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StartseiteCorsoDer Fall Troy Davis mahnt09.12.2019

Lesung gegen TodesstrafeDer Fall Troy Davis mahnt

"I am Troy Davis" - unter diesem Titel wurde das gleichnamige Buch in New York als Lesung aufgeführt - ein theatralischer Protest gegen die Todesstrafe, und zwar nicht mit gewöhnlichen Schauspielern, sondern mit einem Ensemble von Verwandten berühmter Fälle von Polizeigewalt und Justizirrtum. 

Andreas Robertz im Gespräch mit Sigrid Fischer

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Mit Transparenten und Parolen: Demonstration gegen die Todesstrafe für den Afro-Amerikaner Troy Davis 2011 in Paris (picture-alliance/Philippe Huynh-Minh/Maxppp)
Demonstration gegen die Todesstrafe für den Afro-Amerikaner Troy Davis 2011 in Paris (picture-alliance/Philippe Huynh-Minh/Maxppp)

Troy Davis war ein Afroamerikaner, der 1991 wegen Mordes an einem Polizeibeamten in Georgia mit 23 Jahren zum Tode verurteilt wurde und nach vielen Berufungen schließlich - trotz enormen nationalen wie internationalen Protests - 2011 hingerichtet wurde. Es gab keine Indizien, die mutmaßlichen Augenzeugen waren nachweislich von der Polizei eingeschüchtert worden und es gab keine Spur zur Tatwaffe. Bei den weltweiten Protesten trugen die Demonstrierenden T-Shirts mit der Aufschrift "I am Troy Davis", um auf die Willkürlichkeit der Anklage hinzuweisen.

Schauspieler mit persönlicher Betroffenheit

"Dieses 'I-am-Motiv' wurde dann später immer wieder bei den Opfern willkürlicher Polizeigewalt benutzt", sagte Andreas Robertz. Die Filmemacherin und Journalistin Jen Marlowe hat ein Buch mit seiner Geschichte verfasst und daraus zusammen mit dem Dokumentarfilmer Phillip Montgomery ein Drehbuch entwickelt, wie Robertz berichtete. Dieses Drehbuch wurde in New York von einem Ensemble von 17 Schauspielern gelesen - alles Menschen, die selber auf persönliche Weise mit dem amerikanischen Justiz- oder Polizeiapparat konfrontiert wurden: "Verwandte von Hingerichteten oder Getöteten, einige, die selber in der Todeszelle saßen und andere, deren Verwandte extreme Ungerechtigkeit widerfahren ist."

Der Zeitpunkt für die Lesung habe einen besonderen Hintergrund, wie Robertz erzählte. "Donald Trump hat von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass unter seiner Regierung die Insassen der Todeszellen hingerichtet würden. In den USA ist in 29 Staaten die Todesstrafe legal und wird auch ausgeübt. Auf Bundesebene war die Todesstrafe seit 16 Jahren ausgesetzt, weil es große Probleme mit der Hinrichtungsmethode durch die Spritzen gab und immer noch gibt. Im April hat Trumps Generalbundesanwalt William Barr verfügt, die Todesstrafe wieder auszuführen und die erste Exekution für heute, den 9. Dezember, angekündigt. Das oberste Gericht hat diese Verfügung aufgehoben, weil die Hinrichtungsmethode immer noch den Statuten widerspricht."

Ein mahnendes Beispiel

Der Fall Troy Davis sei zu einem mahnenden Beispiel für die US-amerikanische Bewegung gegen die Todesstrafe geworden. Die Todesstrafe werde nicht nur als unmenschlich kritisiert, sondern das amerikanische Justizsystem insgesamt als unfair und rassistisch empfunden, so Robertz. Für viele schwarze Aktivisten sei die Todesstrafe nur die legalisierte Fortsetzung der Lynchjustiz der Südstaaten.

"Es war gestern sehr berührend, als Troy Davis' Neffe De’Jaun vor das Publikum trat und daran erinnerte, dass man trotz des Todes seines Onkels nicht die vielen Siege aus den Augen verlieren darf. Und eines dieser Siege ist auf jeden Fall, dass die Menschen in den USA über den inhärenten Rassismus ihres Justizsystems reden", berichtete Robertz. 

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