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StartseiteCampus & KarriereMit Kaffee und Workshops gegen Schreibblockaden03.03.2017

Lange Nacht der aufgeschobenen HausarbeitenMit Kaffee und Workshops gegen Schreibblockaden

Die "Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" an der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder zieht seit 2014 Studierende in ihren Bann. Doch wer glaubt, das Event sei nur eine gute Gelegenheit, dem heimischen Schreibtisch zu entfliehen, irrt. Es geht um weit mehr als um gemeinsames Kaffeetrinken und Wachbleiben.

Von Vanja Budde

Studenten in der Bibliothek. Viele Universitäten nehmen an der "Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" teil: Hunderte Studenten überwanden sich gemeinsam und begannen mit den bislang liegen gebliebenen Hausarbeiten. (dpa / picture alliance / Maja Hitij)
Studenten in der Bibliothek. Viele Universitäten nehmen an der "Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" teil: Hunderte Studenten überwinden sich und beginnen mit bislang liegen gebliebenen Hausarbeiten. (dpa / picture alliance / Maja Hitij)
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Neues Uni-Projekt Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Eiskalter Regen trommelt an die Fenster der Bibliothek der Europa-Universität Viadrina, draußen liegt Frankfurt/Oder im nächtlichen Dunkel. Ungemütliches Wetter, passend für einen Abend auf der heimischen Couch oder Kino und danach in die Kneipe. Aber etwa 80 Studierende sind hier in der Uni und lassen sich bei ihren Schreibprojekten beraten.

Anne Pillhofer hat ihre Bachelorarbeit zum Sozialismusbegriff in der DDR mitgebracht. In einer durchsichtigen Plastiktüte hat sie alles dabei, was sie für eine Lange Nacht braucht:

"Erst mal meine beiden Literatursachen, die ich einpflegen möchte; dann mein Laptop, mein Arbeitsgerät; dann noch ein Buch zur Entspannung, wenn ich mal was anderes brauche; Wasser und Nüsse, die Nervennahrung für zwischendrin."

Für das im Foyer der Bibliothek aufgebaute Buffet ist sie nämlich etwas zu spät dran: Bis auf ein paar Weintrauben und Fünf-Minuten-Terrinen ist alles schon weg.

Richtig zitieren, schreiben, Gedanken austauschen

Nur der Zustrom an frischem Kaffee wird bis ein Uhr nachts nicht abreißen. Abgesehen von dem netten Event mit Schreibtypen-Test, Gymnastik gegen Schreibtischkrampf und Frischluftspaziergang um 22 Uhr - welchen Vorteil bietet diese alljährliche "Lange Nacht" einer erfahrenen Studierenden wie Anne Pillhofer?

"Auf jeden Fall die Schreibberatung, beziehungsweise auch die Workshops. Wenn man mal wirklich irgendwo hängt und nicht weiter kommt, dann trägt man sich für eine Schreibberatung ein und redet mal drüber und dann löst sich meistens das Problem. Und man sitzt nicht zu Hause und grämt sich über die ganzen Projekte."

"Zitiere ich noch oder plagiiere ich schon", heißt dieser Workshop, in anderen gibt es Tipps zum Schreiben von Klausuren oder zum Überarbeiten von Texten. Organisiert hat die "Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" das Schreibzentrum der Viadrina. Dessen Leiterin Franziska Liebetanz hofft, dass die Studierenden in diesen Stunden Schreiben als soziale Tätigkeit begreifen lernen.

"Zu verstehen, dass nicht alles alleine im Zimmer geschrieben werden muss und alles alleine durchdacht werden muss. Texte zu schreiben heißt ja auch, in einen Kommunikationsprozess zu treten und bis ich diesen Text geschrieben habe, muss ja schon ganz viel Dialog stattfinden."

Flucht vor der Einsamkeit des einsamen Schreibtischs

Gedanken ordnen, eine Gliederung entwerfen, das gehe im Gespräch mit anderen besser. Und es sei hilfreich, hier zu erfahren, dass alle mit Problemen zu kämpfen hätten, sagt Alexander Jädecke, der sich auf das erste Juristische Staatsexamen vorbereitet.

"Man hat Leidensgenossen in Anführungszeichen, denen es genauso geht, man kann sich mal zwischendurch austauschen, ablenken. Aber man ist im Gegenzug natürlich nicht so abgelenkt wie zu Hause, wo der Fernseher da ist und der Computer. Hier hat man die Bücher, hier hat man die Ruhe – das sollte man wahrnehmen."

Oben im dritten Stock der Bibliothek sitzen an kleinen Einzeltischen zwischen den Bücherregalen überall Studierende, die der Einsamkeit des heimischen Schreibtisches entflohen sind.

"Hier findet man sich"

"Ich muss meine Masterarbeit schreiben und hier gibt es eine gute Stimmung. Die anderen Leute müssen auch etwas schreiben und ich brauche Leute um mich, um gut schreiben zu können." - "Man arbeitet ja längere Zeit an so einer Hausarbeit, aber wenn man dann noch mal hierher kommt, zu so einem Event, und weiß, dass alle, die hier sind, daran arbeiten, dann gibt das noch mal neue Motivation."

Wer keine Beratung, aber direkten Austausch mit Kommilitonen sucht, kann sich hier oben in einem Schreibcontainer zusammensetzen. Ein prima Angebot, diese "Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" findet diese Jura-Studentin, die sich mit zwei zufällig getroffenen Kommilitoninnen mit dem EU-Beihilferecht herum schlägt.

"Wenn man zu Hause ist, dann ist man halt alleine. Ist natürlich entspannt, besonders bei dem Wetter, aber hier findet man sich."

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