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StartseiteSport am WochenendeLance Armstrong in der Zwickmühle23.05.2011

Lance Armstrong in der Zwickmühle

In der Doping-Affäre nimmt der Druck auf den ehemaligen Radstar zu

Nach den jüngsten Enthüllungen spitzt sich alles auf die Frage zu: Wird Lance Armstrong unter Eid vor der Staatsanwaltschaft aussagen? Oder weigert er sich und verstärkt die Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit?

Von Jürgen Kalwa

Doper unter sich? Lance Armstrong und Jan Ullrich (AP)
Doper unter sich? Lance Armstrong und Jan Ullrich (AP)

Das Team der Anwälte von Lance Armstrong hat dem Fernsehsender CBS vorgeworfen, eine schmutzige Rufmordkampagne gegen seinen Mandanten zu betreiben. Die Rechtsvertreter des siebenfachen Tour-de-France-Siegers beschuldigen die Produzenten der Magazinsendung "60 Minutes”, im Vorfeld Versprechen nicht eingehalten zu haben, als sich die Redaktion bemühte, Armstrong vor die Kamera zu bekommen. CBS habe "falsche Versicherungen abgegeben und sich selektiv auf Zeugen gestützt, auf die sich kein angesehener Journalist verlassen würde”.

Die Attacke ist Teil einer Strategie, von den vielen und bislang detailliertesten Enthüllungen abzulenken, die das populäre Programm am Sonntagabend ausgestrahlt hatte. Dazu gehören die Aussagen des einstigen Edelhelfers Tyler Hamilton, der nicht nur gesehen haben will, dass sich Armstrong mit Epo und flüssigem Testosteron der Marke Andriol dopte, sondern beide Produkte mehrfach von dem Texaner bekommen haben will. Außerdem bestätigte er, was sein ehemaliger Mannschaftskollege im US Postal Team, Floyd Landis, im vergangenen Jahr enthüllt hatte: Der Weltverband UCI habe im Juni 2001 bei der Tour de Suisse dabei geholfen, dass Armstrongs Epo-Testresultate vertuscht. Armstrong selbst habe ihm die Nachricht überbracht. Tyler Hamilton:

""Das hat mich beruhigt. Denn wir hätten andernfalls unseren Sponsor verloren und ich meinen Job.”"

"60 Minutes” berichtete darüberhinaus aus anonymer Quelle, dass der langjährige Armstrong-Domestike George Hincapie der Staatsanwaltschaft in Los Angeles gegenüber belastende Aussagen gemacht haben soll. Allerdings verzichtete Hincapie darauf, dem Sender ein Interview zu geben und teilte mit: "Es ist einfach schade, dass das alles ist, worüber Leute reden wollen. Ich nehme nicht an irgendeinem Radsport-Bashing teil.”

Dieses Nicht-Dementi erhöht das Problem von Armstrong, der in den nächsten Wochen entscheiden muss, ob er vor der Staatsanwaltschaft unter Eid zu all den Vorwürfen aussagen will. Oder ob er sein verfassungsgemäßes Aussageverweigerungsrecht in Anspruch nimmt und damit indirekt in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, dass er allen Beteuerungen zum Trotz etwas zu verbergen hat.

Die amerikanischen Ermittler, die Beweise für eine Anklage wegen Betrugs zusmamentragen, stützen sich nicht nur auf Zeugenaussagen, darunter das Protokoll einer FBI-Vernehmung des Leiters des Schweizer Dopinglabors, das 2001 bei der Tour de Suisse in Armstrongs Urin Hinweise auf Epo-Missbrauch entdeckt haben soll. Die amerikanischen Behörden können auf Asservate aus französischen und Italienischen Ermittlungen zurückgreifen. Die betreffen unter anderem die Rolle des italienischen Sportarztes Dr. Michele Ferrari. Tyler Hamilton:

""Ich kann nicht sagen, dass Michele Ferrari jemals leistungssteigernde Drogen gegeben hat, aber ich weiß ganz sich, dass sie darüber gesprochen haben, wie man sie nimmt, wann und warum.”"

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