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StartseiteFirmenporträt Spezialkrankenwagen für hochinfektiöse Patienten21.02.2020

Logistik und Epidemien Spezialkrankenwagen für hochinfektiöse Patienten

Im Fall einer Epidemie: Wie werden da eigentlich Patienten etwa vom Flughafen in die nächste Klinik transportiert, ohne die Rettungswagen-Besatzung zu gefährden? Eine Lösung sind Spezialkrankenwagen für hochinfektiöse Patienten, wie sie etwa die „MedCareProfessional GmbH“ in Hattingen nutzt.

Von Mirko Smiljanic

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Mirko Smiljanić (Deutschlandradio / Mirko Smiljanić)
Das System, mit dem Covid-19-Patienten im Krankenwagen isoliert werden. (Deutschlandradio / Mirko Smiljanić)
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Hattingen in Nordrhein-Westfalen, auf dem Gelände der MedCareProfessional GmbH. In der Wagenhalle des Krankentransport-Unternehmens steht Rettungswagen neben Rettungswagen. Fahrzeuge in allen möglichen Größen, von denen einige durchaus Ähnlichkeiten mit einem Lkw haben.  

"Wir stehen hier gerade in einem Intensivtransportwagen, das ist von der medizinischen Versorgungsmöglichkeit eine Stufe über einem Rettungswagen, den man landläufig durch den Rettungsdienst der Städte kennt. Hier ist die Ausrüstung und auch die medikamentöse Ausstattung derart, dass Patienten von vornherein so klassifiziert sind, dass sie lebensbedrohlich erkrankt sind."

Doppelte Ausstattung bei Geräten ist wichtig

Erklärt Vijay Lakhani, ärztlicher Leiter der MedCareProfessional GmbH. LEDs tauchen den Innenraum des Intensivtransportwagens, kurz ITW, in helles Licht, in der Mitte des Wagens steht eine fahrbare und elektrisch steuerbare Patiententrage, Schränke mit medizinischem Material sind an den Wänden angebracht, Regale mit acht Spritzenpumpen, Telefone und Monitore, Anschlüsse für Sauerstoffleitungen und Überwachungskabel aller Art.

"Wir haben hier sehr fortgeschrittene Beatmungsgeräte mit denen verschiedene Beatmungsmodi eingestellt werden können, die auch relevant und wichtig sind, je nach Erkrankungsfeld, und diese Beatmungsgeräte sind auch redundant, also zweifach vorhanden. Genauso die Monitore, wie Sie sehen können. Das sind hochmoderne Monitore, die die Vitalparameter messen können, und das geht weit über die Sauerstoffmessung und den Blutdruck hinaus, dass man also auch invasiv den Blutdruck messen kann, also viel genauer, da kann man auch das ausgeatmete CO2 messen, et cetera."

Wer Hilfe in Anspruch nimmt, ist schwer krank

Intensivtransportwagen sind mobile Intensivstationen. Wer einen ITW benötigt, ist sehr krank. Deshalb zählt neben zwei Rettungssanitätern immer auch ein Notarzt zur Standardbesatzung. Ein enormer Aufwand für die vergleichsweise junge MedCareProfessional GmbH.  

"Wir haben uns 2007 als kleines Unternehmen gegründet und angefangen, Patienten im Flugzeug wieder nach Hause zu holen, seit 2009 führen wir bodengebundene Transporte durch. Der aktuelle Stand ist, dass wir heute 23 Rettungstransportfahrzeuge haben und Zugriff auf 13 Flugzeuge, mit denen wir weltweit Patienten durch die Gegend fliegen."

Benjamin Weber ist gemeinsam mit seinem Vater Michael Weber Geschäftsführender Gesellschafter der MedCareProfessional GmbH. Das Familienunternehmen beschäftigt 50 Vollzeitkräfte sowie 250 Mitarbeiter mit Teilzeitverträgen. Der Jahresumsatz liegt bei zehn Mio. Euro, Tendenz steigend.  

"Unsere Kunden sind Assistancen, Versicherungen, Botschaften und teilweise auch Hilfsorganisationen."

Mehr Reisen heißt mehr Rettungstransporte

Der Markt für Kranken- und Rettungstransporte boomt, was vor allem zwei Gründe hat: Erstens reisen immer mehr Bundesbürger, 2018 waren rund 55 Millionen Personen mindestens fünf Tage im In- und Ausland unterwegs; und zweitens reisen immer mehr ältere Menschen, wodurch die Wahrscheinlichkeit krankheitsbedingter Reiseabbrüche steigt.

"In den Sommermonaten ist es so, dass viele Patienten von uns sich in Mitteleuropa aufhalten, im Winter sind sie eher in Übersee."

Bis vor wenigen Wochen zählten Chinareisende ebenfalls zur Gruppe derer, die immer mal wieder mit Flugzeugen zurückgeholt werden mussten. In Zeiten des Corona Virus Sars-CoV-2 ist dieser Markt aber erst einmal eingebrochen. Das Ansteckungsrisiko für die Crew ist einfach zu hoch. Wie aber sieht die Situation innerhalb Deutschlands aus? Wenn etwa Covid-19-Patienten transportiert werden müssen? In solchen Fällen kommen Intensivtransportwagen zum Einsatz. Sie bieten für das Personal nicht nur die üblichen Schutzmasken und Schutzanzüge, darüber hinaus lassen sich hochinfektiöse Patienten in einer Art Kunststoffzelt komplett isolieren. Entscheidend ist dabei, dass innerhalb des Zeltes ein leichter Unterdruck herrscht, im Rettungswagen selbst dagegen ein leichter Überdruck, so Vijay Lakhani.

"Es ist letztendlich eine Vorrichtung, in die man Patienten hineinlegen kann, die man um die Trage aufbauen kann, und damit isoliert man den Patienten. Das ist halt dicht und durch den leichten Überdruck sorgt man dafür, dass die Luft in dem Zelt, wo der Patient drin ist, dass es da drin bleibt."

Einkauf von Schutzanzügen gestaltet sich derzeit schwierig

Eingesetzt werden Intensivtransportwagen bei allen nur denkbaren Infektionskrankheiten, also auch bei Lungentuberkulose, Lassa-Fieber und ähnlichem. MedCareProfessional sei für solche Transporte vorbereitet, so Geschäftsführer Benjamin Weber. Einen Strich durch die Rechnung kann ihm allerdings ausgerechnet das Coronavirus machen, denn ohne Schutzanzüge geht auch beim Hattinger Krankentransporteur nichts. Nur, die sind seit wenigen Wochen weltweit Mangelware.  

"Was uns speziell betrifft rechnen wir damit, dass wir für die nächsten sechs Monate genug Material haben."

Vor allem chinesische Behörden und Krankenhäuser kaufen weltweit die Märkte für Hygieneartikel leer. Dagegenhalten könne man kaum, so Benjamin Weber, China zahlt bis zum 25-fachen dessen, was deutsche Abnehmer bisher bezahlt haben. Die Lungenkrankheit Covid-19 kennt nicht nur Verlierer, sondern auch einige – ökonomische - Gewinner. 

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