Archiv


Lassen sich Entdeckungen planen?

Über Jahrtausende spielte der Zufall in der Wissenschaft eine große Rolle. Forscher streiften mit dem Schmetterlingsnetz umher, untersuchten Proben unter dem Mikroskop oder richteten ein Teleskop an immer neue Stellen am Himmel. Neugier und Intuition der Menschen führen oft zu völlig überraschenden Entdeckungen.

Von Dirk Lorenzen |
    Doch gibt es mittlerweile in fast jedem Forschungsgebiet langfristige Arbeitspläne, auf die sich die Experten geeinigt haben. Großprojekte werden nur noch nach solchen "Roadmaps" errichtet. Das mag angesichts knapper Kassen vernünftig und zum Teil auch wissenschaftlich geboten sein, birgt aber erhebliche Risiken.

    Ein Projekt wie der LHC-Beschleuniger in Genf ist ein riesiges Experiment. Es wurde präzise geplant, um ganz konkrete Fragestellungen abzuarbeiten, die man zu Projektbeginn festgelegt hatte.

    Das Hubble-Weltraumteleskop hingegen ist noch ein klassisches Observatorium, eine Art Schmetterlingsnetz der Astronomen. Hubbles Einsatzmöglichkeiten sind fast nur durch den begrenzten Ideenreichtum seiner Nutzer Schranken gesetzt.

    Observatorien liefern oft völlig unvorhergesehene Entdeckungen, während die Ergebnisse von Großexperimenten meist in gewisser Weise geplant sind, was den wissenschaftlichen Spielraum erheblich einschränkt.

    Inzwischen droht auch der Astronomie eine Ära der Großexperimente, die sich gezielt einer bestimmten Fragestellung widmen. Beispielsweise denken manche Forscher an sehr eng zugeschnittene Projekte, um die Natur der Dunklen Energie zu enträtseln.

    Doch verblüffende Entdeckungen entstehen kaum in Roadmaps, sondern vor allem durch kreative Gedanken.

    Website des Hubble-Weltraumteleskops

    Website des Large Hadron Collider am CERN

    Der Artikel "Why Dark Energy is Bad for Astronomy" von Simon White