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Lösung Studiengebühren

So um die 500 Euro sollen die angehenden Akademiker künftig pro Semester bezahlen. Der Knackpunkt: Wer finanziell nicht so gut ausgestattet ist, kann sich das nicht leisten. Das darf aber kein Hinderungsgrund für ein Studium sein, meint Hamburgs CDU-Wissenschaftssenator Jörg Dräger, der bekennender Verfechter von Studienentgelten ist.

Von Folkert Lenz | 19.10.2004

Die Zugangsbedingung ist, dass jedes Studiengebührenmodell garantieren muss, dass der Zugang zu einer Hochschule unabhängig vom elterlichen Einkommen und vom finanziellen Status des Studenten ist. Das ist die entscheidende Eingangsbedingung. Das bedingt eine Art von Darlehenssystem, gegebenenfalls in Kombination mit Stipendiensystemen.

Denn Dräger glaubt, dass die Abschaffung des deutschen Gratis-Studiums sogar zu größerer sozialer Gerechtigkeit führen könnte. Er verweist auf Kanada und die USA, wo viel mehr Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien zur Uni gehen als hier zu Lande. Selbst Gebühren schrecken dort nicht ab, sagt Dräger. Seine zweite Bedingung für ein Entgeltsystem:

Dass es keine psychologischen Barrieren geben kann auf Grund der Schuldenhöhe und der Rückzahlungskonditionen. Und das bedingt nach meiner Überzeugung, dass diese Rückzahlungskonditionen einkommensabhängig sein müssen. Das heißt: Derjenige, der wenig verdient, zahlt wenig zurück. Der, der viel verdient, zahlt viel zurück.

In genau die entgegen gesetzte Richtung will die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände BDA gehen, die ihr Konzept den Fachhochschulrektoren in Bremen zur Diskussion vorlegte. Sie fordert eine Entkoppelung von späterem Einkommen und Rückzahlbarkeit. Bis zu 35.000 Euro Darlehen soll jeder Studierende von der Kreditanstalt für Wiederaufbau erhalten können. Die Rückzahlung erfolgt dann in festen Tilgungszeiträumen, in wahlweise drei, fünf oder zehn Jahren, erläutert BDA-Sprecher Christoph Anz.

Auch das wieder in das Ermessen des einzelnen Absolventen gestellt, der das nach Abschluss des Studiums frei wählen kann. Und dann eben nach seinem Ermessen zurückzahlt. Das Ganze gekoppelt an ein Mindesteinkommen, das sich entsprechend erhöht für Verheiratete und auch für diejenigen, die Kinder haben.

Bevor ein Studierender jedoch Geld aufnehmen muss, soll er laut dem BDA-Konzept ein so genanntes Ausbildungsbudget von 15.000 Euro erhalten. Damit der Staat diese Beträge aufbringen kann, müssten das Kindergeld für Studierende, entsprechende Steuerfreibeträge und das BAFöG abgeschafft werden. Christoph Anz:

Jeder Studierende soll pauschal 15.000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen und diese 15.000 Euro eigenverantwortlich verbrauchen. Beträge, die übrig bleiben nach Abschluss eines Studiums, können auch für Weiterbildungsstudiengänge genutzt werden.

Das Ausbildungsbudget bräuchte der Studierende nicht zurück zu erstatten. Für nötige Beträge, die darüber hinaus gehen, könnte er einen Kredit bekommen.
Wofür ein Lernender allerdings genau zahlen soll, darüber sind sich die Hochschulchefs noch nicht einig. Elmar Schreiber, Rektor der Hochschule Bremen, sagt mit der Umstrukturierung der Hochschulen auch einen Paradigmenwechsel bei den neuesten Gebührenmodellen voraus: Weg vom Semesterbeitrag - hin zum Leistungsbeitrag:

Die neueren Modelle gehen schon auf den Bologna-Prozess – also den Wandel hin zu Bachelor- und Masterstudiengängen – ein. Und das ist eine modularisierte Struktur. Und dem gemäß finde ich es sehr vernünftig, dass man modulbezogen Gebühren entrichtet und das heißt im Endeffekt: Für die Leistung, die man wirklich bekommt, muss man auch nur zahlen.

Gute Aussichten also für Teilzeitstudenten, die dann nur so viel Unterricht bezahlen müssten, wie sie auch wahrnehmen. Andere in Bremen vorgestellte Modelle setzen auf Splitting: So wäre ein Grundbeitrag fürs Studium denkbar, der die Benutzung von Laboren, Bibliotheken und Grundlagenseminaren einschließt. Spezialveranstaltungen würden dann extra kosten. Doch das Gros der Rektoren sieht solche Innovationen noch skeptisch und will lieber eine pauschale Semestergebühr einführen.