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StartseiteCorsoIm Namen der Literatur 2.013.06.2016

Litcamp in Heidelberg Im Namen der Literatur 2.0

Ist ein Barcamp eine angemessene Veranstaltung, über neue Erscheinungsformen von Literatur zu diskutieren - oder kommt letztlich dabei der Happening-Charakter zu stark zum Vorschein? Beim sogenannten Litcamp in Heidelberg gab es nun viele interessante Ansätze, die ganz innovativen Impulse blieben aber aus.

Von Christoph Ohrem

Symbolfoto Minibuch mit fiktivem Text und Lesebrille, aufgenommen am 12.02.2013 in Gera.  (picture-alliance / dpa / Jan-Peter Kasper / FSU )
Die Veranstaltung bot auch professionell durchgeführte Literatur-Coachings. (picture-alliance / dpa / Jan-Peter Kasper / FSU )
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In der weitläufigen, kühlen Halle der alten Feuerwache in Heidelbergs Zentrum haben sich 150 Literaturenthusiasten jeglicher Couleur versammelt. Bei der Vorstellungsrunde nennen alle Anwesenden ihren Vornamen und drei Schlagwörter über sich.

"Michael. Schreibt, Marketing und vielseitig."

Die Bandbreite ist groß, reicht von der esoterischen Teetrinkerin bis hin zum bekifften Junglyriker. Neben einigen Exoten ein paar Etablierte aus dem Literaturbetrieb, viele Blogger und Selfpublisher.

"Hallo ich bin Eva. Das ist mein erstes Barcamp."

Die junge Frau mit dicker Hornbrille steht selbstbewusst vor den 150 Teilnehmern des Litcamp.

"...und ich habe gehört, dass ich etwas anbieten soll. Neben vielen Dingen, die ich mache, promoviere ich gerade auch über die Mutterfigur in der Gegenwartsliteratur."

So ist es üblich, bei einem sogenannten Barcamp – darum handelt es sich bei dem Litcamp: Die Seminarangebote – im Barcamp-Sprech Session genannt – stehen zu Beginn der Veranstaltung noch nicht fest. Jeder Teilnehmer kann ein Thema vorschlagen. Finden sich genügend Interessenten, gibt es eine Session.

Kurze Pause. Kaum Zeit für Organisatorin Susanne Kasper, Luft zu holen. Ihr Blick ist müde, aber sie lächelt zufrieden. Zunächst war die Skepsis groß, als sie auf den Buchmessen im Vorfeld ihre Idee vorstellte, ein Barcamp zum Thema Literatur zu veranstalten.

"Was mich überrascht hat, worauf ich natürlich gehofft hatte, dass sehr, sehr viele Sessions angeboten wurden. Einfach weil auch sehr viele Barcamp-Neulinge heute hier sind, hatte ich so ein bisschen Angst, dass wir die Räume nicht vollkriegen. Tatsächlich hatten wir aber mehr als genug Sessions."

Ein straffer Zeitplan. Ein vollgepacktes Programm. Die Seminarangebote reichen von eher esoterisch angehauchten Sessions auf der Dachterrasse…

"...entspannt euch. Atmet einmal tief ein und aus.Lasst alles mal gehen für einen Moment…"

...bis hin zu professionell durchgeführten Literatur-Coaching-Seminaren. Zum Beispiel die Konstellation von Romanfiguren in einem Tableau darstellen.

"Wir könnten jetzt sozusagen auch Game of Thrones stellen. Alle. Das ist auch eine klassische Konstellation, wobei dabei das Ensemble der Held ist. Wir haben alle gefühlte Helden..."

"Ich habe schon viele nette Leute kennengelernt. Auch Lektoren"

Immer wieder auch klassische Netzthemen und Bloggersessions. Für Literaturneuling Manuela Dörr, extra aus Dortmund nach Heidelberg angereist, eine willkommene Gelegenheit, erste Kontakte in die Szene zu knüpfen. Für sie läuft es gut.

"Ja soweit ganz gut. Ich habe schon viele nette Leute kennengelernt. Auch Lektoren. Und Plattformen, wo man sich über Stipendien informieren kann."

Das Strahlen im Gesicht von Wolfgang Tischer von der Literaturplattform Literaturcafé ist nicht ganz so groß wie das der Jungautorin.

"Ich persönlich gebe ganz offen zu, dass ich mir von einem Literaturcamp tatsächlich mehr Literatur versprochen hätte. Ich sehe aber doch sehr viel Internet, sehr viel Netzthemen, sehr viel Marketing, sehr viel Selfpublishing, sehr viel Blogs."

Das erste Literatur-Barcamp war keine Veranstaltung, die innovative Impulse für die Diskussion über Trends und Möglichkeiten in der Literatur lieferte. Dennoch: Die Stimmung war gut und der Hashtag #litcamp16 schaffte es bei Twitter in die Trending topics. Im Ganzen also ein Erfolg. Und viele der Anwesenden haben sicher ihr Netzwerk in der großen Halle bei Gesprächen am Kaffeeautomaten erweitert.

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