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StartseiteCorso"Den Mauerfall gibt es da nicht"06.11.2019

"Lindenstraße" in der Deutschen Kinemathek"Den Mauerfall gibt es da nicht"

Nach 1758 Folgen wird Schluss sein, der WDR setzt die Langzeitserie "Lindenstraße" ab. Über drei Jahrzehnte bildete die Soap bundesrepubli-kanische Zeitgeschichte ab. Die Deutsche Kinemathek Berlin stellt eine Episodenauswahl aus. "Die Lindenstraße war fast eine Art gefilmte Zeitung", sagte Kuratorin Klaudia Wick im Dlf.

Klaudia Wick im Gespräch mit Achim Hahn

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Ehepaar Beimer im Bett  (imago stock&people)
Ehepaar Beimer in der Lindenstrasse (imago stock&people)
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"Es hat viel Einmischung in Themen der Zeit gegeben", sagte Klaudia Wick von der Deutschen Kinemathek Berlin. Zum Beispiel sei nach Bundestags-wahlen immer gleich die erste Hochrechnung eingeblendet worden, und bereits 1995 wollte eine Figur vegan essen. Auch das Thema "Rechts-radikalismus" sei schon sehr früh gesetzt worden, ebenso der Protest gegen Atomkraftwerke.

Grenzen austesten

Den Mauerfall habe es in der Serie nicht gegeben, so Wick, denn das Ereignis sei ja sehr abrupt passiert, und die einzelnen Folgen würden mit etwa sechs Wochen Vorlauf produziert. Aber dann seien sehr schnell die ersten Figuren aus dem Osten in die Serie hineingeschrieben worden.  

Die Macher hätten immer versucht, Grenzen auszutesten, so Wick. In der Ausstellung "Leben, Sterben, Hochzeit feiern" in der Deutschen Kinemathek kann man nachlesen, was hinter den Kulissen der "Lindenstraße" passiert, wenn sich zum Beispiel der Intendant beim Minister entschuldigen musste.

Ein einmaliges Projekt in Deutschland

Die mediale Bindungskraft der Serie besteht für die Kuratorin Klaudia Wick unter anderem darin, dass es eine Verabredung gegeben habe, sie zu schauen und hinterher darüber zu reden, auch kontrovers. Als Fernseh-wissenschaftlerin bedauert sie sehr, dass die Serie abgesetzt wird, weil es ein einmaliges Projekt in Deutschland ist, das man so nicht noch einmal herstellen kann. Deshalb will man es im Museum bewahren, so Wick.

Die "Lindenstraße" ist für sie ein virtuelles Dorf, das man nach 20 Jahren bereisen und schauen kann, wer da noch so wohnt. Dass der WDR die Erzählkraft, die darin steckt, preisgibt, um aktuell eine Programmreform durchzukriegen, findet Klaudia Wick sehr schade. "Es wäre schön gewesen, die Strahlkraft, die das Projekt hat, über die Zeit zu retten."

"Leben, sterben, Hochzeit feiern — Die Lindenstraße in der Mediathek Fernsehen" der Deutschen Kinemathek Berlin zeigt die kuratierte Episodenauswahl bis zum 23.3.2020.

https://www.deutsche-kinemathek.de/de/besuch/ausstellungen/leben-sterben-hochzeit-feiern-die-lindenstrasse-der-mediathek-fernsehen

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