Jahresversammlung
Landkreistag warnt vor fehlender Handlungsfähigkeit der Kommunen

Der Deutsche Landkreistag hat vor Beginn seiner Jahresversammlung eine dramatische Finanzlage der Kommunen beklagt. Präsident Brötel sagte dem rbb, man verzeichne Rekorddefizite, wie man sie seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland nie hatte.

    Das Foto zeigt Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistages.
    Der Präsidente des Deutschen Landkreistages, Achim Brötel (Archivbild). (dpa-news/Bernd Weißbrod)
    Städte, Gemeinden und Landkreise drohten handlungsunfähig zu werden. Brötel betonte, es drohten Einschnitte für die Bürger, da zunächst die sogenannten freiwilligen Aufgaben geprüft würden - also die Förderung von Kultureinrichtungen oder Vereinen.
    Der CDU-Politiker Brötel ist Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises. Er steht seit 2024 dem Deutschen Landkreistag vor, in dem alle 294 Landkreise in der Bundesrepublik organisiert sind. Sie machen zusammen mit den 107 kreisfreien Städten die deutschen Kommunen aus.
    Zu dem Treffen in Berlin wird heute Bundesfinanzminister Klingbeil erwartet, morgen Bundeskanzler Merz.

    Streitpunkt Konnexitätsprinzip

    Zwischen den Kommunen und dem Bund wird immer wieder wegen des sogenannten Konnexitätsprinzips gestritten. Es besagt, dass die für eine Aufgabe zuständige staatliche Ebene auch die Finanzverantwortung inne hat, vereinfacht gesagt: "Wer bestellt, bezahlt." Das Konnexitätsprinzip gilt zwischen den 13 deutschen Flächenländern und den Kommunen, aber nicht zwischen Bund und den Kommunen. Städte und Landkreise monieren deswegen, dass sie oft Entscheidungen des Bundes finanziell tragen müssen.
    Die Bundesregierung hatte zuletzt im Dezember begründet, warum sie eine rechtliche Verankerung des Konnexitätsprinzips ablehnt. Dies wäre mit tiefgreifenden Eingriffen in das föderale Gesamtgefüge und die Eigenstaatlichkeit der Länder verbunden. Es obliege den Ländern, den Kommunen bei Mehrbelastungen eine adäquate Finanzausstattung zu gewähren.
    Diese Nachricht wurde am 08.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.