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Luchs auf der Pirsch

Gegen 20 Uhr strahlt Capella, der hellste Stern im Fuhrmann, fast genau im Zenit. Ein Stück neben ihr, hoch im Südosten, zeigen sich die Zwillinge mit Castor und Pollux. Zwischen Fuhrmann und Zwillingen auf der einen und dem Großen Bären auf der anderen Seite erstreckt sich ein großer Bereich, in dem es keine hellen Objekte gibt. Das ist das Sternbild Luchs.

Von Dirk Lorenzen |
    Die Figur zählt nicht zu den Sternbildern der Antike. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts setzte sie der Danziger Astronom Johannes Hevelius an den Himmel.

    Die Kette der schwachen Sterne erinnert zwar nicht im geringsten an einen Luchs. Aber dennoch ist der Name gut gewählt: Selbst Johannes Hevelius hat in einer seiner Schriften betont, dass man die Augen eines Luchses brauche, um das himmlische Pendant zu erspähen.

    Möglicherweise wollte er auch mit seinen eigenen guten Augen angeben: Im Gegensatz zu vielen anderen Astronomen machte Hevelius damals seine Beobachtungen zumeist noch mit bloßem Auge, obwohl das Fernrohr bereits erfunden war. Er wollte wohl deutlich machen, dass er keine technischen Hilfsmittel braucht.

    Eines belegt sein Sternatlas Firmamentum Sobiescianum auf jeden Fall: Johannes Hevelius hat auf der Erde wohl nie einen Luchs gesehen. Denn das Tier, das er dort als Luchs einzeichnen ließ, ist eher ein Fabelwesen, eine skurrile Mischung aus Hund und Pferd.

    Sollten Sie an einem perfekt dunklen Ort sein, so testen Sie Ihr Augenlicht: Vielleicht erwischen Sie den Luchs, der zwischen Großer Bär und Zwillingen über den Himmel pirscht.


    Informationen zum Sternbild Luchs

    Der mythologische Hintergrund des Sternbilds