo auch immer das in Zukunft liegen wird.
Burgwinkel: Ja, das ist die große Frage.
Küpper: Das ist die große Frage. Wir werden vielleicht auch erleben, dass sich starre Altersgrenzen im Laufe der Zeit auflösen werden, wir auch hier eine stärkere Individualisierung bekommen werden. Das ist aber eine andere Diskussion, die letztlich auch in und mit der Politik zu führen ist. Aber dahinter steht in der Tat ein wichtiger Punkt: Es geht uns in diesem Projekt natürlich auch darum, die hohen Fähigkeiten gerade auch der älteren Beschäftigten zu nutzen, zu sichern und damit eben auch unsere Unternehmen besser zu machen.
Burgwinkel: Danke für das Gespräch. Stefan Küpper bei Südwestmetall Stuttgart, zuständig für Bildungspolitik und Qualifizierung. Wir sprachen über die Studie "Länger leben, länger arbeiten, länger lernen". Erste Ergebnisse wird es geben ab Juni.
Stefan Küpper: Ich grüße Sie, hallo!
Burgwinkel: Herr Küpper, welches Ziel verfolgen Sie denn mit Ihrer Studie?
Küpper: Wir wollen im Unterschied zu vielen anderen Projekten, die es aktuell zum Thema Lernen bei älteren Beschäftigten gibt, tiefer gehen. Wir wollen uns anschauen, wie müssen heute Arbeitsorganisationen aussehen, wie müssen Führungssysteme aussehen, wie müssen Lernumgebungen aussehen, damit das oft beschworene lebensbegleitende Lernen im Betrieb auch tatsächlich optimal funktionieren kann.
Burgwinkel: Wie sieht denn Ihr Konzept dazu aus?
Küpper: Das Konzept sieht so aus, dass wir mit Firmen zusammen hier in Baden-Württemberg uns zunächst mal anschauen, was ist da. Wir analysieren also den Ist-Zustand, wir werden auch Dichtung und Wahrheit versuchen zu unterscheiden. Es gibt viel Aktionismus momentan zu diesem Thema, aber wenig wirklich valide Empirie. Das ist der erste Schritt, und dann wollen wir Konzepte mit den Firmen gemeinsam entwickeln, diese Konzepte dann erproben und zu guter Letzt dann auch in den Transfer bringen, und zwar ganz bewusst auch mit dem Blick darauf, dass große Unternehmen da andere Bedürfnisse haben als kleine und mittlere Unternehmen, also auch diese Thematik in den Blick nehmend.
Burgwinkel: Sehen Sie durch Ihre Studie eher die Chancen für ältere Arbeitnehmer oder auch Chancen für jüngere Arbeitnehmer kommen?
Küpper: Wir haben in der Tat beide Zielgruppen im Blick. Es ist einfach zu kurz gesprungen, jetzt über Konzepte nachzudenken, die ausschließlich darauf abzielen, wie kann man beispielsweise Beschäftigten, die über 50 oder 55 sind, jetzt wieder das Lernen näher bringen. Wir wissen aus Erkenntnissen der Neurowissenschaft, meistens ist der Zug abgefahren, wenn man 20, 30 Jahre davor eben nicht mehr gelernt hat, nicht herausgefordert wurde etc. Und deswegen wollen wir die gesamte Erwerbs- und Bildungsbiografie in den Blick nehmen, und wir wollen untersuchen, wie muss eine Lernumgebung aussehen, eine Arbeitsorganisation aussehen, dass junge Beschäftigte heute so herausgefordert werden in ihrem Job, in ihrem Lernen, dass sie 20, 30 Jahre später immer noch diese Fähigkeit zum Lernen besitzen.
Burgwinkel: Ist es nicht auch entscheidend, mal nachzufragen, ob die Beschäftigten das als ein Muss oder ein Dürfen verstehen, das lebenslange Lernen?
Küpper: Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Es ist nicht nur eine Bringschuld der Unternehmen, Weiterbildung anzubieten, es ist vor allem auch eine Bringschuld der Arbeitnehmer, sich dieser Herausforderung zu stellen, ihre Beschäftigungsfähigkeit zu sichern und zu verbessern. Es ist ihre Herausforderung, ganz individuell auch an ihrem Arbeitsplatz erfolgreich zu sein. Und das erfordert heute, sich eben ständig auch zu qualifizieren und interessiert zu zeigen auch für neue Herausforderungen. Und es ist durchaus auch ein Ansatz in unserem Projekt. Ich will das deutlich unterstreichen, es geht nicht darum, angenehm kuschelige Arbeitsplätze zu gestalten, sondern Arbeitsplätze zu gestalten, die wettbewerbsfähig sind, mit denen wir in internationaler Konkurrenz wettbewerbsfähig sein können und wo die Beschäftigten in der Lage sind, ihre Potenziale optimal zu entwickeln für sich, aber genauso für den Betrieb.
Burgwinkel: Das heißt, die Praxis hat einen ziemlich großen Stellenwert?
Küpper: Die Praxis wird in diesem Projekt einen großen Stellenwert haben. Wir wollen das mit den Unternehmen gemeinsam tun, genauso wie auch mit Beschäftigten gemeinsam entwickeln, dieses Projekt. Es geht nicht um ein akademisches Oberseminar, sondern es geht darum, Konzepte in der Praxis für die Praxis zu entwickeln.
Burgwinkel: Und vielleicht eine Karriere auch über das Rentenalter hinaus zu ermöglichen?
Küpper: Wo auch immer das in Zukunft liegen wird.
Burgwinkel: Ja, das ist die große Frage.
Küpper: Das ist die große Frage. Wir werden vielleicht auch erleben, dass sich starre Altersgrenzen im Laufe der Zeit auflösen werden, wir auch hier eine stärkere Individualisierung bekommen werden. Das ist aber eine andere Diskussion, die letztlich auch in und mit der Politik zu führen ist. Aber dahinter steht in der Tat ein wichtiger Punkt: Es geht uns in diesem Projekt natürlich auch darum, die hohen Fähigkeiten gerade auch der älteren Beschäftigten zu nutzen, zu sichern und damit eben auch unsere Unternehmen besser zu machen.
Burgwinkel: Danke für das Gespräch. Stefan Küpper bei Südwestmetall Stuttgart, zuständig für Bildungspolitik und Qualifizierung. Wir sprachen über die Studie "Länger leben, länger arbeiten, länger lernen". Erste Ergebnisse wird es geben ab Juni.