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Logicomix

Die abstrakteste Form der Wissenschaft (die Mathematik) trifft auf die sinnlichste Form der Literatur (den Comic). Das hätte gründlich schief gehen können, aber dem Team aus Griechenland ist ein grandioser grafischer Wissenschaftsroman gelungen, wie es ihn in vergleichbarer Form bisher nicht gibt.

Rezension: Michael Lange | 10.10.2010
    In drei Ebenen widmen sich die Autoren der Wahrheitssuche. Zum einen schildern sie ihre eigenen Diskussionen und Zweifel an dem gewagten Projekt. Schriftsteller, Grafiker und Wissenschaftler treffen sich in Athen, und jeder stellt sich unter einem Wissenschaftscomic etwas anderes vor. Die Zweifel werden nicht immer ausgeräumt, aber die Idee begeistert alle, und man macht einfach weiter. Ebene zwei stellt den Mitgründer der mathematischen Logik Bertrand Russell in den Mittelpunkt. Der gealterte Wissenschaftsstar hält kurz vor Beginn des zweiten Weltkriegs an einer amerikanischen Universität einen Vortrag und wird von seinen Zuhörern aufgefordert, sich zum bevorstehenden Kriegseintritt der USA zu äußern. Er antwortet mit seiner Lebensgeschichte, die geprägt ist von der Suche nach einer Logik, die Mathematik und Philosophie auf neue Weise verknüpft. Immer wieder wird er bei seiner Wahrheitssuche zurückgeworfen, scheitert, um dann doch nicht aufzugeben.

    Dieser Wissenschaftsroman mit Bildern und Sprechblasen erzählt die Entwicklung der Logik als Produkt aus menschlichen Schicksalen. Die Angst vor dem Wahnsinn spielt ebenso eine Schlüsselrolle wie die Suche nach klaren, einfachen Regeln. Durch die Verknüpfung unterschiedlicher Denkweisen verrät dieser nur auf den ersten Blick konventionelle Comic mehr über das Wesen der Wissenschaft als viele Sachbücher. Und obwohl das Buch eine "epische Suche" verspricht und tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten eintaucht, bleibt es leicht lesbar und verständlich.

    Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou: Logicomix. Eine epische Suche nach der Wahrheit
    Grafik: Alecos Papadatos und Annie di Donna, Übersetzung: Ebi Naumann
    ISBN: 978-3-85535-069-8
    Atrium-Verlag, 351 Seiten, 24,90 Euro