Gesundheitsministerium
Lauterbach legt Konzept zur Suizidvorbeugung vor - "Müssen Tabus überwinden"

Bundesgesundheitsminister Lauterbach hat eine "Nationale Suizidpräventionsstrategie" vorgestellt. Ziel sei, das gesellschaftliche Tabu von Tod und Suizid zu überwinden und Hilfsangebote besser zu bündeln.

02.05.2024
    Berlin: Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, stellt mit Ute Lewitzka, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, die Nationale Suizidpräventionsstrategie der Bundesregierung vor.
    Die Zahl der Suizide bleibt seit Jahren auf hohem Niveau, die Bundesregierung will das nicht hinnehmen. (Kay Nietfeld/dpa)
    Die Zahl der Suizide in Deutschland nehme seit 20 Jahren nicht ab, erklärte der SPD-Politiker in Berlin. "Das Schicksal der Betroffenen, der Angehörigen und der Hilfskräfte darf der Gesellschaft nicht egal sein." Die von Lauterbach vorgestellte Präventionsstrategie sieht unter anderem eine bundesweite Koordinierungsstelle für Beratungs- und Kooperationsangebote vor. Zudem soll eine zentrale deutschlandweite Krisendienst-Notrufnummer eingerichtet werden. Fachkräfte im Gesundheitswesen und in der Pflege sollen besser geschult und die Forschung zu Suizidversuchen und Suiziden ausgebaut werden. Vorgesehen ist außerdem eine bundesweite Aufklärungskampagne zu psychischen Erkrankungen, um diese zu entstigmatisieren.

    Suizidexpertin spricht von "Meilenstein"

    Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS), Lewitzka, nannte die vorgestellte Strategie einen "Meilenstein". Zwar gebe es in den Bundesländern bereits zahlreiche niedrigschwellige Präventions-Angebote. Diese seien aber häufig projektbasiert und zeitlich befristet. Die geplante bundesweite Koordinierungsstelle könne nun Erkenntnisse verlässlich bündeln und für ein deutlich besseres Beratungsangebot sorgen.
    Gesundheitsminister Lauterbach kommt mit der Präventionsstrategie einem Beschluss des Bundestags im vergangenen Jahr nach. In Deutschland nehmen sich pro Jahr mehr als 9.000 Menschen das Leben; das sind mehr Tote als durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen. 2022 war diese Zahl erstmals wieder auf über 10.000 Suizide gestiegen.

    Fachleute beklagen Überlastung

    Auch mehrere Organisationen hatten im vergangenen Herbst mehr Anstrengungen für Suizidvorbeugung in Deutschland gefordert. Nötig seien Bundesmittel von mindestens 20 Millionen Euro. Bestehende niedrigschwellige Hilfsangebote wie die Telefonseelsorge oder die Online-Suizidprävention für junge Menschen seien überlastet, so die Experten.
    Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa meinte dazu, eine Gesellschaft, die tatenlos wegsehe, wenn sich pro Tag gut 30 Menschen das Leben nähmen, sei nicht die Gesellschaft, in der wir leben wollten. Die Politik sei aufgefordert, Suizidprävention nicht auf Beratung und Notfalltelefone zu verkürzen. Auch besser geschützte Brücken und Gleise können dazu beitragen, die Zahl der Selbsttötungen zu verringern.

    Anmerkung der Redaktion

    Wir berichten nur in Ausnahmefällen über das Thema Suizid, um keinen Anreiz für Nachahmung zu geben. Wenn Sie selbst depressiv sind, wenn sie Suizid-Gedanken haben, dann kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge im Internet unter www.telefonseelsorge.de oder über die kostenlose Hotlines 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 oder 116 123.
    Diese Nachricht wurde am 02.05.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.