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StartseiteFirmenporträtEs werde Tageslicht!06.07.2018

LED-Firma LumitechEs werde Tageslicht!

Krankenhäuser, Hotels, Museen, vor allem aber Supermärkte nutzen zur Beleuchtung hoch entwickelte LED-Technik aus Österreich. Bei Lumitech wird seit über 20 Jahren an Leuchten geforscht, die dem Tageslicht möglichst ähnlich sein sollen. Das soll gesund sein - und absatzfördernd.

Von Alexander Musik

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LED-Licht als simulierte Abenddämmerung beleuchtet einen Gang österreichischen Krankenhaus (Lumitech)
Beleuchtung von Lumitech (*) im Krankenhaus Bruck an der Mur (Lumitech)
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Der dreistöckige Büroklotz am Ortsrand von Jennersdorf nennt sich "Technologiezentrum". Firmenchef Stefan Tasch, 49, empfängt mit breitem Lächeln in seinem Büro im Erdgeschoss. Er schaut auf Maisfelder, und seine 50 Mitarbeiter in Büro und Fertigung tun es auch. In Taschs Büro stapeln sich in einer Vitrine staatliche Ehrungen. Am Fenster reihen sich Familienfotos. Der gelernte Physiker hat das Unternehmen 1997 als Spin-off der TU Graz gegründet. Damals war LED-Technik gerade so weit, dass sie große Chancen versprach, sagt der groß gewachsene Burgenländer. Erst ging es bei Lumitech darum, das kalt anmutende Licht der Leuchtdioden in warm-weißes zu verwandeln; zehn Jahre später war die Herausforderung, LED-Licht solle von Tageslicht nicht zu unterscheiden sein, erklärt Tasch:

"Das mit dem Kunstlicht nachzustellen, das ist natürlich die Champions League in diesem Bereich. Mit dem haben wir uns sehr intensiv die letzten zehn, elf Jahre beschäftigt. Und auch eine eigene Technologie wiederum entwickelt, die ermöglicht, das Spektrum der Sonne annähernd nachzustellen."

2007 meldete die Firma ein Patent namens "PI-LED" an. PI steht für Phosphor-Innovation. Eine Phosphor-Diode als Halbleiter strahlt zusammen mit Rot- und Blaudioden Licht für jeden Einsatz aus: vom Kerzenlicht bis hin zum Licht an einem wolkenlosen Sommertag. Bei Neubauten gehen drei bis fünf Prozent der Kosten für die Lichttechnik drauf, rechnet Tasch vor.

Licht, das zum Menschen passt

Er erinnert sich an einen hart weiß beleuchteten Elektronik-Markt in Köln, der umgerüstet werden sollte.  Vielfach hätten die Betreiber gar kein Bewusstsein für die Beleuchtung, sagt Tasch. Lange hieß es: Je heller, desto besser! Da Leuchtdioden aber immer billiger werden, könnten Unternehmen auch gleich in (*) "Human Centric Lighting" investieren,  so lautet das modische Schlagwort. Also in Licht, das auf den Menschen zugeschnitten ist, sagt Firmenchef Tasch:

"Man hat im Auge auch einen Rezeptor, der ist nicht visuell. Dieser Rezeptor nimmt aber Intensitäten speziell im blauen Wellenlängenbereich wahr. Der steuert unsere Zeit, unseren Zeitrhythmus. Unseren Biorhythmus. Damit hat das Licht auch einen Gesundheitsaspekt. Wenn man in einem Raum ist, wo die Lichttemperatur, also die Farbtemperatur sich nicht verändert, dann bekommst du gar nicht mit, welche Uhrzeit ist, du hast keine geordnete Ausschüttung der Hormone, die ja den Ablauf auch regeln. Wir glauben fest daran, dass dieses Licht die Möglichkeit hat, Gesundheit zu fördern und dass der Mensch auch davon profitieren kann."

Beleuchtung für Stubenhocker

Lumitech hat seine Lichtleisten in Altersheimen, Krankenhäusern und Reha-Zentren installiert, dort, wo die Menschen selten vor die Tür gehen - und doch die Illusion wechselnden Tageslichts bekommen sollen: Licht, das dem menschlichen Biorhythmus folgt. Freilich ist das Hauptgeschäft immer noch die umsatzsteigernde Beleuchtung von Waren. Bei der Verbreitung helfen Lizenznehmer wie Osram und Philips.

(*) 70 Prozent des Umsatzes macht Lumitech im Supermarkt, im Bereich "food lighting", sagt die junge, rothaarige Marketing-Frau Carina Rom und führt in den Showroom des Unternehmens:

"Wenn es gerade eingeschaltet ist, ich hoffe, dann kann ich Ihnen das kurz demonstrieren. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es jetzt aufgrund der Arbeiten am Showroom ausgeschaltet ist."

Der Showroom erweist sich als Miniatur-Verkaufsfläche. Zwei Mitarbeiter werkeln an der Präsentation einer kleinen Ausstellung. Blickfang sind ein paar elegante High Heels, die im besten Licht leuchten sollen. Leider ist die Fake-Boutique an diesem Tag außer Betrieb. Auch die Supermarktregale, gefüllt mit Fake-Molkereiprodukten, -Brot und Brötchen wirken an diesem Tag blass. Wenn alles wieder funktioniert, lassen LEDs sie wieder möglichst frisch und goldgelb gebacken aussehen.

Licht für Gemüseregal und Fleischtheke

Milch und Joghurt erscheinen dann dem menschlichen Auge wieder hart weiß und frisch von der Kuh, Gemüse tiefgrün, und Fleisch bekommt eine Rottönung, um kraftvoll und gesund zu wirken. Wir wollen animieren, nicht manipulieren, behauptet Carina Rom:

"In diesem Fall ist es vor allem der warm-weiße Bereich, so dass die Braun- und Gelbtöne besonders hervorkommen, beim Gemüse würde natürlich, das würde eher in den kälteren Bereich hinein, so dass die Farben viel frischer und satter wirken. Bei Meat, das ist das Einzige, wo man gezwungenermaßen durch diesen enormen Frischeeffekt ein bisschen in den Rotbereich auch hineingehen muss. Sie können sich das gut vorstellen, Sie nehmen ein Schnitzel und legen das draußen auf die Bank, das schaut einfach nicht so gut aus wie im Geschäft."

Firmenchef Stefan Tasch ist in seinem Büro derweil mit den Gedanken schon wieder woanders, in der Zukunft. Lumitech war immerhin weltweit die erste Firma, warm-weißes LED-Licht herzustellen. Damit nicht genug, sagt er: 

"Es geht darum, dass man mit viel weniger Energieeinsatz mehr Wirkung erzeugen kann. Das heißt, man kann immer mehr das künstliche Licht zum natürlichen Licht dazu nehmen und dadurch auch im Winter eine bessere Beleuchtung haben. Man kann so weit gehen, dass man nicht nur  eine  Ebene hat, wo die Pflanzen wachsen. Man kann auch vertikal Pflanzen wachsen lassen. Man kann eine Halle kaufen, kann sich da Regale reinstellen, und die Beleuchtung dazu und kann in jedem Regal Pflanzen wachsen lassen."

Geht es nach Tasch, soll Salat künftig stadtnah mit LED-Licht in der Halle wachsen. Wie der schmeckt, lässt sich im Showroom von Lumitech derzeit aber noch nicht testen.

* Die frühere Fassung dieses Beitrags enthielt sachliche Fehler, die wir korrigiert haben.

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