Ratna Dhungel ist in Nepals Hauptstadt Kathmandu groß geworden. Ihr Interesse an der Landwirtschaft hat sich während 20 Jahren Entwicklungsarbeit in verschiedenen Gegenden Nepals ausgebildet. Obwohl an die 90 Prozent der Erwerbstätigen in Nepal von der Landwirtschaft abhängen, trägt diese nur zu 40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und ist nicht in der Lage, die rasch wachsende Bevölkerung des kleinen Himalayastaates zu ernähren. Aufgrund des gebirgigen Terrains kann nicht mehr Ackerland unter den Pflug genommen werden. Um die Erträge zu steigern, wurde vor etwa 30 Jahren der erste Handelsdünger eingeführt, und sein Einsatz durch hohe staatliche Subventionen populär gemacht. Beeindruckt durch die steigende Produktivität verlernten die anfangs skeptischen Bauern bald ihre arbeitsintensiven traditionellen Düngetechniken mit Stallmist und Kompost.
"Mittlerweile sind die Bauern wie Drogensüchtige abhängig von Chemikalien geworden. Sie sind ganz einfach einzusetzen wie es scheint, aber die Bauern kennen ihre negativen Folgen nicht. Auf die Dauer trocknet der Boden aus, weil alle Mikroorganismen vernichtet werden. Einer unsere Mitarbeiter fand heraus, dass einige Bauern Pestizide verwenden, die längst das Verfallsdatum überschritten haben. Da die meisten Menschen in den Dörfern nicht lesen können, kommt das sicher sehr oft vor."
Der langjährige Missbrauch hat zu einem enormen Verlust an natürlicher Bodenfruchtbarkeit geführt. Die Nachfrage nach Chemie steigt jedoch, denn ohne scheint nichts mehr zu gehen. Das Ziel, die wachsende Bevölkerung durch den Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden zu ernähren, wurde indes weit verfehlt, abgesehen von den schädlichen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Eine vollständige Neuorientierung in der landwirtschaftlichen Praxis scheint notwendig zu sein. Um die vergessenen heimischen Methoden organischer Landwirtschaft wiederzubeleben und um neue auszuprobieren, hat Ratna Dhungel im Süden Nepals eine kleine Musterfarm aufgebaut.
"Mit unserem ökologischen Landbau wollen wir die Leute im Dorf zur Nachahmung ermuntern, denn unsere Produkte schmecken einfach besser. Wir halten Schweine, Ziegen und Hühner und bauen Gemüse und Futterpflanzen an. Beides ist notwendig, denn die Tiere liefern den Dünger für die Pflanzen, die wiederum Nahrung für die Tiere sind. Die Abfälle verarbeiten wir zu Kompost. Anstelle von Pestiziden benutzen wir den Saft der Neemblätter, Holzasche und Merrygold, zerriebene grüne Tabakblätter und Knoblauch. Knoblauch? Ja, davon haben wir wirklich genug und ich frage mich, warum wir eigentlich noch Chemie brauchen. Und wenn man Koriander zwischen die Beete pflanzt, hält dessen Geruch die Insekten fern."