Archiv

LeichtathletikGrößter Verband ohne Stimme

Mit über 850.000 Mitgliedern ist der Deutsche Leichtathletik-Verband zwar der weltgrößte. DLV-Präsident Clemens Prokop hat es aber dennoch nicht in die Regierung, das IAAF-Council, geschafft. Dafür gibt es einige Gründe.

Von Matthias Friebe | 20.08.2015

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) Clemens Prokop spricht am 30.07.2014 auf einer Pressekonferenz in der Geschäftsstelle des Landessportbundes Hessen in Frankfurt am Main (Hessen).
Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. (picture alliance / dpa - Fredrik Von Erichsen)
"Ich kenne natürlich nicht genau die Gründe, warum ich nicht die Mehrheit bei den Delegierten gefunden habe." Dennoch hat Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands einige Vermutungen, warum er nicht in das IAAF-Council, die Leichtathletik-Regierung gewählt wurde. Im ZDF-"Morgenmagazin" sagte der Präsident des mit über 850.000 Mitgliedern weltgrößten Leichtathletik-Verbands. "Wenn das Motiv darin lag, dass ich keine Zuwendungen und Geschenke an andere Delegierte gemacht habe, dann bin ich stolz drauf, unter solchen Voraussetzungen nicht gewählt worden zu sein."
Ähnlich äußerte sich auch der frühere DLV-Präsident Helmut Digel, der nach zwanzig Jahren das IAAF-Council verlässt. Die Nicht-Wahl Prokops erzürnte Digel: "Es ist schon überraschend, dass große Stimmenpakete die Leute aus dem arabischen Raum erreicht haben, obwohl sie über keine Leichtathletik-Strukturen verfügen. Sie tun eigentlich für den Sport gar nichts."
Für den Sport, der nicht erst seit den jüngsten Doping-Enthüllungen einer ARD-Dokumentation in einer massiven Glaubwürdigkeitskrise steckt. Es sei für die Leichtathletik eine Überlebensfrage, schnell wieder aus dieser Krise herauszukommen und für einen sauberen Sport einzutreten, meint Clemens Prokop. Auch das sei möglicherweise, vermutet er, ein Grund für das für ihn enttäuschende Wahlergebnis gewesen. Einige der Delegierten fänden es nicht so toll, dass Deutschland für sich in Anspruch nehme, ethische Maßstäbe definieren zu wollen.
"Da wird viel hinter vorgehaltener Hand diskutiert und gesprochen. Da wird manchmal verdeckt Kritik geäußert an deutschen Positionen, gerade zu Doping. Es ist keine offene, ehrliche, transparente Diskussion."
Und schließlich könnten auch die Doping-Enthüllungen der ARD ein Grund für seine Nichtwahl sein, vermutet Clemens Prokop: "Sollte die Berichterstattung der deutschen Medien eine Ursache gewesen sein, dann muss ich sagen, bin ich stolz darauf, in einem Land zu leben, in dem eine freie und starke Medienlandschaft auch solche Themen schonungslos aufgreift."
Das wird beim Welt-Leichtathletikverband aber anders gesehen. Sebastian Coe bezeichnete vor seiner Wahl zum neuen IAAF-Präsidenten die ARD-Doping-Enthüllungen als „Kriegserklärung" an die Leichtathletik. "Ich hoffe, dass Sebastian Coe jetzt nach Ende des Wahlkampfs hier andere Formulieren wählt."
Der neue Präsident, der auch vom deutschen Leichtathletik-Verband maßgeblich unterstützt wurde, gewährte der ARD aber nach seiner Wahl keine Fragen mehr. Viel mehr dankte er vielsagend den Medien insgesamt, die durch die Live-Übertragungen die besten Unterstützer der Leichtathletik seien.