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LohnnebenleistungenRadleasing statt Auto

Beim Bikeleasing bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern an, ein Fahrrad für sie zu leasen. Die Gebühr wird dann vom Gehalt abgezogen - und beide Seiten sparen dabei. So wird das Radfahren immer häufiger zum Gesprächsthema in Gehaltsverhandlungen.

Von Johannes Kulms | 11.09.2019

Blick von oben auf geparkte Fahrräder.
Für die Überlassung von Diensträdern, die auch privat genutzt werden, muss nur noch ein geldwerter Vorteil von 0,5 Prozent versteuert werden. Das heizt die Nachfrage weiter an. (imago images / PhotoAlto)
Auf den ersten Blick sieht das Fahrrad ziemlich gewöhnlich aus, das Monika Strack aus einem kleinen Schuppen hervorholt. Dabei sei es vor allem dieses schwarze Gefährt gewesen, dass ihr Mobilitätsverhalten geändert habe: Weg vom Auto, hin zum Fahrrad.
"Das hab ich maßanfertigen lassen, weil ich relativ klein bin und 26 Zoll haben wollte. Das gab's von der Stange nicht."
3.600 Euro würde das E-Bike normalerweise auf dem Markt kosten, sagt die 48-jährige Immobilienfachwirtin, die bei einer Kieler Hausverwaltung arbeitet. Doch Monika Strack hat das Fahrrad nicht gekauft. Sondern über ihren Arbeitgeber geleast. 65 Euro zahlt sie dafür jeden Monat als Rate, inklusive Fahrradversicherung. Nach drei Jahren kann sie das Rad für zehn Prozent des Restpreises ankaufen.
"Also 350 Euro."
Anbieter erledigen alles für die Firmen
Beim Besuch eines Fahrradladens war Strack auf eine Broschüre zum Fahrradleasing gestoßen. Zusammen mit einer Kollegin gelang es ihr, ihren Chef Robert Langen zu überzeugen, auch in dem Hausverwaltungsunternehmen mit 23 Beschäftigten die Möglichkeit zu schaffen.
"Also, das waren pro Arbeitnehmer glaube ich drei Unterschriften, die ich leisten musste."
Bikeleasing wird immer beliebter in Deutschland. Längst gibt es verschiedene Anbieter, die für Unternehmen in Deutschland die Diensträder organisieren. Zum Beispiel Jobrad, Eurorad oder Bikeleasing.
"Dann schließen wir mit dem Leasingausgeber einen Vertrag, der Arbeitnehmer geht zu irgendeinem Kooperationspartners des Leasinggebers, sucht sich ein Fahrrad aus, was ihm gefällt. Das muss mindestens 500 Euro kosten glaube ich, aber ein vernünftiges Rad kriegt man darunter eh nicht, nach oben gibt es fast keine Grenzen."
Fünf seiner Mitarbeiter nutzten inzwischen das Leasingangebot, obwohl dieses erst vor einem halben Jahr eingeführt wurde.
On-Top oder Abzug vom Bruttolohn?
Geschäftsführer Robert Langen nutzt das Leasingmodell, dass auch die meisten anderen Firmen wählen: Er zieht die monatliche Rate vom Bruttolohn seiner Mitarbeiter ab.
"Einfach so jetzt on top, pauschal, allen Mitarbeitern das so zu schenken, davon halte ich jetzt nichts. Weil es eben auch Kollegen gibt, die das gar nicht in Anspruch nehmen wollen. Aber im Zuge von Gehaltsverhandlungen das mit in den Pott zu schmeißen, das machen wir auf jeden Fall."
Erst am Vortag habe ein Bewerber beim Gespräch auch nach dem Thema Bikeleasing gefragt. Langen sieht sich bestätigt, dass ein Dienstfahrrad inzwischen auch die Mitarbeiterbindung stärken kann.
Mit dem Umstieg aufs Fahrrad werden nicht nur eine umweltfreundliche Fortbewegung und die Gesundheit der Beschäftigten gefördert. Es reduzieren sich sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber auch die Sozialabgaben, da der Bruttolohn mit der Einbehaltung der Leasingrate sinkt. Das führt allerdings auch dazu, dass die Beiträge in die Rentenkasse zurückgehen.
Ein Dienstrad reicht nicht, um Menschen vom Auto abzubringen
Henning Bergmann kümmert sich bei Kiel Region um das Mobilitätsmanagement. Ein Anliegen des öffentlichen Unternehmens ist es, den Radverkehr in und rund um die schleswig-Holsteinische Landeshauptstadt zu stärken. Bikeleasing könne dabei helfen, sagt Bergmann:
"Man kann also jetzt keine generellen Angaben machen, wie viel jeder jetzt genau spart. Es hängt immer davon ab: Welches Einkommen habe ich? Welches Fahrrad möchte ich mir zulegen?"
Doch mietbare oder sogar umsonst überlassene Dienstfahrräder reichten nicht aus, um die Leute reihenweise zum Abschied vom Auto zu bewegen, ist Henning Bergmann sicher. Es brauche weitere Maßnahmen. Zum Beispiel:
"Die Stärkung der Radinfrastruktur vor Ort. Das Hervorheben des Radfahrens auf dem Weg zur Arbeit, die Nutzung des Rades auf Dienstwegen, also durch einen Wandel der, ich sage mal Mobilitätskultur im Unternehmen, können wir eine Verlagerung schaffen."
Verändertes Mobilitätsverhalten
Darauf weist auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club hin. Die großen Arbeitgeber sollten sich politisch stark machen für bessere Radwege, so die Forderung des ADFC, der immerhin eine Loslösung von der Autofixierung auf Seiten der Arbeitgeber ausmacht.
Die Kieler Immobilienfachwirtin Monika Strack ist sich nicht sicher, ob sie auch ohne Leasing ein solch teures Rad gekauft hätte. Sicher ist sie hingegen, dass sich durch das E-Bike ihr Mobilitätsverhalten geändert hat.
"Also, ich denke, dass es ein super Weg ist. Einfach, weil man für ein sehr teures Fahrrad einfach sehr wenig Geld investieren muss im Monat. Und dadurch, dass wir es eben als Dienstfahrrad nutzen, also unsere Objekte, die wir verwalten, liegen im näheren Umkreis, wir nutzen es auch für Diensttermine. Ich glaube, dass es schon eine sehr gute Idee ist."