Mittwoch, 30. November 2022

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Lebensversicherungen
"Da sind schon einige Sargnägel versenkt worden"

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten hält die Pläne der Bundesregierung, den Garantiezins für Lebenversicherungen ab 2017 auf 0,9 Prozent zu senken, für "überhaupt keine gute Entwicklung." Im Moment gebe es keine sinnvolle Variante, fürs Alter vorzusorgen, kritisierte er im DLF. Nun sei die Politik gefordert, neue Vorsorgemodelle zu entwickeln.

Axel Kleinlein im Gespräch mit Georg Ehring | 03.05.2016

    Ein Haus steht auf Geldscheinen. Symbolbild für Haus und seine Kosten
    Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten rät: Wer genügend Kapital hat, sollte in Immobilien investieren. (dpa /Revierfoto)
    Georg Ehring: Magere Zeiten für Versicherungskunden. Die Bundesregierung will den Garantiezins für Lebensversicherungen ab Anfang nächsten Jahres auf 0,9 Prozent senken. Bisher sind es 1,25 Prozent. Mehr darf eine Lebensversicherung ihren Kunden dann nicht mehr versprechen. Dabei ist die Attraktivität solcher Policen ohnehin immer weiter gesunken.
    Was heißt das jetzt für meine private Altersvorsorge? Darüber möchte ich jetzt sprechen mit Axel Kleinlein. Er ist Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten. Guten Tag, Herr Kleinlein.
    Axel Kleinlein: Guten Morgen!
    Ehring: Herr Kleinlein, Sie haben ohnehin nicht unbedingt zum Abschluss einer Kapitallebensversicherung geraten. Ist die Senkung des Garantiezinses jetzt der Sargnagel auf dieses Produkt?
    Kleinlein: Da sind schon einige Sargnägel versenkt worden. Das ist mit Sicherheit noch mal ein weiterer Schritt, um Neuverträge noch unattraktiver zu machen. Eher Finger weg, wenn es darum geht, eine Lebensversicherung abzuschließen. Aber das betrifft die Verträge, die ab Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden.
    Ehring: Die laufenden Verträge - das noch mal zur Klarstellung -, die sind nicht betroffen?
    Kleinlein: Fast keine laufenden Verträge. Leider ist es so, dass bei diesen neuartigen Lebensversicherungsprodukten mittlerweile die ersten Tarife dabei sind, wie zum Beispiel bei der Allianz die "Perspektive", wo auch Bestandskunden von diesen Senkungen betroffen werden, denn auf einmal sinken die Renten, denn die zukünftigen Renten richten sich nach den dann gültigen Berechnungsgrundlagen, und die sinken nun mal jetzt.
    Ehring: Die Versicherer, die kritisieren die Senkung des Garantiezinses und die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank. Teilen Sie eigentlich diese Kritik?
    Kleinlein: Da sind wir ausnahmsweise mal einer Meinung. Diese Zinspolitik der Europäischen Zentralbank bestraft alle, die sparen wollen. Das sind nicht nur die Lebensversicherungskunden, sondern alle, die auch mit anderen Finanzprodukten fürs Alter vorsorgen wollen. Das ist überhaupt keine gute Entwicklung und das ist ein ernsthaftes Problem.
    "Die schwarze Null von Herrn Schäuble, die entpuppt sich als rote Null für den Verbraucher"
    Ehring: Ist die Rendite eigentlich wirklich so schlecht? Es gibt ja zurzeit auch fast gar keine Inflation.
    Kleinlein: Die Renditen sind immer noch unterhalb der Inflation. Das ist dann natürlich schlecht. Sparen rentiert sich dann nicht. Im Moment gibt es keine sinnvolle Variante, wie man überhaupt mit einem Zinseszins-Effekt fürs Alter vorsorgen kann. Das ist ein ernsthaftes Problem. Hier ist die Politik gefragt, auch entsprechende Signale zu versenden. Die schwarze Null von Herrn Schäuble, die entpuppt sich hier als rote Null für den Verbraucher.
    Ehring: Die Bereitschaft zur Vorsorge, die gerät ja unter Druck, wenn nichts dabei herauskommt. Das macht Ihnen schon auch ernsthafte Sorgen?
    Kleinlein: Das ist natürlich ein ernsthaftes Problem. Altersvorsorge bedarf auch einer Flankierung durch zusätzliches Sparen. Die gesetzliche Rentenversicherung wird nicht ausreichen, um einen Lebensstandard abzusichern. Deswegen brauchen wir hier neue Formen des Sparens, der Vorsorge, und da ist wie gesagt die Politik gefordert. Es gibt ja die ersten Überlegungen in Richtung Vorsorgekonto, Deutschlandrente. Schauen wir mal, was dabei herauskommt. Das begleiten wir auf jeden Fall sehr positiv und konstruktiv.
    "Die Ausbildung ist die allerbeste Altersvorsorge"
    Ehring: Menschen in jungen und mittleren Jahren haben ja diese Produkte jetzt noch nicht, möchten aber fürs Alter vorsorgen. Wie geht das denn, wenn für sichere Geldanlagen fast keine Zinsen gezahlt werden?
    Kleinlein: Wer jung ist und noch in seine Ausbildung investieren kann, der sollte das tun, denn die Ausbildung ist die allerbeste Altersvorsorge. Wer gut ausgebildet ist, der verdient später mehr, zahlt dann automatisch mehr in die gesetzliche Rentenversicherung ein und hat mehr Spielraum für die private Vorsorge. Ansonsten: Wer Schulden hat, kann durch Abbezahlen der Schulden meist deutlich bessere Renditen erwirtschaften als das, was man angeben kann.
    Und wer wirklich zu viel Geld übrig hat, da kommt es dann auch auf die persönliche Lebensplanung an. Da kann womöglich auch eine Immobilie die richtige Variante sein.
    Ehring: Was ist denn persönlich Ihre Erwartung? Rechnen Sie damit, dass die Niedrigzinsphase noch länger andauert, möglicherweise viele Jahre?
    Kleinlein: Ich bin als Versicherungsmathematiker kein Freund der Glaskugel. Und wenn man sich im Ausland umschaut, gibt es sowohl Varianten in der Geschichte, wo Niedrigzinsphasen relativ schnell beendet wurden. Dann könnte man damit rechnen, es geht bald wieder rauf. Aber schauen Sie nach Japan, da ist es immer noch ein tiefes Jammertal.
    Ehring: Axel Kleinlein war das vom Bund der Versicherten. Herzlichen Dank.
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.